Der Hochwasserscheitel der Elbe hat am Wochenende Tangermünde und auch Wittenberge passiert. Das Wasser sinkt. Vorerst nur langsam. Und so ziehen weiterhin Deichläufer ihre Bahnen. In der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck auf knapp 20 Kilometern zwischen Altenzaun und Werben.

Berge. "Alles im grünen Bereich", schätzt Herbert Kahlow ein und reckt seinen Daumen nach oben. Der Deichabschnitt zwischen Sandauerholz und Werben präsentiert sich kompakt. "Wir haben nichts gesehen, was Grund zur Sorge gibt", sagt Kahlow.

Der Giesenslager "schiebt" am Sonnabendnachmittag gemeinsam mit Dieter Bohnebeck aus Behrendorf Deichwache im Bereich Berge. Um die drei Kilometer umfasst ihr Abschnitt, auf dem sie patrouillieren und den sie in Augenschein nehmen.

"Wir achten auf mögliche Ausspülungen, auf im Wasser treibende Bäume, die den Deich beschädigen könnten, und auf Sickerstellen", berichtet Bohnebeck. Zwar haben sie Pfützen am Deichfuß ausgemacht, doch die geben keinen Anlass zur Besorgnis, versichern die beiden Altmärker. "Das ist Drängwasser und klar. Ein Problem wäre Sand im Wasser, weil das ein Zeichen für die Ausspülung des Deiches wäre", erklärt Bohnebeck.

Der 60-jährige Stahlbauer weiß, wovon er spricht. Schließlich war er schon in den 1980er Jahren als Deichläufer im Einsatz, hat da Eisschollen gesehen, die über den Deich gedrückt haben. "Das war schon beängstigender", erinnert er sich. Auch für Kahlow ist es nicht die erste Deichwache. So war der 54-jährige Maurer beim Sommerhochwasser 2002 auf dem Deich unterwegs. "In solchen Situationen sind die Deichwachen eben notwendig", begründet Bohnebeck seine Tätigkeit. Deshalb habe es zugesagt, als er gebeten wurde, sich dafür zur Verfügung zu stellen. Kahlow nickt zustimmend. Sicher hätten sie mit diesem Sonnabend auch etwas Anderes anfangen können. "Holz machen", so Kahlow. Aber das muss nun warten.

Wie auch die Arbeit oder Wochenendvergnügen bei weiteren 70 Deichläufern, die am Sonnabend zwischen Altenzaun und Werben an der Elbe unterwegs sind. An insgesamt sechs Abschnitten sind sie unterwegs, koordiniert von einer Einsatzstelle der Verbandsgemeinde, die rund um die Uhr im Werbener Rathaus mit Verwaltungsmitarbeitern besetzt ist.

Als Herbert Kahlow und Dieter Bohnebeck ihre erste Runde beenden, schauen sie mit Neugier auf einen weißen Farbstreifen, mit dem ihre Vorgänger auf einem Plattenweg den Wasserstand markiert hatten. Inzwischen sind es etwa zwei Fingerbreit Luft bis zur Wasserlinie. Das nasse Element hat sich ein wenig zurückgezogen.

Die beiden Deichläufer tun das noch nicht. Für sie steht noch eine zweite Runde an, ehe ihr vierstündiger Einsatz zu Ende geht. Dieter Bohnebeck: "Ich freue mich schon jetzt auf einen heißen Kaffee zu Hause.