Osterburg l Menschenleere Gassen am Dreikönigstag in Osterburg. Also wirklich menschenleer, nicht wie zu Weihnachten. Sachsen-Anhalt gehört mit Bayern und Baden-Württemberg zu den wenigen Bundesländern, die den 6. Januar zum Feiertag erklärt haben.

"Heute ist wieder das mit dem Weihrauch"

Für die meisten bedeutet das Datum wohl einfach: ein Tag mehr frei. Die katholische Kirche St. Josef in Osterburg platzte am 5. Januar fast aus allen Nähten. Am Vormittag des Dreikönigstages fand sich dort auch der Seehäuser Kantor Friedemann Nitsch ein. Der katholische Pfarrer Richard Perner ging mit ihm vor der Heiligen Messe den Ablauf durch, damit der Kantor den genauen Einsatz der Orgel wusste. Drei Mal war er nun in der katholischen Kirche als Organist eingesprungen. "Ich bin ja evangelisch und kenne mich mit dem Ablauf nicht genau aus", gab Nitsch ehrlich zu. Helene Huesmann, die heute ihren 12. Geburtstag feiert und in wenigen Jahren ihre Kommunion erfährt, erklärte ganz direkt: "Heute ist wieder das mit dem Weihrauch." Richard Perner präzisierte: "Die Heiligen drei Könige sind das Pendant zum 24. Dezember." Die Weihnacht findet ihren Abschluss an dem Sonntag nach dem 6. Januar. Dieser Tag stehe für die Festtaufe des Herrn, der am kommenden Sonntag 30 Jahre alt werde beziehungsweise wurde. Erst dann wird der Baum abgeschmückt. Nur zwei Jahre nach diesem Tag währte Jesus\' öffentliches Wirken. "Zwischen heute und Sonntag liegen also 30 Jahre. Am Sonntag beginnt das normale Kirchenjahr", so Perner.

Nach den ersten Liedern und der Lesung von Johannes Werner, der mit der Spende von zwei modern gebauten Engeln Zuwachs in die Krippe neben dem Altar gebracht hatte, sprach der katholische Pfarrer von den drei Weisen aus dem Morgenland, deren Gaben Weihrauch und Gold waren und welche die frohe Botschaft der Welt kundtun wollten. Ein Traum veranlasste sie, auf anderem Wege als geplant die Verkündigung zu verbreiten. Sie ahnten, dass Herodes falsch spielte. "Wie sieht heute Verkündigung aus?" fragte Perner, der Bezug auf die Twittermeldungen für den Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher nahm. "Hat man früher nicht gesagt: ¿Ich bete für dich\'? Was nützen Twittermeldungen, wenn der Betreffende im Koma liegt? Was heißt: Ich denke an dich und was: ich drücke die Daumen. Was sagt man nur so leichthin?" Manchmal sei man mit Worten zu schwach.

"Kannste nicht mal für mich beten?"

Die Erwartungshaltung der Leute ist geblieben: "Du bist doch katholisch. Kannste nicht mal für mich beten?", hört Richard Perner öfter. "Natürlich können wir das. In der heutigen Zeit den Glauben zu behalten und darüber nachzudenken, was nur so leichthin gesagt wird, ist wichtig. Wir können auch eine Kerze anzünden."

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