Vertreter großer Seehäuser Unternehmen, deren Geschäftspartner mit der Bahn anreisen, verschweigen gern ihren Bahnhof und lassen Gäste in Wittenberge oder Stendal aussteigen, um sie mit dem Auto abzuholen. Nein, ein Aushängeschild ist der Haltepunkt im Westen der Alandstadt wirklich nicht.

Seehausen l Den Stadtvätern ist der Bahnhof, an dem Randalierer und Graffiti-"Künstler", aber nach zwei Jahrzehnten Lehrstand auch der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen haben, ein Dorn im Auge. Da die Kommune nicht Eigentümer des Gebäudes und des Grundstückes ist und die Gespräche mit der Immobilien-abteilung der Bahn AG in der Vergangenheit wenig fruchtbringend waren, wurde es etwas still um den Bahnhof.

Grundstück ist nicht investorenfreundlich

Stadtratsmitglied und bekennender Bahnnutzer Willi Hamann will sich mit der Situation nicht abfinden und versucht seit Ende 2013 mit den Verantwortlichen des Logistik-Konzerns ins Gespräch zu kommen. Was ihm scheinbar leichter gelang, als er sich das vorgestellt hatte. Jedenfalls berichtet er als Kopf einer Arbeitsgruppe von guten Gesprächen, die offenbar Hoffnung auf ein Ende des Prozederes noch vor dem Sankt-Nimmerleins-Tag machen.

Nachdem die Vermarktungspläne von Bahnhöfen "im Paket" keine große Resonanz bei Investoren fanden, ist die Bahn AG offenbar bereit, auch andere Wege zu gehen. Eine wichtige Nachricht, die Hamann aus den Gesprächen mitbrachte und die in diesem Monat fortgeführt werden: Am Kaufpreis soll die Vermarktung nicht scheitern. Was angesichts des Zustandes des Bauwerkes auch logisch erscheint. Allerdings gibt es noch andere Hinderungsgründe, die Käufer abschrecken, die sich mit der Nähe von Personen- und Güterverkehr auf der Schiene sonst eigentlich arrangieren können.

Währen das Bahnhofsgebäude selbst kaum über Hinterland verfügt und künftige Nutzer den Passagierfluss als Durchgangsverkehr dulden müssen, handelt es sich bei dem anhängigen Grundstück um einen gut 800 Meter langen Schlauch entlang der Gleise zwischen den Bahnübergängen an der Schulstraße und der Waldemar-Estel-Straße. An den schmalsten Enden ist das als Gewerbefläche ausgewiesene Grundstück nur wenige Meter breit beziehungsweise schmal. Dazu steht ein Reihengaragenkomplex mit zum Verkauf, während belastendes Nebengelass sonst kaum anhängig ist.

Obwohl die Stadt als Eigentümer des Bahnhofes kaum in Frage kommt, könnte sich die Kommune vielleicht beim Grundstück einbringen und so für die Pendlerparkplätze sorgen, die der Schnittstelle bislang fehlen, regt Hamann an. Oder beim Akquirieren von Fördermitteln. Zum Beispiel über das REVITA-Programm der NASA, das schon anderen Bahnhöfen im Land zu neuem/alten Glanz verholfen hat.

Auch für Osterburg fand sich ein Käufer

Hoffnung hat das Stadtratsmitglied für den Bahnhof nicht zuletzt deshalb, weil sich das Osterburger Gegenstück letztlich auch an einen Investor bringen ließ, der seinem Kauf inzwischen sogar Taten folgen ließ und die Sanierung des Baus startete, der in Osterburg ebenso stadtteilprägend ist wie in Seehausen. Wobei sich in Seehausen überdies ein intaktes Umfeld mit sanierten und bewohnten Häusern in die Waagschale werfen lässt.

Wenn das Gebäude mit Leben erfüllt wäre, würde das sicher auch Vandalen abschrecken, vermutet Hamann, der in dem Zusammenhang außerdem für eine Lösung in Sachen öffentliche Toilette hofft. Über die Verwendung des Bahnhofsgebäudes will Hamann nicht orakeln. Denkbar sei alles von Wohnungen über Planungsbüros, Praxen, Verkaufsräume, Gastronomie und anderes mehr. Natürlich wäre es kontraproduktiv, der Innenstadt Konkurrenz zu machen.

   

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