Dagmar Brazda leitet den Gemischten Chor Osterburg. Als kleines Dankeschön für ihr großes Engagement kann sich die Biesestädterin über den Blumenstrauß des Monats März freuen.

Osterburg l Dagmar Brazda und die in schmuckes Grün-weiß-schwarz gekleideten Frauen und Männer sind in Osterburg längst Inbegriff für gute Chormusik. Wo sie auch auftreten, sind sie gern gesehen und gehört. Seit nunmehr 31 Jahren leitet Dagmar Brazda diese fröhliche und Frohsinn verbreitende Singegemeinschaft.

Zeitungsnotiz führte Sänger zusammen

Am 23 Februar 1983 hatten sich auf Grund einer Zeitungsnotiz mehr als 20 am Gesang interessierte Osterburger im Kreiskulturhaus eingefunden, um einen Chor zu gründen. Es fehlte aber jemand, der ihn leiten würde, denn der vorgesehene Dirigent vom Stendaler Theater sagte ganz kurzfristig ab. "Da hatte der damalige Kulturhausleiter Horst Gerber, der schon Liederbücher mitbrachte, die Idee, mich zu fragen, ob ich nicht wenigstens die erste Übungsstunde leiten könnte, denn man wollte doch die Leute nicht unverrichteter Dinge nach Hause schicken", erzählte sie. "Ich hatte damals in der Vokalgruppe bei Eberhard Reppin mitgesungen und vom Singen ein bisschen Ahnung, aber überhaupt keinen blassen Schimmer, wie man einen Chor leitet."

Nur das eine Mal, hätte Dagmar Brazda sich ausbedungen, dann müsse ein Leiter gefunden werden. Als Horst Gerber sie von diesem Übungsabend nach Hause gefahren hätte, sei man noch einmal auf das Thema Chorleiter zu sprechen gekommen. Es sei ja auch eine Fahrtkostenfrage, denn der vorgesehene Stendaler Musiker hätte zu jeder Probe und zu jedem Auftritt geholt und wieder zurückgebracht werden müssen. Eberhard Reppin und Karl-Gustav Schenk, ebenfalls ein versierter Chorleiter, stünden nicht zur Verfügung. "Ich ließ mich also breitschlagen und sagte: Gut ich versuche es."

Große Unterstützung habe sie von Dieter Preuß, damals Leiter des Kreiskabinetts für Kulturarbeit, erfahren. "Ich bin zu Chorleiterlehrgängen gefahren und habe mir auch von Eberhard Reppin vieles abgeguckt; der war unbewusst mein Lehrmeister. Was ich bei ihm gesehen hatte, habe ich auch gemacht. Er gab mir viele Hinweise und hat befürwortet, dass ich den Chor weiter leite." Zu DDR-Zeiten war der Chor auf vielen großen und kleinen Bühnen zu erleben; die Jugendweihefeiern, beispielsweise, waren ohne die musikalische Umrahmung durch den Gemischten Chor Osterburg nicht vorstellbar. Der Chor wurde staatlich anerkanntes Volkskunstkollektiv und erreichte die Mittelstufe "gut".

Für die zierliche Frau mit dem manchmal spitzbübischen Lächeln und dem Sinn für feinen Humor ist der Chor zu einer Leidenschaft geworden. Nun schon über drei Jahrzehnte lang hat sie oft persönliche Belange hintenan gestellt. "Diese Tätigkeit wurde, und ist es bis heute, bestimmend für mein Leben", verrät sie. Viel Arbeit und Freizeit stecke darin, aber sie habe auch viel Freude daran. "Sonst hätte ich das nicht gemacht. Wir sind auch eine schöne Gemeinschaft. Aber nun bin ich über 70 und habe die Absicht, wenn ich gesund bleibe, den Chor noch vier Jahre zu leiten. An wen ich dann die Stimmgabel, übrigens ein Geschenk von Karl-Gustav Schenk, weitergeben werde, das steht noch in den Sternen."

Arbeit und geselliges Vereinsleben

Ein gerütteltes Maß an Disziplin und konzentriertes Arbeiten verlangt Dagmar Brazda sich selbst ab, und das erwartet sie auch von ihren Chormitgliedern, die nach der Wende einen eingetragenen Verein gebildet hatten. Aber es kommt neben der Chorarbeit, zu der in jedem Jahr ein Chorwochenende mit intensiver Probenarbeit unter professioneller Leitung Dagmars Sohn Nico, einem ausgebildeten Musikpädagogen, gehört, auch das Vereinsleben nicht zu kurz. Man gratuliert den Sangesbrüdern und Schwestern zu runden Geburtstagen, Jubiläen und trifft sich vor der Sommerpause zum Chorpicknick reihum bei den Mitgliedern. Eine Weihnachtsfeier mit viel Spaß, zu der auch Förderer, passive und Ehrenmitglieder eingeladen sind, schließt immer das Chorjahr ab.

Geboren ist Dagmar Brazda 1944 in Magdeburg. Als ihre Großeltern nach heftigen Bombenangriffen auf die Stadt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges keine Bleibe mehr hatten, kamen diese nach Osterburg. Dagmars Mutter zog mit ihrer Tochter hinterher. Seit 1945 ist Dagmar Osterburgerin. Hier besuchte sie die Schule von 1950 bis 1960. studierte danach am Institut für Lehrerbildung in Magdeburg, wurde Lehrerin, zunächst ein Jahr an der POS Meseberg, danach drei Jahre an der POS Erxleben. Anschließend unterrichtete sie in Osterburg, erst an der POS "Wilhelm Pieck" und nach der Wende bis 2008 an der Sekundarschule. Neben Nico hat Dagmar Brazda noch zwei Söhne - Stefan ist Geschäftmann in Osterburg und Andreas im Baugewerbe tätig - und Tochter Siska Tierarzthelferin in Berlin.