Eine umfangreiche Tagesordnung hatte der Werbener Stadtrat bei seiner Sitzung am Dienstag abzuarbeiten. Das Gremium sprach sich unter anderem für die Weiterführung des Schulhortes ab September aus.

Werben l Die Erarbeitung einer "Interessenserklärung zwecks Fortbestand des Hortes in der Hansestadt Werben" war einer der am umfangreichsten diskutierten Tagesordnungspunkte bei der jüngsten Ratssitzung.

Der Verbandsgemeinderat Arneburg-Goldbeck hatte seinen Beschluss über die Weiterführung des Werbener Schulhortes beziehungsweise seine Schließung ab September 2014 auf Vorschlag von Wolfgang Trösken noch einmal vertagt, weil erst einmal der Beschluss des Seehäuser Stadtrates dazu abgewartet werden sollte. "Das Interesse der Verbandsgemeinde, in dieser Angelegenheit Klarheit zu haben, ist nachvollziehbar und die Zeit drängt", so Werbens Bürgermeister gegenüber dem Stadtrat.

Hans-Dieter Görtzen stellte eingangs der Diskussion den Antrag, die Beschlussfassung noch einmal zu vertagen, und argumentierte: "Wenn wir jetzt den Beschluss zum Hort fassen, signalisieren wir, dass wir den Kampf um unsere Schule aufgegeben haben."

Elisabeth Gellerich meinte dagegen, dass es vor allem für die Eltern wichtig sei, eine Entscheidung zu fällen. "Wir sollten auch der Verbandsgemeinde in dieser Angelegenheit ein Stück entgegenkommen. Wenn wir eine Entscheidung verweigern, wird trotzdem ein Beschluss gefasst", so Gellerich.

Ratsmitglied warnt vor "Flickenteppich"

Wolfgang Trösken wies darauf hin, dass der Verbandsgemeinderat entscheide, wo sich der Hort für die Kinder aus dem Bereich Werben und Iden befinde. "Ich finde, wir sollten darüber diskutieren, ob wir alle Kinder im Idener Hort belassen. Denn die getrennte Betreuung läuft auf einen Flickenteppich hinaus." Trösken ging in diesem Zusammenhang auch auf den am Dienstag erschienenen Volksstimme-Beitrag ein, in dem Werbens Altbürgermeister Volkmar Haase zur Diskussion um die Hortstandortfrage Stellung bezieht. "Haases Äußerungen zum Idener Hort kann ich nur als Entgleisung bezeichnen", meinte Trösken.

Michael Nix sprach sich eindeutig für den Erhalt des Werbener Hortes aus. "In Iden müsste angebaut werden. Dann gäbe es allerdings auf dem Schulhof für die Kinder noch weniger Platz als ohnehin schon." In Werben hätten die Kinder dagegen jede Menge Platz. Nix ergänzte, dass dann auch die Kinder aus den Ortsteilen der Hansestadt in Werben auf Wunsch den Hort in Werben besuchen können sollten.

Hufschmidt unterstrich, dass er in dem Beschluss pro Werben kein Signal sehe, dass der Kampf um die Werbener Schule aufgegeben werde. Es gebe Signale auf Landesebene, dass man die Schulschließungspolitik überdenken wolle. Der Bürgermeister verwies auf den aus seiner Sicht "sowohl baulich als auch vom Programm her ausgesprochen guten Hort" in Werben. Der Antrag Görtzens auf Vertagung des Hort-Beschlusses wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Noch viele offene Fragen rund um den Hort

Nix verwies darauf, dass der Verbandsgemeindebürgermeister Eike Trumpf beim VG-Rat gesagt habe, dass nur eine Fahrt bezahlt würde - entweder die von der Schule nach Werben oder die Busfahrt vom Hort in die Ortsteile. Möglicherweise müssen die Kinder aus den Ortsteilen darum im Idener Hort verbleiben. Dieses Problem dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

Frank Ulrich machte auf weitere offene Fragen aufmerksam. Es gebe derzeit keine konkreten Zahlen darüber, wie viele Eltern ihre Kinder nach Seehausen zur Schule schicken wollen. Dies sei aber von erheblichem Belang auch für die Hortentscheidung. Hufschmidt informierte dazu, dass es tatsächlich viele Eltern gebe, die ihre Kinder aufgrund des Beschlusses zur Schließung der Werbener Grundschule nach Seehausen schicken wollen. Sie befänden sich derzeit in einem Widerspruchsverfahren mit dem Schulamt. "Auch wenn wir derzeit noch nicht wissen, wie sich die Eltern entscheiden und wie das Schulamt mit den Widersprüchen umgeht - wir müssen zu einer Beschlussfassung kommen."

Gellerich ergänzte: "Wir sollten zum Wohl der Kinder entscheiden. Wenn wir heute den Beschluss für die Weiterführung unseres Horts fassen, besteht zumindest die Chance, unsere Kinder künftig weiter in Werben zum Hort zu schicken." Bei der Abstimmung sprachen sich drei Ratsmitglieder für die Hort-Weiterführung aus. Es gab nur eine Gegenstimme sowie drei Enthaltungen.

"Auf unvernünftige Weise Geld investiert"

Wolfgang Trösken

Ein weiterer Tagesordnungspunkt bei der Ratssitzung drehte sich um die Jahresrechnung der Hansestadt Werben für das Jahr 2012 und die Entlastung des Bürgermeisters für diesen Zeitraum. Kämmerin Dana Hoedt führte dazu aus, dass das Rechnungsprüfungsamt die Unterlagen dazu geprüft habe. Es gebe keine maßgeblichen Beanstandungen. Das Ergebnis sei kommunalrechtlich bestätigt worden. Demnach könne sie empfehlen, dem ehemaligen Werbener Bürgermeister, Volkmar Haase, die Entlastung zu erteilen.

Dem widersprach jedoch Wolfgang Trösken. "2012 war der Beginn der Schulsanierung in Werben. Dort wurde auf völlig unvernünftige Weise viel Geld investiert. Und Altbürgermeister Haase hat meiner Meinung nach daran einen gehörigen Anteil. Ich kann daher seiner Entlastung nicht zustimmen."

Jochen Hufschmidt antwortete, dass die Baumaßnahmen an der Schule mit Zustimmung des Landes und des Landkreises vorgenommen worden seien und der Stadtrat alle Maßnahmen beschlossen habe. Der Beschluss über die Jahresrechnung 2012 und die Entlastung Haases fällte der Stadtrat schließlich mit klarer Mehrheit. Nur Trösken stimmte dagegen.