Zu einem hochkarätigen Vortrag hatte der Pferdezuchtverein Osterburg seine Mitglieder und Interessenten zum Mittwochabend in die Gaststätte Bretsch eingeladen.

Bretsch l Vereinsvorsitzender Dr. Henning Horzetzky stellte den knapp 50 Besuchern den Referenten, Thomas Hartwig, aus Warendorf im Emsland, vor. Der studierte Jurist, der selbst kein Pferdezüchter ist, war bis 2009 Pressesprecher der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Heute arbeitet er als freier Journalist für die FN und als PR-Berater für deutsche sowie ausländische Firmen mit Schwerpunkt Pferdezucht unter anderem in Korea, der Ukraine oder Turkmenistan.

Sein geplanter Vortrag zum Thema, ob die deutsche Pferdezucht in der Krise ist, musste aus technischen Gründen eine halbe Stunde später beginnen, bis Steffen Jüstel das Problem gelöst hatte. Als Gäste konnte Dr. Horzetzky auch den Präsidenten des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt, Wolfgang Jung, sowie Dr. Frank Klakow begrüßen.

Ohne Grundtalent und Ausbildung geht nichts

"Wer in die Zukunft schauen will, der muss die Vergangenheit und auch die Gegenwart in Sachen Pferdezucht kennen", so die einleitenden Worte. Eingehend auf die Zeit, wo Pferde im Krieg zu wichtigen Rüstungsgütern zählten, bis hin zur Mechanisierung der Landwirtschaft dürfte klar sein, dass das Pferd als Produktionsmittel stark an Bedeutung verloren hat.

Betrachtet man die demografische Entwicklung, so werden die noch aktiven Reiter auch immer älter und irgendwann kein Pferd mehr besteigen. Mit dem Nachwuchs sieht es auch schlecht aus. Viele der Kinder besitzen als "Bewegungslegastheniker" heute einfach nicht mehr die motorischen Fähigkeiten. Auch der Migrationshintergrund vieler Kinder spielt eine Rolle, denn diese Kinder wenden sich meistens aus verschiedenen Gründen anderen Sportarten zu. Durch Ganztagsschulen oder das Abitur nach zwölf Jahren fehlt oft die Zeit für Kinder, sich reitsportlich zu betätigen. Die Nachfrage an Pferden sinkt. So gab es 2008 noch 73110 eingetragene Zuchtstuten (Deutsches Reitpferd). 2013 waren es nur noch 53492.

Pferdehaltung wird teurer. Die Rahmenbedingungen wie Landpacht oder Futterkauf haben sich enorm verändert. Auch stehen heute die Pferde um durchschnittlich ein Jahr länger für den Reitsport zur Verfügung und das "Rentnerdasein" für das geliebte Haustier ist oft gesichert. Bessere tierärztliche Betreuung, optimale Futtergrundlagen und ähnliches sind Gründe dafür, dass sich Leute erst später ein neues Pferd kaufen. "Wir müssen uns von der Vorstellung freimachen, dass jedes Jahr in den Entwicklungszahlen ein Plus davorsteht, nur die Verknappung des Angebotes wirkt sich erfahrungsgemäß auf die erzielten Preise aus."

Gepflegte Scheinwelt der Auktionspreise

In diesem Zusammenhang wurde auch auf die vorherrschenden Auktionspreise verwiesen, die "eine gepflegte Scheinwelt" darstellen. Seine Ratschläge an die Züchter sahen so aus, dass sie untertalentierte Pferde schnellstens abgeben sollten, damit die Kosten nicht weiter steigen. Die Grundausbildung des Pferdes sollte das Tier schon vor dem Anreiten besitzen, und der Züchter muss selbst seinen Markt entwickeln. Internetpräsenz wurde gefordert, um neue Wege zu gehen, um sich und seine "Ware" bekannt zu machen. Kritisiert wurden die Vielfalt der Verbände und ihre Schwerfälligkeit, Entscheidungen zu treffen. Fusionen wären angebracht. Die Vermarktung des Deutschen Pferdes sollte auch unter einem einheitlichen Namen erfolgen, zum Beispiel. "German Horse" oder anderen treffenden Namen. "Die jetzt bestehende Vielfalt an Namen verwirrt die Ausländer", so der Referent. Eine Vielfalt weiterer Themen wurde in den 90 Minuten und in der Diskussion angesprochen.

Sein Fazit: Überproduktionen werden abgebaut. Es wird leichter, Pferde zu vermarkten, deren Preise den Erwartungen der Züchter einigermaßen entsprechen.

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