Am Freitag fand in Werben die dritte Demonstration für den Erhalt der örtlichen Grundschule und gegen weitere Schulschließungen in Sachsen-Anhalt statt. Die Zahl der Teilnehmer wurde auf rund 200 Personen geschätzt.

Werben l Trotz Regens fanden sich vor der Werbener Johanniskirche zahlreiche Erwachsene und Kinder ein, darunter auch Gäste aus Orten außerhalb der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck - zum Beispiel aus Losenrade, Wanzer und Lichterfelde. Nicht von ungefähr war diesmal das Gotteshaus als Treffpunkt ausgesucht worden. Pfarrer Jan Foit hatte mit Kindern aus dem Pfarrbereich eigens für die Demo einen selbstgeschriebenen Rap einstudiert, den die Mädchen und Jungen in der prall gefüllten Kirche engagiert vortrugen. Dafür gab es begeisterten Applaus.

Ines Bergmann vom Verein Werben für Kinder berichtete, dass sie zahlreiche Verbandsgemeinderatsmitglieder zur Demo eingeladen hatte. Immerhin gab es einige Absagen mit Begründung. Einige hätten ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, angefeindet zu werden.

Willkommensgruß an alle Lokalpolitiker

Um für das nächste Mal diese Angst zu nehmen, sprachen die Demonstranten unter Anleitung von Bergmann mehrfach im Chor "Hallo, Politiker!", als eine Art Willkomensgruß.

Auch Pfarrer Foit ergriff kurz das Wort. Nicht nur mit Blick auf seine eigenen Kinder sei es ein Albtraum, dass schon die Jüngsten immer weitere Schulwege in Kauf nehmen müssten. Foit übermittelte Grüße vom Superintendenten Michael Kleemann, der den Demonstranten Durchhaltevermögen wünsche, damit ihr Anliegen schließlich auch bei den Entscheidungsträgern Gehör finde. Ähnlich aufmunternden Inhalts waren die Grüße des Theologen Friedrich Schorlemmer, die Ines Bergmann übermittelte. Der Bürgerrechtler ließ zudem ausrichten, dass er sich wünsche, dass auch im Schuldienst stehende Lehrer ihre Meinung sagen dürfen.

Weiterhin ging Bergmann auf die enorm lange Schultradition in Werben ein. Diese reiche bis zu 800 Jahre zurück. Die jetztige Schule könne auf eine über 100-jährige Geschichte verweisen. Bergmann blickte in den Kirchenraum und forderte alle, die selbst in die Werbener Schule gingen, auf aufzustehen. Neben den Kindern erhob sich daraufhin ein Großteil der Kirchenbesucher. Die Rednerin verwies noch einmal deutlich auf das Anliegen, dass es bei den Werbener "Freitagsdemos" nicht nur gegen die Schließung der Werbener Schule, sondern gegen Schulschließungen in ganz Sachsen-Anhalt gehe.

Eine andere Vertreterin vom Verein "Werben für Kinder" lud konkret auch Menschen aus den Orten ein, sich den Demonstrationen anzuschließen, in denen Schulschließungen derzeit nicht zur Debatte stehen. "Auch dort sind die Schulen nicht sicher. Überall sollten die Menschen aktiv werden. Es geht darum, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Denn wo Schulen geschlossen werden, steigt die Abwanderung. Und das schadet allen." Applaus und Jubel erhielt dann der erst zehnjährige Justin, der sich als mitreißender Redner zeigte. Unter anderem sagte er: "Wir müssen uns richtig zur Wehr setzen." Und: "Nur weil Werben keine große Stadt ist, können sie hier nicht alles dichtmachen."

Als Gäste waren diesmal auch zwei Vertreter vom Aktionsbündnis "Grundschulen vor Ort" in Werben mit dabei. "Ich verneige mich vor dem, was Sie hier tun", meinte der ursprünglich aus der Schweiz stammende Walter Helbling.

Papier mit 95 "Thesen" am Lutherdenkmal

Er berichtete, dass er - unmittelbar aus Magdeburg kommend - am Freitag ein Wechselbad der Gefühle erlebt habe. Kultusminister Dorgerloh habe zu verstehen gegeben, dass er an den Schulschließungsplänen festhalten wolle. "Wider besseres Wissen verharrt er auf seinem Standpunkt, dass kleine Schulen schlechte Schulen seien." Nachbarländer wie beispielsweise Österreich und die Schweiz, bewiesen genau das Gegenteil. Auch die gebetsmühlenartige Wiederholung des Arguments, dass sich Sachsen-Anhalt kleine Schulen nicht leisten könne, sei falsch. Die Lösung laute jahrgangsübergreifender Unterricht.

Nicht von ungefähr hatte das Aktionsbündnis am Luther-Denkmal vor der Magdeburger Johanniskirche ein "Thesenpapier" angebracht. Unter der Überschrift "Kleine Schulen sind..." sind insgesamt 95 positive Aussagen über kleine Schulen aufgelistet. Heinz-Josef Sprengkamp hatte ein Exemplar des "Thesenpapiers" nach Werben mitgebracht.

Wie Helbling weiter ausführte, behaupteten die verantwortlichen Politiker zudem oftmals, dass die von ihnen propagierte Schulpolitik "von unten her demokratisch legitimiert" sei. "Beweisen Sie, dass es anders ist. Nehmen Sie Ihre Politiker in die Pflicht und verweisen Sie dabei auf die am 25. Mai anstehenden Wahlen", forderte Helbling. Nach Abschluss der Kundgebung in der Kirche bewegte sich wieder ein beeindruckender Demonstrationszug durch die Werbener Innenstadt zur Schule.

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