Für die dort betreuten Senioren ist sie unverzichtbar: die Tagespflege "Am Aland" in Seehausen. Humor ist in der Einrichtung Trumpf.

Seehausen l "Wir könnten noch einen Balljungen brauchen", erklärt Heinrich Petschke schmunzelnd. Der 86-jährige Seehäuser besucht drei Mal wöchentlich die Tagespflege in Seehausen und fühlt sich dort pudelwohl. Am 1. April feiert die Einrichtung ihr zweijähriges Bestehen, und die wenigsten wissen davon.

Ilka Kallmeter (Krankenschwester) und Ines Witte (Pflegehelferin) haben die Tagespflege aufgebaut. Beide waren im häuslichen Pflegedienst in Wittenberge tätig und erkundigten sich auch über die mögliche Tagespflege im Umland. "Nur Stendal und Pretzier hatten so etwas. Eigentlich wär` es toll, so was in Seehausen auch zu haben, haben wir gedacht. Das war im August 2011", so Ines Witte. Sie dachte laut und ihr Vater Manfred Witte stellte die beiden eines Tages vor vollendete Tatsachen. Er hatte den Mietvertrag für die ehemalige Physiotherapiepraxis in der Steinstraße 30 in der Tasche und sagte einfach: "Macht was draus!"

Fünf Jahre hatte das Gebäude leer gestanden. Größtenteils in Eigenleistung verwandelten Witte und Kallmeter mit ihren Familien den Bau in sympathischen Wohnraum mit Barrierefreiheit. Natürlich musste auch der Brandschutz für die drei Räume, Küche, ein behindertengerechtes Bad und Toiletten gewährleistet werden. Ein halbes Jahr dauerte das, im Januar 2012 sollte Eröffnung sein, aber es fehlte die Pflegedienstleitung. Drei Jahre Ausbildung waren nicht zu bewerkstelligen. Also engagierten Kallmeter und Witte eine Leiterin, und am 30. März 2012 kam die Zusage, dass sie am 1. April eröffnen dürfen. Am 2. April feierten sie Tag der offenen Tür. Anmeldungen gab es schon, weil ihre GbR sich durch die Hausärzte herumgesprochen hatte.

Täglicher Abhol- und Bringdienst

Im Oktober 2012 trennten sie sich von der Leitung, und Waltraud Hinrichs aus Wittenberge kam ins Spiel. Sie wollte eigentlich nach über 40 Jahren als Krankenschwester in den Vorruhestand gehen, sah sich vorher aber noch die Tagespflege "Am Aland" an. "Sie ist unsere Perle", sagt Ilka Kallmeter. Hinrichs selbst: "Mir hat es hier in den zwei Probetagen so gut gefallen, dass ich bleiben wollte." Heinrich Petschke ergänzt schelmisch: "Sie kann hier Erfahrungen sammeln, wenn sie in unserem Club aufgenommen werden will."

Humor ist hier Trumpf. Derzeit nutzen acht Senioren aus Seehausen, Werben und Osterburg das Angebot, genießen das gesellige Beisammensein, Gedächtnistraining, Grillnachmittage und natürlich das Ballspiel. "Wir bekommen auch was vorgelesen und singen. Das macht Spaß", erzählt die 88-jährige Seehäuserin Waltraud Schulz. "Kennen Sie das Lied von den alten Germanen oder die Kurzversion von der Glocke?", unterbricht Petschke. Das kennen sie da alle. Ihnen gefällt aber auch, dass sie gemeinsam kochen - am liebsten essen sie Pellkartoffeln mit Hering - und dass es frisch gebackenen Butterkuchen gibt. Den liebt die 92-jährige Hildegard Wenzien über alles. In den 50er Jahren war sie in Pollitz Bürgermeisterin und weiß noch manchen Schlag aus dieser Zeit zu erzählen. Manfred Witte meint dazu: "Hier ist es so lustig, dass man Kulturbeitrag bezahlen müsste." Er ist ebenso im Fahrdienst für die Tagespflege tätig wie der Mann von Ilka Kallmeter. Von morgens um 8 bis nachmittags um 16 Uhr steht der Service mit Abhol- und Bringdienst wochentags zur Verfügung. Größtenteils wird er über die Krankenkassen und Pflegekassen (je nach Pflegestufe) finanziert, so dass nur ein geringer Anteil auf die Betroffenen fällt, die allein leben oder deren Angehörige tagsüber keine Zeit haben, sich zu kümmern.

Grillnachmittage und Tierparkbesuche

"Für uns gibt es kein Wochenende", sagt Ilka Kallmeter, "weil wir die Senioren auch waschen und viele nur von uns betreut werden möchten." Dass Hund und Katze, Fische, Kaninchen und Meerschweinchen zum Inventar "Am Aland" gehören, ist für die Rentner ebenfalls ein Lichtblick und Abwechslung. Davon mal abgesehen, organisieren die Frauen Fahrten zum Frühlingsfest nach Vielbaum, Ausflüge mit der Volkssolidarität (Dampferfahrt), sogar Fußpflege und Frisör. Tierparkbesuche in Perleberg und Karneval in Vielbaum waren und sind außerdem Punkte im Unterhaltungsprogramm für ihre Schützlinge. Wenn es wärmer wird, sind sie mit den Senioren oft draußen unterwegs, Grillnachmittage sind ebenfalls beliebt.

"Wir haben es nicht bereut", steht für Kallmeter und Witte fest. Und ihre Perle Waltraud Hinrichs ist sich sicher: "So würde ich meinen Lebensabend auch gern verbringen."

Neugierige können sich in der Steinstraße 30 von der Einrichtung ein Bild machen.