Oschersleben l "Mitte bis Ende des kommenden Monats starten die Vorarbeiten für das Projekt der Bahnüberführung, daran besteht nun kein Zweifel mehr", ist sich Olaf Wachsmuth sicher. Gemeinsam mit dem Baubetriebsamtsleiter der Stadt Oschersleben, Steffen Czerwienski, plant der technische Leiter beim Trink- und Abwasserverband Börde (TAV) die ersten Schritte für das Millionenprojekt.

Denn bevor der Bau des Tunnels, also des sogenannten Trogbauwerkes begonnen werden kann, müssen etliche Leitungen verlegt beziehungsweise neu gebaut werden. Dazu gehören Regenwasser-, Abwasser- sowie Trinkwasserrohre.

"Den Anfang macht im Juni die Trinkwasserversorgung Magdeburg. Dafür wird die Anderslebener Straße voll gesperrt. Nur Anlieger kommen hier noch durch", sagt Olaf Wachsmuth. Anschließend legen die Stadt und der TAV nach, um Regen- und Schmutzwasserkanalisation zu erneuern. Bis zum November würden die Arbeiten dauern und anschließend die Sperrung vorerst wieder aufgehoben.

Ab August werde parallel mit den Arbeiten in der südlichen Fabrikstraße bis Bahnübergang begonnen. Hier soll der Regenwasserkanal sowie die Trinkwasserleitung neu verlegt werden. Das Befahren der Straße während der Arbeiten sei hier ebenfalls nur für Anlieger möglich.

"Wenn der Bau des eigentlichen Tunnels durch die Bahn als Bauherrin im Juni 2016 beginnt, werden wir die verrohrte Wasserrenne im Bereich Friedrichstraße/Schermcker Straße in Angriff nehmen und aufwendig umverlegen. Gleichzeitig erfolgt dort der Neubau der Schmutzwasserkanalisation und der Trinkwasserleitung", erklärt Olaf Wachsmuth.

Laut den beiden Fachmännern wurden die Vorraussetzungen für das Großprojekt nun tatsächlich geschaffen. Der Planfeststellungsbeschluss stehe, mit sämtlichen Einwändern habe sich die Bahn mittlerweile geeinigt, sodass Stadt wie TAV bereits mit dem Ausschreibungsverfahren begonnen haben. "Bis zum 3. Juli werden wir die Aufträge für unsere Vorhaben vergeben haben. Danach wird es eine Bauanlaufberatung mit allen Beteiligten geben, bevor Stadt und TAV am 27. Juli loslegen werden. Dann wird auch die Trinkwasserversorgung Magdeburg mit ihren Arbeiten fertig sein", zählt Czerwienski die nächsten Schritte auf.

Einzig einige wenige sogenannte Baulanderlaubnisverträge stünden noch aus. Dabei geht es um Flächen in meist privater Hand, die während der Bauarbeiten genutzt werden müssen. "Hier sind noch ein paar Fragen offen und werden aktuell bearbeitet. Das wird uns aber nicht hindern", sagen die beiden Planer.

Das Projekt Tunnelbau beschäftigt Oschersleben nun schon seit weit mehr als zehn Jahren. Die Bahn, die Landesstraßenbaubehörde und die Stadt Oschersleben planen seitdem gemeinsam die Beseitigung der drei Bahnübergänge Fabrikstraße, Schermcker Straße/Magdeburger Straße sowie Anderslebener Straße. Im Ergebnis der Maßnahme soll die Bahnquerung in der Magdeburger Straße/Schermcker Straße vom Autoverkehr durch den Tunnelbau unterfahren werden können. Die Planungen sehen vor, dass die südliche Rampe in Höhe des Netto-Marktes beginnt und die nördlichen in Höhe der Tafel des DRK. Auch die Anderslebener Straße soll eine Rampe etwa ab Höhe des TAV-Bürogebäudes erhalten, um Anliegern ein Rechtsabbiegen in den Tunnel zu ermöglichen. Die Schranken in der Anderslebener sowie in der Fabrikstraße soll es nicht mehr geben - beide werden als Sackgassen ausgeführt.

Bereits im Jahr 2004 hatte die Bahn die Planungsphase verschoben. Im Oktober 2007 beauftragte der Stadtrat den Bürgermeister, mit seiner Unterschrift der entsprechenden Kreuzungsvereinbarung zuzustimmen. Doch immer wieder hatte sich der Baubeginn wegen Einsprüchen und Einwenden verzögert.

Die Gesamtbaukosten schätzte Bürgermeister Dieter Klenke (parteilos) im November 2014 noch auf rund zwölf Millionen Euro. Nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz teilen sich Bund, Land und Stadt die Kosten, wobei den Bärenanteil Bund und Land zu tragen haben. Die Stadt sitze mit einem vergleichsweise geringen Kostenanteil von ein bis zwei Prozent mit im Boot. Die Ausgaben für die Leitungsumverlegungen durch Stadt und TAV müssen die beiden am Vorhaben Beteiligten laut Bauamtsleiter Steffen Czerwienski zunächst vorverauslagen.