Seehausen l Der Förderverein der Petri-Kirche zu Seehausen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die ehemalige, geschichtsträchtige Türmerwohnung touristisch zu erschließen.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die romanische Basilika aus dem 12.Jahrhundert in Seehausen umgebaut. Die Türme von St. Petri wurden dabei unter anderem um ein Stockwerk erhöht und mit gotischen Spitzdächern versehen, die nach einem Blitzschlag und Brand in barocke Hauben (welsche Hauben) umgestaltet wurden.

In diesem Zeitraum bot sich Platz zum Einbau einer Türmerwohnung. Dies geschah im Jahre 1688. Seit diesem Jahr war bis auf geringe Unterbrechungen die Türmerwohnung bis 1958 besetzt. Meist handelte es sich bei den Türmern um Kriegsinvaliden, die dort oben für die Stadt und die Kirche ihren verantwortungsvollen Dienst versahen. Egal, ob es die Ausschau nach Feuer, das Treten des Blasebalges für die Orgel oder das Läuten der Glocken war, es handelte sich immer um Arbeit für die Stadt und deren Bewohner.

Förderverein hofft auch auf Spenden

Die letzten Türmer, es waren August und Else Lausch, bezogen die kleine Wohnung in luftiger Höhe von fast 50 Metern, nachdem die Amerikaner diesen Sichtposten im April 1945 verlassen hatten. Seit 56 Jahren ist die Wohnung oder was davon noch übrig ist, verwaist.

Unter der Voraussetzung, dass das vorgestellte Projekt "Türmerwohnung" in den Genuss der Leader-Förderung gerät, kommen auf die Mitglieder des Fördervereins St.Petri-Kirche eine Vielzahl von Aufgaben zu, die im mittel - und unmittelbaren Zusammenhang mit der Türmerwohnung stehen. Dazu sprach auf der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Reiner Krainz. Um bis in die Wohnung zu kommen, müssen noch einige Arbeiten am Treppenaufgang erledigt werden. Anfänge sind bereits durch die Kirchengemeinde getätigt. Im Bereich der Wohnung gilt es, die Fenster zu erneuern. Maurer-und Putzarbeiten und zum Teil auch Elektrikerarbeiten sind auszuführen, bevor die ursprüngliche Farbgebung in den Räumen erfolgen kann.

Da man von den Fenstern in dieser Höhe bei klarer Sicht bis nach Wittenberge, Havelberg, Osterburg oder bis ins Wendland blicken kann, sollen Schautafeln mit Luftbildaufnahmen neuerer Art den Blick bei schlechter Sicht optisch unterstützen. Einfaches Hausgerät, hier hoffen die Mitglieder auch auf Spenden aus der Bevölkerung, sollen den Schlichtheitsgrad dieser Wohnung unterstützen.

Durch Glasscheibe Blick auf das Uhrwerk

Natürlich ist auch an Informationstafeln über die Geschichte und das Leben der Türmer gedacht. Vom Seehäuser Chronisten Kurt Maaß wurde jetzt eine komplette Übersicht geschaffen, wer von 1688 an auf dem Turm seinen Dienst versah.

Da sich in der Nähe auch die Turmuhr befindet, ist der Uhrmachermeister Günter Haut nicht abgeneigt, diese in das Besucherprogramm mit aufzunehmen. Durch eine vorgelagerte Glasscheibe könnte dann das gewaltige Uhrwerk besichtigt werden und als Ausgangspunkt für die Besichtigung des Turmuhrenmuseums dienen. Wer sich in die Vereinsarbeit mit einbringen möchte (Kirchenmitglied keine Bedingung) ist gern gesehen.

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