Der Nachwuchs fehlt, die eigenen Reihen lichten sich. Schweren Herzens kommen die Osterburger Plattschnacker zu dem Entschluss, sich nach 20Jahren aufzulösen.

Osterburg l Mit ein wenig Wehmut in der Stimme verkündete Helga Albert am Dienstag- nachmittag im Osterburger Café Behrends: "Wir sitzen heute noch einmal hier zusammen; unsere Plattschnackergruppe löst sich auf."

Was die Leiterin der Osterburger Mundartfreunde damit sagte, bedeutete das Ende von 20 Jahren gesprochenem, geschriebenem und gesungenem Platt in einer Gemeinschaft, die seinerzeit die Liebe zum altmärkischen Niederdeutsch zusammengeführt hatte. Man spürte, dass diese Entscheidung Helga Albert nicht leicht gefallen war, hatte sie doch selbst viel Freude, aber auch Arbeit an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit gehabt.

Für manche in der in letzter Zeit arg geschrumpften Runde kam diese Ankündigung nicht überraschend, hatten doch Alter, Krankheit und Dahinscheiden im Laufe der Jahre sehr dezimierend gewirkt; in den ersten Jahren hatten zu den Veranstaltungen oft die Plätze im Saal des Cafés nicht ausgereicht.

Letzte Aktion im "Dörpschen Krug"

Aber dann wurden die Lücken an den beiden Tafeln immer größer. Jugendlicher Nachwuchs hatte sie nicht zu füllen vermocht, denn es war keiner da. Lediglich eine Gruppe an der Flessauer Grundschule, von Helga Albert liebevoll als Plattschnacker-Zukunft in der Region bezeichnet und unterstützt, gibt Hoffnung, dass hier ein kleines mundartliches Pflänzchen heranwächst.

"Wir hatten im Laufe der Jahre zusammen geschnackt, Texte aus Büchern plattdeutscher Autoren vorgelesen", erinnerte Helga Albert. "Wir haben Lieder auf Platt gesungen und uns plattdeutsch schreibende Autoren eingeladen. Wer das kennt, weiß, dass durch diese schöne Sprache auch ernste Themen eine heitere Seite bekamen und manch derbe Ausdrücke durchaus etwas Charmantes. Wir hatten auch Privates nicht ausgespart, wenn jemand seine Sorgen los werden wollte. Es war eine schöne Zeit. Aber das alles ist nun Geschichte."

Vielleicht werden sich die meisten Plattschnacker noch einmal wiedersehen, wenn am 5. April im "Dörpschen Krug" in Gladigau ein altmärkisches Folklorefest stattfindet, zu dem viele Volkskunstgruppen eingeladen sind und zum Teil auch bereits zugesagt haben, unter anderem Gruppen aus Havelberg, Grassau, Wanzer, Dobberkau und die Flessauer Kinder. Musikanten werden aufspielen, Lieder gesungen, Geschichten und Gedichte gelesen, Sketche zum Besten gegeben. Helga Albert wird einiges aus der 20-jährigen Geschichte der Osterburger Plattschnacker vortragen. "Das soll von uns Plattschnackern die letzte Aktivität sein", sagte sie bewegt.

Noch einmal brachten sie und Eva Möller ihr Textbüchlein zum Vorschein und lasen Heiteres aus dem plattdeutschen Volksmund - von der Heidje bis an die Waterkant. Im Altmärkischen gibt es ein Sprichwort: "Wie to Scheeltüffeln Solt, hört to Pannkoken backen Smolt, und wer de Oltmark kenn will lehrn, de mütt denn ok mol Plattdütsch lörn."

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