"So viele Wanderer waren wir ja noch nie", staunte Bernd Röder von der Vereinigung "Stiftung Umwelt- und Naturschutz Großes Bruch", als er am vergangenen Wochenende zur jährlichen Bruchwanderung mit der Wandergruppe durch das einstige Niedermoorgebiet aufbrach.

Wulferstedt. Zahlreiche Frauen, Männer, Kinder und Vierbeiner aus der Umgebung, dem Raum Braunschweig und Halberstadt hielten während des Fußmarsches nicht nur Augen und Ohren offen, sondern lauschten auch gespannt den Ausführungen von Stiftungsmitglied Herbert Teulecke. Der Ornithologe klärte über Vogelarten auf, beantwortete zahlreiche Fragen und zeigte den ein oder anderen lebendigen Beweis im Bruch.

"Die Kraniche überwintern immer öfter hier", erklärte er und verwies auf eine gute Nahrungsgrundlage, die den Vögeln auch während der kalten Jahreszeit zur Verfügung steht. Besonders im letzten Jahr konnten größere Bestände des Rotmilan, der Großmöwen und auch Nilgänse gesichtet werden. "Sogar über 40 Kanadagänse haben wir gezählt", berichtete er weiter, bedauerte aber zugleich den noch immer drastisch zurückgehenden Bestand der Brachvögel. "Das ist ein echtes Problem, denn gerade mal zwei Pärchen gibt es bei uns im Bruch", erzählte er weiter.

Der Weg führte die Gruppe am Großen Graben entlang bis hin zum Hornhäuser Wehr, vorbei an der seltenen Pflanze "Kuckucksnelke" und umgeben von einer ganz besonderen Flora und Fauna. Während seiner Ausführungen verwies Herbert Teulecke auf die Geschichte des Großen Bruches, das sich von einem damals unpassierbaren Sumpfgebiet durch den Bau von Dämmen und einer ständig fortschreitenden Entwässerung zu einer blühenden Wiesen- und Weidelandschaft entwickelt hat. "Einst war der Große Graben sogar von Braunschweig bis nach Halberstadt schiffbar", erklärte Herbert Teulecke. 1981 wurden fast 800 Hektar des Großen Bruches zum Naturschutzgebiet erklärt. Dennoch wirkten sich intensive Nutzung sowie der Einsatz von chemischen Düngemitteln zu einem nicht mehr zu reparierenden Artenschwund in der Tier- und Pflanzenwelt aus. Wie weiter zu erfahren war, gibt es heute im 45 Kilometer langen Großen Bruch zwischen Oschersleben und Hornburg noch 300 verschiedene Pflanzenarten, 350 Käferarten, 25 Libellenarten, 67 Wildspinnenarten und über 200 Vogelarten.

Den Abschluss der Wanderung bildete ein Rundgang durch den Wulferstedter Park, der durch seinen alten und teilweise seltenen Baumbestand, die Art und Weise der Gestaltung und dem ganz besonderen Flair zum Verweilen einlud. Hier klärte Harald Schuhfuß über besonders seltene Bäume, wie beispielsweise den Lederhülsenbaum, mit ausführlichen Einzelheiten auf. Auch Fischexperte Gerhard Kleve vom Oschersleber Angelverein erklärte im anschließenden Bildervortrag viel Wissenswertes über die Fischbestände in den heimischen Gewässern. "Derzeit herrscht auch im Großen Graben reges Treiben", erläuterte er bereits während der Wanderung. Besonders die Karpfen machten während ihrer Liebesspiele im Wasser die Naturfreunde auf sich aufmerksam.

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