Oschersleben. Einmal im Monat lädt die Oschersleber Stadtbibliothek zur "Literatur im Lesecafé" ein und diese Veranstaltungsreihe hat längst einen festen Besucherstamm erobert. Am Mittwoch war die Oschersleber Autorin Gabriele Schossig zu Gast und ermutige mit ihren Gedichten und Geschichten dazu, die eigenen Träume zu leben, selbst wenn die lieben Mitmenschen diese Träume nicht gleich verstehen.

Gabriele Schossig begann mit der Geschichte "Das alte Haus". Es stand einsam, verlassen, verschmäht, bis eine junge Frau kommt. Sie streicht zärtlich über das Türblatt und das Haus öffnet nicht nur das Herz, sondern auch die bis dahin so sperrige Tür. Der Mann hinter der Frau findet das Haus hässlich, doch die junge Frau sieht vor ihrem inneren Auge bereits eine Schönheit, die dem Mann noch verborgen ist. Zwei Jahre später erstrahlt das Haus in neuem Glanz, Rosen ranken empor und alle Leute bleiben stehen und bewundern das alte Haus, das nun ein Besonderes ist.

"Ich habe irgendwann gemerkt, dass alles, was ich schreibe, unter dem Motto Träume leben\' steht", sagt die Autorin, und liest die Liebesgeschichte zwischen Amelie und dem Maler.

Der Maler malt düster und niemand glaubt an ihn. Amelie nennt seine Leidenschaft "brotlose Kunst" und verlässt ihn. Beide vergessen sich nicht, leben aber ohne einander. Als sie sich wiedertreffen, hat Amelie die Malerei erst entdeckt, um den Maler zu verstehen, dann findet sie selbst ihre Bestimmung im Ausdruck durch Formen und Farben. Der Maler indes hat nach einer Flucht in die Welt das Glück in sich selbst gefunden. Von da an finden sie erneut zueinander.

Gabriele Schossig lebt die Philosophie ihrer Geschichten ein Stück weit selbst. Einst arbeitete sie in anderen Städten als Bauingenieurin. Diesen Beruf hängte sie an den Nagel, kehrte wieder in ihre Geburtsstadt Oschersleben zurück und wechselte die Richtung. "Ich habe mein Hobby, die Psychologie, zum Beruf gemacht", erzählt die 42-jährige, "habe verschiedene Ausbildungen absolviert und arbeite nun als Heilpraktikerin für Psychotherapie." Das Schreiben hat sie vor ein paar Jahren ebenfalls für sich entdeckt.

Gabriele Schossigs Geschichten fanden beim Publikum Beifall, viele nahmen eins ihrer Bücher mit nach Hause. Besonderen Zuspruch fand das Buch "Die grinsende Katze", das sie schon einmal in der Oschersleber Bibliothek vorgestellt hatte, zu dem es inzwischen eine Fortsetzung gibt.

Auch in diesem Buch geht es um die Liebe und darum, dem Ruf der Freiheit zu folgen. Lisa ist eine Teppichkatze, klein, grau, mit blauen Augen, die zunehmend unter der Einsamkeit auf ihrem Teppich leidet, weil ihre Besitzerin in einer anderen Wohnung der Liebe frönt. Schließlich begegnet Lisa dem waschechten Abenteuerkater Petro. Der lockt sie vom Teppich herunter und gemeinsam erkunden sie die Weite der Welt.

Nicht nur die Seele wird gut behandelt mit den Geschichten bei "Literatur im Lesecafé", am Mittwoch gab es selbst gebackenen Pflaumenkuchen. "Von meiner Mutter", sagt Simone Gille. Die Bibliotheksleiterin weist außerdem auf die nächste Veranstaltung hin. Am 28. Oktober laden wir um 19.30 Uhr zu den "Reiseplaudereien" ein.