Wie in zahleichen anderen Orten Sachsen-Anhalts, wurde auch in Werben am Freitag gegen Schulschließungen demonstriert. An der Kundgebung vor dem Rathaus beteiligten sich deutlich mehr als 200 Kinder und Erwachsene.

Werben l Noch eine viertel Stunde vor dem offiziellen Demo-Beginn war es auf dem Rathausplatz fast menschenleer. Kurz vor 17Uhr zeichnete sich aber bereits ein ganz anderes Bild ab. Viele Kinder und Erwachsene hatten sich eingefunden und aus allen möglichen Richtungen kamen noch weitere anmarschiert. Nicht wenige hatten Luftballons und bunte Bänder dabei, denn auch die Werbener Protestorganisatoren folgen dem Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort", die mit farbenfrohen Aktionen für eine bunte Schullandschaft kämpfen. Noch etwas bunter wurde das Bild, weil die Veranstalter anlässlich des Valentinstages am Freitag rote Luftballons in Herzform verteilten.

Viele der Demo-Teilnehmer waren mit Transparenten und Spruchbändern ausgestattet, die sich allgemein gegen weitere Schulschließungen in den ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts richteten und ganz konkret den Erhalt der Werbener Grundschule forderten. Einmal mehr war der Verein Werben für Kinder Veranstalter der Freitagsdemo in Werben. Dessen Vorsitzende Ines Bergmann brachte bei der Begrüßung ihre Freude über die große Resonanz zum Ausdruck. Die Hauptorganisatorin war auch die erste Rednerin.

Inventarisierung sorgt für großen Ärger

"In den vergangenen 14 Tagen seit unserer ersten Demo fand ich einiges gut und einiges schlecht. Schlecht fand ich die Inventarisierung der Einrichtungsgegenstände in unserer Schule. Ich glaube allerdings nicht an die offizielle Erklärung des Verbandsgemeindebürgermeisters, dass es sich bei dieser Aktion der Verwaltung um eine turnusgemäße Inventarisierung handele. Dann hätte 2011 auch eine stattfinden müssen. Aber das war nicht der Fall", so Bergmann. Und sie fügte hinzu: "Gut finde ich dagegen den Zusammenhalt in unserer Stadt. Er ist sichtlich gewachsen. Lasst uns etwas daraus machen - nämlich die Schule erhalten!"

Auch Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt ergriff das Wort. "Im Kampf für unsere Schule gibt es Rückschläge und Fortschritte", begann er. Wie das Stadtoberhaupt informierte, sei der von ihm eingelegte Widerspruch gegen den Kreistagsbeschluss, die Werbener Schule zu schließen, vom Landkreis Stendal abgelehnt worden. Das Schreiben vom Landrat habe er kürzlich erhalten - mit der Begründung, dass Widersprüche gegen politische Entscheidungen nicht zulässig seien. Zulässig seien hingegen Widersprüche gegen Verwaltungsentscheidungen. Hufschmidt kündigte an, dies in jedem Fall in Anspruch zu nehmen, wenn das Landesverwaltungsamt die Schulschließungen besiegelt. "Wir haben gute Gründe, dann zu widersprechen."

Wie der Bürgermeister zur Freude der Demonstranten weiter ausführte, habe er kürzlich einen Brief aus der Gemeinde Altmärkische Wische erhalten. Darin bekundete der Gemeinderat, dass er eine weitere Beschulung von Kindern aus der Gemeinde in der Grundschule Werben unterstützt. "Das hat eine große Bedeutung für unsere Schule", betonte Hufschmidt. "Allerdings muss der Verbandsgemeinderat Seehausen dem Anliegen auch noch seine Zustimmung geben. Dafür werde ich mich mich intensiv einsetzen."

"Auch für die, die schon aufgegeben haben"

Ines Bergmann

Noch einige weitere Demonstranten ergriffen von der Rathaustreppe aus das Wort. Die drohende Schulschließung veranlasste den Werbener Bruno Hirsch sogar, ein Gedicht über die mehr als 100-jährige Werbener Schule zu schreiben. Er trug es laut vor. Darin heißt es in der letzten Strophe: "Das Haus steht fest und auch die Eichen, warum soll jetzt die Schule weichen?"

Auch Ines Bergmann ergriff noch einmal das Wort. "Wir kämpfen mit unseren Aktionen nicht nur für unsere Schule in Werben, sondern gegen die Schließung von vielen Grundschulen im ganzen Land. Wir demonstrieren also auch mit für alle, die ihren Kampf noch nicht begonnen oder bereits aufgegeben haben."

Nach gut einer halben Stunde Kundgebung vor dem Rathaus sammelten sich die Demo-Teilnehmer, um gemeinsam zur Schule zu marschieren. Diesmal hatten die Ordnungsbehörden auch die Nutzung der Straße für diesen Zweck genehmigt. Vom Marktplatz aus bewegte sich der ansehnliche Protestzug zur Grundschule. Dabei riefen die Demonstranten laut ihm Chor: "Schule muss bleiben!".Wie schon bei der ersten Demo vor 14 Tagen sollte wieder eine Menschenkette um das Schulgebäude gebildet werden. Dank der großen Teilnehmerzahl formierte sich diesmal sogar eine doppelte Kette. In zwei Wochen soll die dritte "Freitagsdemo" in Werben stattfinden.

   

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