Das Büchernetzwerk erweitert sich von Stendal aus in Richtung Norden. In der Verbandsgemeinde Hohenberg-Krusemark gibt es nunmehr auch insgesamt vier Anlaufstellen für alle Bücherfreunde. Das Ausleihen der Lektüre ist kostenfrei.

Goldbeck l Hans-Jürgen Kaschade, langjähriger Rektor der Fachhochschule in Stendal und Stiftungsgründer, rief vor 20 Jahren das Literaturhilfswerk ins Leben, über das viele Studenten im Ausland von Deutschland aus mit Fachbüchern versorgt wurden. Mit dem beruflichen Wechsel Kaschades in die Wirtschaft wurde das Literaturhilfswerk aufgelöst, doch der Initiator setzt sich weiter dafür ein, die unendliche Welt der Bücher jedermann zugänglich zu machen. Gemeinsam mit weiteren Initiatoren gründete Kaschade das Büchernetzwerk in Stendal, das nun dabei ist, sich weiter auszudehnen. Ziel ist es, Literatur für jedermann kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

"Ich bin durch ein Gespräch auf das Projekt von Professor Kaschade aufmerksam geworden und fand die Idee so gut, dass ich sie für unsere Region übernehmen wollte", sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arneburg-Goldbeck, Eike Trumpf, gestern in einem Pressegespräch zur Vorstellung des Büchernetzwerks. Zwei Standorte für öffentlich zugängliche Bücherregale waren schnell gefunden - das Verwaltungsamt in Goldbeck und das Rathaus in Arneburg. Trumpf fragte aber auch bei den Bürgermeistern der acht Gemeinden der VG nach. Es gab Rückmeldungen aus Werben und Hohenberg-Krusemark. Auch dort stehen bereits Bücherregale - im Rathaus (Werben) und im Gemeindehaus Hohenberg-Krusemark mit angeschlossener Gaststätte. Trumpf: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, vier prägnante Standorte mit hohem Publikumsverkehr für diesen Zweck gefunden zu haben. Die Standorte Arneburg, Hohenberg-Krusemark und Werben liegen zudem am Elberadweg. So haben sogar weitgereiste Radler die Möglichkeit, in Büchern zu schmökern." Weitere Gemeinden oder Einrichtungen, die ebenfalls Interesse haben, sich am Büchernetzwerk zu beteiligen, können sich gern bei Eike Trumpf melden.

Lesemotivation fördern ist das Hauptanliegen

Kaschade möchte mit dem Projekt vor allem eines: die Lesemotivation fördern. "Die ältere Generation ist das Lesen noch gewohnt. Ganz anders sieht das heute bei den meisten Jüngeren aus. Wir möchten mit dem Büchernetzwerk alle Generationen erreichen." Eine weitere Überlegung, das Vorhaben in die Tat umzusetzen, ist für Kaschade der demografische Wandel. "Immer mehr Bibliotheken schließen, vor allem in den ländlichen Regionen - durch die Schließung vieler Schulen verschwinden übrigens auch viele Schulbibliotheken. Wir möchten dafür einen Ersatz anbieten." Der Hauptinitiator sieht das Projekt nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Bibliotheken und zur Fahrbibliothek des Landkreises, sondern vielmehr als eine Ergänzung.

Das Büchernetzwerk habe zudem für die Nutzer einen Vorteil: Jeder kann sich seine Lektüre so lange entleihen wie er will. Es gibt keinen Zeitdruck. Dass manchmal Bücher nicht zurückgegeben werden, sieht Kaschade gelassen. "Wir bekommen Bücher geschenkt. Und wenn jemand ein bei uns entliehenes Werk nicht zurückgibt, dann gehen wir davon aus, dass das Buch gelesen wird - dass also ein echtes Interesse daran besteht."

Netzwerk baut Regale auf und bestückt sie

Gemeinden, die ebenfalls eine Räumlichkeit für das Projekt zur Verfügung stellen wollen und über kein eigenes Regal verfügen, erhalten Hilfe vom Büchernetzwerk. "Wir können mit Unterstützung der Kaschade-Stiftung Regale zur Verfügung stellen, sie an Ort und Stelle aufbauen und bestücken", sagt Ottfried Schlangstedt aus Stendal vom Büchernetzwerk. Für ihn hat das Projekt auch einen sozialen Zweck. "Neue Bücher sind oft teuer und es gibt überall Menschen, die sich keine Bücher leisten können."

Der Begriff Netzwerk ist in dem Projekt übrigens wörtlich zu nehmen. Die Initiatoren arbeiten bereits mit anderen Einrichtungen zusammen, die ähnliche Anliegen haben - unter anderem mit den Stendaler "Bücherfreunden". Weitere Partner sind willkommen. Ebenso gern gesehen sind weitere Bücherspenden ans Netzwerk. Eine Ausnahme: die deutschen Klassiker wie Goethe, Schiller und Co. "Die werden erfahrungsgemäß einfach nicht gelesen." Das Netzwerk selbst verfügt über einen Bücherfundus von Tausenden Exemplaren - vom Krimi über das Kinderbuch und den Liebesroman über schöngeistige Literatur bis hin zum Sachbuch. Für genügend Nachschub ist also auch so gesorgt.