Osterburg (fsc) l Nicht vielen Eheleuten ist es vergönnt, Gnadenhochzeit zu feiern und damit ihr 70-jähriges Zusammenleben zu krönen. Walter und Gerda Baumgart aus Osterburg sind nun dieses Glücks teilhaftig geworden. Zu den Gratulanten im Gasthof Haucke gehörten Bürgermeister Nico Schulz und Detlef Kränzel als Abordnung der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg und Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose. Ministerpräsident Rainer Haseloff und Landrat Carsten Wulfänger ließen Glückwünsche übermitteln.

Am 1. April 1944, an einem Sonnabend mit Sonne und Schneeregen, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges, hatten Walter und Gerda in Steinau an der Oder in Schlesien den Bund der Ehe geschlossen, sich ewige Treue in Freud und Leid geschworen. Diesen Schwur haben sie bis heute, bis in ihr hohes Alter gehalten. Beide hatten sich bei Raiffeisen in Steinau, wo Walter eine Lehre als Getreidekaufmann absolvierte und Gerda neu eingestellt wurde, kennen gelernt. "Ich habe damals gesagt: Die heirate ich oder keine", erinnerte er sich gestern gegenüber der Volksstimme. "Da hatte es unter uns Rivalen um Gerda schon mal handfeste Auseinandersetzungen gegeben." Auch während eines Fronturlaubs hatten sie sich verlobt.

In der Nachkriegszeit nach Mitteldeutschland

Das Ehepaar ist in der Nachkriegszeit nach Mitteldeutschland verschlagen worden. Walter hatte als Waldarbeiter und Holzfäller in Kleindietersdorf im Harz gearbeitet, seine Frau sich um den kleinen Haushalt gekümmert. Für seine Partei, die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands, war er 1949 in dem Dorf Bürgermeister geworden, bis er 1951 nach Osterburg kam, weil hier das Bürgermeisteramt mit einem Liberaldemokraten zu besetzen war. Und dieses Amt hatte er bis 1986, 35 Jahre lang, ausgeübt, obwohl es ihm sicher oft nicht leicht gemacht worden war. Dennoch bekennt der 92-Jährige heute: "In meiner Amtszeit legte ich von Anfang an größten Wert auf eine breite Ausgestaltung aller demokratischen Bestrebungen. Ich war gern Bürgermeister sowohl im Harz als auch hier in Osterburg. Übrig bleibt mir, all denen zu danken, die mir auf diesem, oft auch steinigen Weg geholfen haben, Bleibendes zu schaffen." Walter Baumgarts Dank gilt natürlich vor allem seiner Ehefrau, die für seine Tätigkeit, die oft keinen Feierabend in der Familie zuließ, Verständnis aufbrachte ihm zu Hause den Rücken freihielt. Mittlerweile hatten die drei Söhne Wolfgang, Detlef und Uwe die Familie vergrößert. Bis auf Detlef leben sie mit ihren Familien nicht in der Nähe ihrer Eltern - in Ückermünde und in Bülstringen. Es sind vier Enkel da und fünf Urenkel.

Sowohl an Walter als auch an Gerda sind die Spuren des Alters nicht vorüber gegangen, haben ein wenig die körperliche, aber nicht geistige Beweglichkeit eingeschränkt.

Senior löst gern Schachaufgaben

Walter spielt noch gern Schach gegen den Computer oder löst Schachaufgaben in Zeitschriften. Daneben liest er gern historische Romane und täglich die Volksstimme. Er hält den Garten am Haus in Ordnung, gräbt ihn um und hat schon einige Reihen Kartoffeln gepflanzt. Auch sein Fahrrad hat er noch nicht in den Ruhestand versetzt. Seine Gerda, kürzlich 91 Jahre alt geworden, geht noch täglich ihre Runden spazieren, allein oder mit Walter.