In der Notaufnahme des Agaplesionkrankenhauses in Seehausen ging es in der Silvesternacht ganz normal stressig zu. Karola Freund kann das beurteilen. Sie ist seit 1977 im Haus.

Seehausen l Bei fünf Schwestern und einem Pfleger in der Notaufnahme ist jeder alle drei bis vier Jahre mit dem Dienst an den Feiertagen dran. Jetzt war es die vierte Nacht in Folge für Karola Freund aus Lichterfelde. Die Schwester in der Notaufnahme zählt zu den dienstältesten im Krankenhaus.

Um 14 Uhr hatte ihr Dienst begonnen, vorher backte sie Pfannkuchen. Ihre Familie war an diesem Abend in Seehausen bei der Tochter. Heringssalat und Raclette sollte es geben, wenn sie um 22 Uhr nach Dienstschluss einkehren würde. Zwei Töchter und ein Sohn machen die Familie komplett, Tochter Martina trat in Mamas Fußstapfen und wurde Krankenschwester.

Karola Freund kam in dem Seehäuser Krankenhaus zur Welt, als das Haus noch Wochenstation war. Sie ließ sich zur Kinderkrankenschwester ausbilden und übte den Beruf von 1977 bis 1993 aus. "Ich kenne das Haus noch, als die Kinderstation hier unten war mit zirka 30 Säuglings- und 18Kinderbetten. Ich fing zu Zeiten von Dr. Manfred Kessel hier an", so die heutige Notaufnahme-Schwester, die durch Weiterbildungen umschwenkte und so ein neues Aufgabenfeld lieben lernte. "Ich hänge sehr an dem Haus", gab sie lächelnd zu, hat sie doch die patientengerechten Umbauten mit Freuden zur Kenntnis genommen. "Mir ist es auch ganz wichtig, dass jeder Patient würdig empfangen wird. Ich versuche, jedem gerecht zu werden, auch wenn es stressig zugeht."

Man müsse gut einschätzen können und ruhig bleiben. Vor allem: sich untereinander helfen. "Wir ergänzen uns alle", bemerkte die Rezeptionistin Annette Seidel. Die Notfallambulanz sei mit der Anmeldung die erste Anlaufstelle. Kommunikation ist da einfach alles. Karola Freund begleitet die Patienten zur Station und gibt bei der Übergabe Informationen an die jeweilige Station weiter, berichtet von den Vorgeschichten. Natürlich kommen auch ortsfremde Patienten, die gerade zu Besuch sind oder Urlaub machen, ins Krankenhaus.

Glücksklee in der Nacht

Silvester - ein ganz normaler Schichtdienst? Rezeptionistin Annette Seidel schenkte der Notfallambulanz-Schwester am Abend Glücksklee. Karola Freund brachte ihr eine Kostprobe vom Heringssalat mit. Zum Essen kam keine von ihnen. Einweisungen und ambulante Fälle wechselten sich ab. "Dafür sind wir da", stellten die Kolleginnen einstimmig fest, "wir stehen immer in Kontakt." Bei Karola Freund treffen Anrufe von Hausärzten, Notärzten und Leitstelle ein. Dann kann sie zum Beispiel schon mit Rollstuhl zum Haupteingang gehen, wenn der jeweilige Hausarzt mit seinem Patienten eintrifft.

Annette Seidel leitet nicht nur Anrufe an Karola Freund, die Rettungsstelle oder die Stationen weiter. "Ich bin auch Anlaufpunkt, wenn die Patienten Heimweh haben oder wenn Besucher kommen, deren Angehörigen es nicht gut geht. Gerade zur Weihnachtszeit." Nach ihrer Ausbildung zur Arztsekretärin an der Universität in Halle hatte Annette Seidel verschiedene Fortbildungen, ging in die Säuglingspflege und ist jetzt auch im Notfallseelsorgeeinsatz- und Kriseninterventionsteam des Landkreises Stendal. Ein sehr wichtiges Feld, betont sie, "denn wir sind hier oft Seelsorger." Karola Freund fügt hinzu:. "Man muss schon eine große Liebe zum Beruf haben." Und das hat sie wirklich.