In der Region Seehausen herrscht am Aland weiterhin eine extrem angespannte Hochwassersituation. Die Lage wird sich in den kommenden Tagen auch nicht entspannen. Erschwerend kommt hinzu, dass Elbewasser zunehmend durch die Seege in den Zehrengraben strömt. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen rechnet damit, dass das Wasser in der Zehrengrabenregion höher ansteigen wird als 2006.

Seehausen. Wie Schwarz gestern Nachmittag in einem Pressegespräch ausführte, bleibt die Situation am Aland auch in den nächsten Tagen sehr kritisch. "Den Wasserstand im Alandschlauch haben wir gegenwärtig im Griff. Durch die Öffnung der Polder Garbe und Wrechow sinkt zurzeit der Pegel des Alands langsam. Das schafft Entlastung für die Stadt Seehausen." Das Hochwasser der Elbe stand gestern bereits deutlich höher als das Niveau des Alands. Der höchste Scheitel der Elbe für Wittenberge wird für heute erwartet. Schwarz: "Danach wird das Wasser der Elbe nur sehr langsam wieder fallen. Es bleibt also eine sehr angespannte Situation. Das Alandabschlussbauwerk wird geöffnet, sobald dies möglich ist."

Große Sorgen bereiteten mittlerweile die alten Deiche des Alands. Sie wiesen vermehrt Sickerstellen auf. Diese werden abgedichtet. "Wir gehen davon aus, dass wir am Aland keiner größeren Katastrophe entgegen gehen", so Schwarz. Zahlreiche Mitarbeiter der Kreisstraßenmeisterei sicherten gestern am rechten Alanddeich bei Pollitz ein mehrere hundert Meter langes Deichstück ab, wo Alandwasser bereits massiv durch den Deich gedrungen und über die Berme abgelaufen ist. Dort wurden Vlies und rund 500 Tonnen Kies ausgebracht, um die Deiche abzudichten.

Mit Blick auf die gefährdeten Alanddeiche appelliert der Verbandsgemeindebürgermeister an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung und mahnt: "Die Deiche sind stark aufgeweicht. Sie dürfen von Unbefugten nicht betreten werden. Jeglicher Hochwassertourismus sollte unterbleiben." Mittlerweile sei auch die Polizei verstärkt im Einsatz, um Personen an und auf den Deichanlagen zu kontrollieren.

Während die Situation am Aland gegenwärtig gleichbleibend angespannt ist, verschärft sich die Lage am Zehrengraben zunehmend. Schwarz: "Elbewasser staut sich in Massen durch die Seege zurück. Vom Donnerstag zum Freitag war bei Bömenzien nach meinem optischen Eindruck ein Wasseranstieg von rund 30 Zentimetern zu verzeichnen. Und nach wie vor steigt es dort stark an. Wir müssen davon ausgehen, dass im Zehrengrabengebiet noch mehr Flächen überflutet werden als 2006."

In Bömenzien seien bereits zwei Grundstücke mit Sandsäcken gesichert worden. Es werde davon ausgegangen, dass die vorgenommenen Eindeichungen dort ausreichten.

Vorwürfe einer der betroffenen Familien, dass sie keine Unterstützung von der Gemeinde und der Verbandsgemeinde erhalten hätten, weist Schwarz entschieden zurück. Es seien rechtzeitig ausreichend Kies und Sandsäcke nach Bömenzien geschafft worden – wie im Jahr 2006. Diese seien dann von Betroffenen selbstständig zu befüllen und auszulegen gewesen. Dies sei mit Unterstützung von Einwohnern aus Bömenzien mittlerweile auch geschehen. Schwarz unterstreicht: "Wir versuchen, alle Grundstücke zu sichern, wobei Wohnhäuser natürlich Priorität haben. Bei Bedarf kommt Hilfe auch über die Einsatzkräfte. Aber wer sich nicht bei uns meldet und Hilfe anfordert, muss sich auch nicht beschweren."

Am Zehrengraben wird mittlerweile auch versucht, für Entlastung zu sorgen. Bei Aulosen wurde – wie schon 2006 – eine Pumpstation eingerichtet. Vier Pumpen vom Landesbetrieb für Hochwasserschatz und eine fünfte von einem Agrarbetrieb sind im Einsatz, um Oberflächenwasser aus dem Schaugraben in den Flutmuldengraben zu pumpen – und so Platz zu schaffen, bevor das Rückstauwasser aus dem Zehrengraben bei Aulosen ankommt.

Die Hochwasserlage im Norden des Landkreises Stendal schätzt Reinhard Schwarz als weiterhin kritisch ein. Vor allem werde die Region noch sehr lange mit hohen Wasserständen zu kämpfen haben.

 

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