Seehausen (rf). Sorgenvolle Gesichter gestern in der Seehäuser Verwaltung, wo die Hochwasserzentrale der Verbandsgemeinde Stellung bezogen hat und ab heute rund um die Uhr unter Telefon 039386/ 98262 zu erreichen ist.

"Unser größtes Problem", so Verbandsgemeindebürgermeister Reinhard Schwarz in einem Pressegespräch, "ist derzeit nicht die Elbe, an der heute die Hochwasserwarnstufe III und ein oder zwei Tage später wahrscheinlich auch die Stufe IV ausgerufen wird, sondern der Aland und die Zehrengrabenniederung." Der erste Mann der Verwaltung will keine Panik machen, aber er schwört betroffene Anlieger schon jetzt darauf ein, dass das Hochwasserszenario der nächsten Tage ähnlich wie 2006 aussehen und sich lange halten könnte. Einschwören heißt in dem Fall, dass sich Haus- und Grundstückseigentümer auf einen weiter steigenden Grundwasserpegel und auf Feuchtigkeit in den Keller gefasst machen müssen, aber auch vorbeugende Schutzmaßnahmen für das direkte Eindringen von Wasser treffen sollten.

Hochwasserstufe III heißt für die Kommune unter anderem, Deichwachen zu organisieren. Durchaus eine logistische Herausforderung, denn die Verbandsgemeinde hat in ihrem Einzugsbereich um die 100 Kilometer Elb- und Alanddeiche zu kontrollieren, erklärt Horst Sandmann vom Hochwasserstab. Gestern früh, so Sandmann, flossen über die Uchte und Biese bei Dobbrun pro Sekunde noch rund 36 Kubikmeter Wasser in den Aland. Die Elbe habe wegen ihres hohen Pegels zum gleichen Zeitpunkt nur noch etwa 22 Kubikmeter abgenommen. Heißt: 14 Kubikmeter stauten sich pro Sekunde an. Und schon jetzt zeichne sich ab, dass die Kapazität in den Poldern nicht lange ausreichen wird. Zumal irgendwann das Alandabschlussbauwerk bei Wanzer dicht gemacht werden müsse, damit die Elbe ihr Wasser nicht in den Aland drückt.

Um so lange wie möglich, Wasser in die Elbe los zu werden, planen die Seehäuser mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, den Wrechow-Deich mit bis zu 15000 Sandsäcken auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern um 30 bis 40 Zentimeter zu erhöhen, damit überhaupt noch Wasser in die Elbe gelangt. Weil das die Kommunen vor Ort schwer alleine stemmen können, hofft die Verwaltung, dass heute die bei der Bundeswehr erbetene Hilfe eintrifft.

Darüber hinaus bitten Sandmann und Schwarz Einwohner aus der Verbandsgemeinde, die sich körperlich dazu in der Lage fühlen, sich als Deichwachen oder für den eventuellen Verbau von Sandsäcken in der Hochwasserzentrale zu melden. Das könnten rüstige Ruheständler sein. Die Verwaltung spricht aber auch jüngere arbeitslose Bürger an. Potentielle Helfer, die Kinder zu betreuen haben, dürfen mit dem Entgegenkommen der Tagesstätten rechnen betonte der Verbandsgemeindebürgermeister. In dem Zusammenhang dankte Sandmann auch den Feuerwehrleuten und Zivilisten, die bis in den Sonntagabend in Seehausen und Krüden für einen ersten Sandsackvorrat geschippt hatten.