Für die vorbildliche Nachwuchsarbeit erhielt der SV Rot-Weiß Werben vom DFB eine Urkunde und begehrte Utensilien für das Fußballtraining. Die Dinge wurden am Freitag übergeben. Danach fand die vierte Demo für den Erhalt der Grundschule Werben statt.

Werben l So viel Publikum wie am Freitagnachmittag gibt es nicht alle Tage in der Werbener Sporthalle. Dort hatten sich viele Teilnehmer der Demo für den Schulerhalt eingefunden. Bernd Schulze, Vorsitzender des Sportvereins (SV) Rot-Weiß Werben, ergriff das Wort.

"Wir haben seit vielen Jahren Kooperationsverträge zwischen dem Sportverein, der Grundschule und dem Schulamt. Selbst der Deutsche Fußballbund weiß, was wir hier bei der Kinder- und Jugendarbeit leisten. Dafür haben wir eine vom DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach persönlich unterzeichnete Ehrenurkunde erhalten. Dazu gab es für unsere E-Jugend zehn Trainingsüberziehhemden, Markierungshütchen und drei WM-Bälle, wie sie bei der Fußball-WM in Südafrika verwendet wurde - eine tolle Anerkennung für das Ehrenamt, das hier geleistet wird", erklärte Schulze.

"Jetzt werden auch Schulkinder zu Pendlern"

Bernd Schulze

Der Vereinschef hob die Bedeutung der Kooperaton zwischen Verein und Grundschule hervor. Beide Seiten profitierten von der Zusammenarbeit. Auch darum kritisierte er scharf den Beschluss zur Schließung der Grundschule Werben und die Schulschließungspläne der Landesregierung. "Damit werden noch mehr junge Menschen aus Sachsen-Anhalt vertrieben. Der Frühaufsteherslogan steht bisher nur für Erwachsene als Pendler. Jetzt werden auch Grundschulkinder zu Pendlern gemacht", so Bernd Schulze weiter, der dafür viel Beifall erhielt. Auch für den als dramatisch einzuschätzenden Rückgang der Zahlen beim Feuerwehrnachwuchs und für das Wegbrechen von Kindersportgruppen in den Vereinen trage die Landesregierung mit ihrer Schulpolitik die unmittelbare Verantwortung. Der Bürgerwille auf dem Land, so Schulze weiter, werde schlichtweg ignoriert. Aber die Bürger könnten ihren Willen bei den nächsten Kommunal-, Eurpopa-und auch Landtagswahlen zum Ausdruck bringen.

Dann wurden unter Beifall die Bälle und Trainingsuntensilien an die E-Jugend und ihren Trainer Bruno Hirsch überreicht, der an diesem Tage auch Geburtstag hatte. Die Auszeichnung des DFB erhielt der SV Werben als einer von bundesweit nur 200 Vereinen.

So wurde erstmals die Werbener Sporthalle zum Kundgebungsort der Schulschließungsgegner. "Wir können stolz darauf sein, dass unser Sportverein diese Auszeichnung erhielt. Das zeigt auch, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Verein und der Gundschule vorbildlich ist", begann Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt seine Rede. Er bedankte sich bei den Sportlern, für ihren engagierte Kampf gegen die Schulschließung. Der Bürgermeister machte auf die Verbandsgemeinderatssitzung am heutigen Montag in Goldbeck aufmerksam. "Zwei Tagesordnungspunkte befassen beziehungsweise befassten sich ursprünglich mit uns."

"Resolution ist nicht nur für uns von Bedeutung"

Jochen Hufschmidt

Erstens gehe es um die Zukunft des Schulhorts in Werben. Zweitens hatte die Unabhängige Wählergemeinschaft Werben den Antrag gestellt, eine Resolution zur Aussetzung der Schulentwicklungsplanung und somit für den Erhalt aller Grundschulstandorte an alle Landtagsabgeordneten zu beschließen. Letzterer Punkt sei vom Ratsvorsitzenden Norbert Kuhlmann jedoch wieder von der Tagesordnung genommen worden. "Wir werden aber beantragen, das Thema doch wieder auf die Tagesordnung zu setzen", so Hufschmidt und er betont: "Die Resolution ist nicht nur für Werben von Bedeutung, sondern es geht um die gesamte Verbandsgemeinde. Lange genug ging es in unserer Region gegeneinander. Es wird Zeit, dass wir an einem Strang ziehen."

Elisabeth Gellerich vom Verein Werben für Kinder trug danach den Text der Resolution vor. Nicole Gerber, ebenfalls Mitglied des Vereins Werben für Kinder, trug danach den Inhalt eines offenen Briefes an Sachsen-Anhalts Kultusminister vor. Für beide Beiträge gab es ebenfalls viel Applaus. Gerber machte außerdem auf eine demnächst geplante Aktion des Aktionsbündisses "Grundschulen vor Ort" vor dem Landtag in Magdeburg aufmerksam.

An der Kundgebung und Demo nahmen unter anderem auch die beiden Linkspolitikerinnen Helga Paschke (Landtagsabgeordnete) und Katrin Kunert (Bundestags- und Kreistagsabgeordnete) teil. Paschke berichtete von bislang gescheiterten Initiativen der Linkspartei gegen die Schulentwicklungsplanung der Regierung. So sei vor wenigen Tagen ein Antrag zur erneuten Behandlung der Thematik im Bildungsausschuss abgewiesen worden. "Wir suchen derzeit nach Lösungen, es doch wieder auf die Tagesordnung zu setzen, berichtete Paschke. An die Demonstranten gerichtet sagte sie: "Kämpfen sie weiter. Wer aufgibt, hat schon verloren."

Kinder begeistern erneut mit Schul-Rap

Dann fiel der Startschuss für die eigentliche Demonstration. Von der Sporthalle ging es zur Schule, wo noch eine kurze Kundgebung stattfand. Kinder aus dem Kirchspiel Werben trugen unter der Leitung von Pfarrer Jan Foit erneut den Rap "Außer Rand und Bande" vor, in dem sie nachdrücklich den Erhalt der Grundschule Werben fordern und die verantwortlichen Minister einladen, einmal nach Werben zu kommen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Die nächste Demo für den Schulerhalt plant der Verein Werben für Kinder für Freitag, 28. März.

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