Carola Buchholz ist glücklich. Seit dem 10. März ist die Osterburgerin Mitarbeiterin der Stadt- und Kreisbibliothek der Biesestadt. Buchholz ist in den nächsten zwei Jahren für die Fahrbücherei unterwegs, sie hat die Nachfolge von Anne-Rosi Klees angetreten.

Osterburg l Sehnsüchtig hatte sie schon ein Jahr darauf gewartet, sich im Dezember auf die Stelle zu bewerben. So lange wusste sie von ihrer Vorgängerin vom bevorstehenden Ruhestand und der Chance, sich wieder in ihrem liebsten Umfeld bewegen zu können: zwischen Büchern und Menschen.

Doch der Reihe nach. Ihr beruflicher Werdegang sollte erst in eine ganz andere Richtung gehen. Sie studierte von 1974 bis 1978 an der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss dort als Diplomingenieurin für Nahrungsgüter-Wirtschaft und Lebensmitteltechnologie ab. Ihre drei Jahre Pflichtarbeit nach dem Studium führten sie in die Zuckerfabrik nach Goldbeck, aber Technik war einfach nicht ihr Ding.

Carola Buchholz schwenkte um und war im Rat des Kreises in der Abteilung Kultur für die Arbeit der Bibliotheken verantwortlich, will heißen: Statistiken, Planerfüllung, Mittelverteilung. Das alles ist heute Geschichte. Zu jener Zeit befand sich die Osterburger Bibliothek im früheren Pionierhaus in der Ernst-Thälmann-Straße. "An die Bibliothek, wie sie heute ist, war damals nicht zu denken", winkt die 58-Jährige lachend ab.

Von 1988 bis 1990 war sie schließlich in der Bibliothek Mitarbeiterin und zuständig für die Gemeindebibliotheken. "Das passt mit der Arbeit jetzt zusammen", bemerkte Buchholz und erzählte: Vor der Wende gab es in fast jedem Dorf eine Gemeindebibliothek, die im Rat der Gemeinde, in der Schule oder privat bei Leuten untergebracht war. "Ich fuhr dann zum Beispiel mit dem Linienbus nach Stapel, Lohne oder Krevese. Wenn der Bus nicht kam, ging es mit den Büchern zu Fuß von Späningen nach Meßdorf", erinnert sich die gebürtige Altmärkerin.

Bei Kindern das Interesse an Büchern geweckt

Dort angekommen sprach sie mit den Gemeindebibliothekaren, was es für Probleme gibt oder welche Bücher die Leute gern einmal lesen würden. Alles war noch familiär, Bücher wurden manchmal sogar nach Hause gebracht. Zu jener Zeit machte Buchholz auch Veranstaltungen mit den Kindern, rätselte mit ihnen und weckte deren Interesse an Büchern.

Doch mit der Wende kam das Aus. Sie war als Letzte eingestiegen und musste als Erste gehen. Im Büro eines Osterburger Montagebau-Betriebes fand sie von 1997 bis 2006 wieder Arbeit. Was ihr fehlte, waren die Bücher und die verschiedenen Menschen, zu denen sie einst Kontakt hatte.

Durch die Bekanntschaft mit Michaela Herbst kam sie schließlich als Mitarbeiterin der "Bücherecke Osterburg" ins Gespräch. Dort war sie von 2007 bis 2013 tätig und wieder in ihrer Welt. Am liebsten liest sie Krimis und Thriller, von Karen Rose, Peter James oder Eva Almstädt zum Beispiel, und Geschichten, die das Leben schreibt. John Irving und Martin Suter sind ihre Lieblingsautoren. Von ihnen hat sie alles gelesen.

Dass sie sich arbeitslos melden musste, nachdem ihr die Arbeit so lieb geworden war, traf sie sehr. Dann kam der Lichtblick: die Ausschreibung für die Stelle an der Seite von Marion Bäumler. Mit ihr zusammen übernimmt sie die Fahrbücherei des Landkreises Stendal. Tageweise wird abgewechselt, mal Außen-, mal Innendienst. An ihrem Schreibtisch in der Stadt- und Kreisbibliothek stapeln sich die Bücher. Es wird nachgearbeitet, Wünsche von Lesern vermerkt die Mitarbeiterin ebenso wie Probleme, die sie persönlich oder telefonisch zu klären hat, zum Beispiel, was verlegte Bücher angeht. Ganz alte Bücher gilt es auszusondern. "Ich bin nicht so schnell dabei, ein Buch auszusortieren. In der Bibliothek ist ja wirklich ein Schatz toller Bücher", schwärmt sie. Neben CDs, DVDs und Zeitschriften natürlich.

"Im Prinzip mache ich ja nichts anderes als vorher, nur dass die Leute in der Bibliothek nicht bezahlen müssen", so Buchholz, "es ist schön, wieder mit Menschen zu tun zu haben, denn ich finde Menschen genauso spannend wie Bücher."

Ihr Sohn Matthias schlägt übrigens ebenfalls in die kulturelle Richtung, was sie sehr stolz macht. Nach seinem Abschluss als Gymnasiallehrer für den Bereich Musik entschied er sich bald, in Magdeburg eine eigene Musikschule aufzumachen: die MusikWerkstatt im "Kulturzentrum Moritzhof".

"Das klingt jetzt ein bisschen pathetisch", sagt Carola Buchholz abschließend, "aber ich habe zwei Mal im Leben meinen Traumjob bekommen: in der Buchhandlung und jetzt in der Fahrbücherei. Ich bin überglücklich."