Nach 14 Jahren registrierte die Wetterstation der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) in Iden wieder zwölf Monate, die unter dem langjährigen Temperaturmittel lagen. Das und anderes erfuhr die Volksstimme im Gespräch mit Versuchstechnikerin Petra Veh.

Osterburg/Iden. Das momentane Hochwasser wurde auch deshalb zum Problem, weil der Boden flächendeckend gesättigt und die Grundwasserspiegel in den vergangenen Monaten stetig gestiegen sind – im Schnitt um etwa 60 Zentimeter (wir berichteten). Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Landwirte wegen eines langjährigen Niederschlagdefizits genau das Gegenteil beklagten. So schnell ändern sich im Zeichen des Klimawandels der Wetterextreme die Zeiten.

Die Erklärung für die praktisch kaum mehr vorhandene Aufnahmefähigkeit des Bodens liefert ein Blick in die meteorologische Statistik des zurückliegenden Jahres, den Petra Veh der Volksstimme seit vielen Jahren gewährt.

Demnach hat es in den vergangenen zwölf Monaten mit 727 Litern pro Quadratmeter über 200 Liter mehr geregnet als im langjährigen Mittel, das für den Standort der Idener Wetterstation immerhin auf 1962 datiert. Exakt am 26. September, so Petra Veh, sei das Jahressoll für hiesige Breiten schon erreicht gewesen. Die Niederschläge 2010 rangieren in der Statistik des Wischedorfes allerdings "nur" auf Rang zwei. 2007 war es mit 877 Millimetern noch etwas nasser. Im besagten Jahr hatte Mutter Natur allerdings auch einiges nachzuholen.

Der Tag mit dem meisten Regen geht übrigens auch auf den 26. September zurück. An jenem Sonntag vor gut dreieinhalb Monaten schüttet es 51,4 Liter pro Quadratmeter, kann sich die Versuchstechnikerin noch gut erinnern.

Und wen wundert es: Der Regen kam meist genau dann, wenn ihn Landwirte und Gärtner nicht so recht gebrauchen konnten. Als die Sommersaat keimen und die Wintersaat durchstarten sollte, war es zu trocken. In den Erntemonaten Juli, August regnet es mehr als das Dreifache des Üblichen.

Bei der Summe der Temperaturen entwickelt sich das Jahr genau in die entgegengesetzte Richtung. Nachdem es 14 Jahre lang immer nach oben ging, lag 2010 mit 8,5 Grad endlich mal wieder unter dem langjährigen Mittel – zwar nur knapp, aber immerhin darunter.

Allerdings machte das vergangene Jahr einmal mehr deutlich, dass der Durchschnitt auch eine Summe von Extremwerten sein kann. Laut Wetterexpertin waren nämlich genau sechs Monate zu kalt und sechs zu warm. Nebenbei gesagt: Bei den Niederschlägen verhält es sich genauso: Die eine Hälfte der Monate lag unter, die andere über dem langjährigen Mittel. Unter dem Strich reichen die 8,5 Grad in der Rangliste der wärmsten Jahre für den 28. von 49 Plätzen.

Den wärmsten Tag 2010 notierte Petra Veh am 12. Juli mit einer Tageshöchsttemperatur von 38,1 Grad – wie alle anderen Temperaturen im Schatten und in zwei Meter Höhe gemessen. Der sonnenreichste Tag des vergangenen Jahres war da allerdings schon längst Geschichte. Die meisten Sonnenstunden wurden nämlich am 27. Juni registriert. 14 Stunden schien "Klärchen" damals auf die Idener und deren Nachbarn herunter. Die Tiefsttemperatur geht auf den 27. Januar zurück, an diesem Tag – genauer gesagt in der Nacht – sank die Quecksilbersäule auf 18Grad unter Null. Das höchste Tagesmittel wurde dagegen am 10. Juli mit 29,1 Grad registriert. Der entgegengesetzte Wert steht mit -13 Grad am 26.Januar im Kalender. Sowohl die Sommer- (Temperaturmaximum 25 Grad und mehr) als auch die Tropentage (Maximum mindestens 30 Grad) weist die Statistik mit 54 (39) beziehungsweise 18 (10) Tagen weit über dem langjährigen Mittel aus. Ein ähnliches Bild bei den Frost- und Eistagen mit 100 (90) und 51 (22). Da wundert auch nicht, dass die 82 (42) Wintertage (Tagesmittel unter Null Grad) rekordverdächtig sind. Es ist in Iden der höchste Wert seit 33 Jahren. Eine geschlossene Schneedecke wurde an 80 Tagen registriert. Durchschnitt sind 27. Man muss kein Meteorologe sein, um bei der Wetterentwicklung zu prophezeien, dass der Wert noch getoppt werden kann.