Jeder dritte Deutsche zeigt in Vereinen unentgeltlich soziales Engagement. Kein Wunder, dass es immer öfter heißt, "Ehrenamtliche sind die Säulen der Gesellschaft". Ines Reetz aus Beuster ist eine, die besonders große Lasten schultert. Dafür gibt es den "Blumenstrauß des Monats" im April.

Beuster l Dabei wurde der 36-jährigen Mutter von zwei Kindern (1 und 5 Jahre) die "Vereinsmeierei" im heimischen Thielbeer nicht in die Wiege gelegt. Der Funke sprang erst über, als sie 2003 zu ihrem heutigen Mann Michael auf dessen elterlichen Hof zog. Die 500 Seelen starke Altgemeinde sei ein typisches Vereinsdorf, meint die gelernte Steuerfachwirtin mit Blick auf die Aktivitäten der Elbanlieger.

Mit Ehrenamtsvirus in Beuster infiziert

Mittlerweile zieht Ines Reetz selbst federführend mit an den Strippen, die das gesellschaftliche und nicht zuletzt gesellige Leben der Ortsteile bestimmen, die politisch zu Seehausen gehören.

Der wichtigste Job ihres multikulturellen Engagements ist ohne Zweifel die Leitung des 2012 gegründeten Vereins der "Deichkieker", bei dem sie kürzlich als Vorsitzende bestätigt wurde. Die Vielfalt der Aufgaben, die zum Großteil auch als Satzungszweck in den Gründungspapieren verankert sind, ist enorm.

Die "Deichkieker" unterstützen und fördern die örtliche Kindertagesstätte "Deichbiber", die Brauchtumspflege unter anderem über die Jagdhornbläser, die Senioren, aber vor allem auch die örtliche Feuerwehr.

Nachdem die Blauröcke selbst nicht mehr mit eigenen Finanzen bei geselligen Anlässen und Traditionsfesten in Erscheinung treten sollen, war die Förderung der Brandbekämpfer anfangs auch wichtigste Motivation für die Vereinsgründung. Mit und für die Feuerwehrleute stellt der Verein vom Mai-Tanz über Oktoberfeuer oder Weihnachtsbaumverbrennen so einiges im Jahr auf die Beine. Als die Feuerwehrleute kürzlich Bilanz über 2013 zogen, mischte sich Ines Reetz ganz selbstverständlich unter die Gäste im Gemeinderaum. Wehrleiter Christian von Hagen hat die Hilfsbereitschaft des Vereins und seiner Vorsitzenden in seiner erst kurzen Dienstzeit schon schätzen gelernt. Neben den gemeinsamen Veranstaltungen lobt er insbesonders die Unterstützung der Jugendwehr.

Die "Deichkieker" pflegen auch gute Kontakte zu anderen Vereinen. Beispielsweise greifen sie dem Reit- und Fahrverein bei seinem Turnier unter die Arme.

Im Kirchenförderverein St. Nikolaus ist Ines Reetz auch Mitglied, was mit ihrer Leidenschaft für Orgelmusik zusammenhängen dürfte. Sie spielt seit ihrer Kindheit Orgel und begleitet viele Gottesdienste. Zwei bis dreimal im Monat ist sie in dieser Funktion in den Kirchen der Nachbarschaft und in Niedersachsen unterwegs - eine Verbindung noch aus ihrer Thielbeerer Zeit.

Da diese Instrumente bekanntlich durch keinen Haustür passen, hat sie für beide Gotteshäuser in Beuster die Schließgewalt, um üben zu können. Wobei sie gesteht, dass ihre große Leidenschaft die Orgel in der kleineren Kirche ist, wo sie ihrem Mann seinerzeit das Ja-Wort gab. Ihre musischen Fähigkeiten an der Königin der Instrumente gibt sie übrigens gern auch an den Nachwuchs weiter.

Dass die Beusteranerin ihr großes Pensum schultert, ist zum einen dem Verständnis aus der Familie geschuldet. Zum anderen lässt sie ihr Arbeitgeber drei Tag in der Wochen von Zuhause aus wirken. Die Arbeit wird dadurch zwar nicht weniger, aber sie kann sich ihre Zeit in Beuster freier einteilen. Und: Sie hat auch gelernt, sich nicht immer um alles alleine kümmern zu wollen, sondern Vereinsarbeit auch mal zu delegieren.

Vielleicht ist auch das der Grund dafür, dass sie sich am Rande doch noch ein ganz persönliches Hobby leisten kann. Sie hat sich nämlich dem Yoga verschrieben. Was bei ihrem aufwändigem Engagement auch Sinn macht. Denn die indische Art der Körperbeherrschung stärkt nicht nur die Fitness, sondern erdet ihre Verfechter bekanntlich auch bei Stress.