Interessierte Seehäuser nutzen jetzt die Gelegenheit und schauten sich bei einer Spezialfirma im brandenburgischen Werder an, wie die neuen Prospektpfeifen für die Lütkemüller-Orgel der Petri-Kirche entstehen.

Seehausen/Werder l Seit 2004 konzentriert sich die Seehäuser St. Petri-Gemeinde erfolgreich auf die Restaurierungsarbeiten an der 1867 von Friedrich Hermann Lütkemüller erbauten Orgel. Letzter Schritt zur ursprünglichen Klangfülle des Instrumentes mit seinen 44 Registern ist das Auswechseln der Prospektpfeifen aus minderwertigem Zink gegen Zinn-Röhren. Die Originale waren zu Kriegszeiten eingeschmolzen worden.

Viele Bürger folgten bisher dem Spendenaufruf und beteiligten sich so an der Finanzierung der neuen Pfeifen in unterschiedlichen Größenordnungen. Zusätzlich kann in diese der Name des Spenders eingraviert werden. Es sind übrigens noch einige Exemplare über Spenden zu erwerben (wir berichteten).

Firmentradition reicht bis ins Jahr 1820

In diesem Zusammenhang hatte der Seehäuser Kantor Friedemann Nitsch die Idee, mit interessierten Bürgern die Alexander-Schuke-Orgelbau-GmbH Potsdam zu besuchen, um sich den Fertigungsprozess in Werder/Havel anzuschauen, wo sich die neuen Werkstätten seit zehn Jahren befinden.

Vor Ort empfingen der Firmenchef Matthias Schuke und seine Frau Maria die Seehäuser Delegation. Bei Kaffee und Kuchen gab es einige Informationen zur Geschichte des Betriebes, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1820 reichen. Matthias Schuke ist seit 1974 Mitarbeiter, reprivatisierte 1990 als Orgelbaumeister das Unternehmen und ist seit dieser Zeit Inhaber und Geschäftsführer.

Schuke erklärte, dass das Zinn für die Orgelpfeifen früher aus Cornwall kam und deshalb auch Englisch Zinn heißt. 1870 wurde die dortige Mine geschlossen. Viele Orgelbaufirmen nutzen dann eine Legierung, die aus Dreiviertel Zinn und einem Viertel Blei bestand. Diese hatte einen Nachteil, der sich allerdings erst nach vielen Jahren zeigte. Denn durch das große Eigengewicht der stehenden Pfeifen kam es zu Deformationen, sogenannten Stauchungen, die natürlich auch die Klangqualität minderten.

Die Firma Schuke ging einen anderen Weg, analysierte das Cornwall-Metall und fand heraus, dass neben dem 96 Prozent reinen Zinn sechs verschiedene Materialien die restlichen 4 Prozent ausmachten. Welche das sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, ist verständlicher Weise Betriebsgeheimnis, so der Firmenchef.

22 Mitarbeiter in sieben Gewerken

Das Gießen des hochreinen Zinns demonstrierte dann der Orgelbauer Hans-Bertram Scheffler in der weiteren Führung. Am Ende des imposanten Vorgangs entstanden Zinnplatten in zwei Millimeter Stärke, die später auf einer Trommel mittels Drehmeißel weiter bearbeitet wurden. Ebenso wurde demonstriert, wie aus den flachen Platten in Handarbeit die runden Querschnitte der zukünftigen Pfeifen entstanden.

Beim weiteren Rundgang erfuhren die Altmärker schließlich, dass es im Betrieb sieben Gewerke mit insgesamt 22 Mitarbeitern gibt, und die Kunden weltweit zu finden sind. So tragen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, die Chor- und Hauptorgel im Dom zu Kaliningrad (Königsberg), die Konzertorgel im Neuen Gewandhaus in Leipzig oder die Orgel in der Kathedrale Zamora in Mexiko die Handschrift der Orgelbauer aus Potsdam-Werder. Bald werden auch die Musikfreunde aus Seehausen und darüber hinaus die Klangvielfalt und optische Schönheit der Lütkemüller-Orgel in St. Petri zu Seehausen bewundern können.

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