Seit dem 7. Januar dieses Jahres ist Antje Bahlke im evangelischen Kindergarten in Osterburg das Oberhaupt. Am Ostersonntag wird die Kita-Leiterin offiziell im Gottesdienst in St. Nicolai in ihr Amt eingeführt.

Osterburg l Aus Berge bei Werben stammt sie und hatte einmal einen ganz anderen Plan, als Kita-Chefin zu werden, denn sie liebte es, mit ihrer Cousine Friseurin zu spielen und sich Stylings auszudenken. Während der Zeit am Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg schnupperte sie auch schon mal in die Banktätigkeit hinein, aber das machte ihr letztlich doch keinen Spaß.

Nach dem Abitur 2005 begann sie ihre Lehramtsausbildung in Lüneburg. Grundschullehrerin zu werden, war ihr Ziel. Warm geworden ist sie mit dem Studium und der Umgebung allerdings nicht so recht, gibt sie zu. Kurz entschlossen packte sie nach einem Jahr ihre Sachen und entschied sich für die Hochschule Magdeburg-Stendal, wo sie den Studiengang "Angewandte Kindheitswissenschaften" wählte. "Ich hatte durch Zufall davon gelesen. Es gab den Studiengang erst ein Jahr, und ich musste sogar noch zittern, weil zu viele Bewerber da waren", erzählte die Altmärkerin. Erst Absage, dann Nachrücken. Wie froh war sie, wieder in ihrer Heimat zu sein!

Im Februar 2010 hatte sie ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche. In drei Praktika durfte sie Erfahrungen sammeln. Zuerst in der Ganztagsgrundschule "Astrid Lindgren" in Stendal. In den vier Wochen Kinderbetreuung lernte sie nicht nur einiges über Bau- und Spielecken. Das zweite Praktikum führte sie für sechs Wochen in die Einrichtung "Learning Center" nach Hannover, wo die Bewegungs- und musikalische Förderung des Kindes im Vordergrund stand und die Eltern stark mit einbezogen wurden.

In Wales war alles ein bisschen lockerer

Zuletzt ging es ins Ausland, nach Bangor in Wales, um genau zu sein. Mit einer Kommilitonin lernte Bahlke 2008 in einer bilingualen Kita, mit Englisch und Walisisch umzugehen. "Es war anfangs gar nicht so einfach, die Kinder zu verstehen", erklärte die Kita-Leiterin. In den vier Wochen wurde den beiden jedoch klar, dass die Waliser zwar alles ein bisschen lockerer sehen, aber vieles mit den Kindern unternommen wird, was auch in Deutschland gang und gäbe ist: spielen, basteln, singen. Da die Kinder in der Einrichtung aus vielen unterschiedlichen Nationen kamen, begann der Morgen mit einem Lied, das sie in allen Sprachen sangen.

Abgesehen davon war das Auslandspraktikum ohnehin eine aufregende Zeit. Die ersten zwei Wochen wohnte Antje Bahlke im 6- oder 8-Bett-Zimmer im Hostel. Immer war jemand aus Deutschland oder Österreich dabei, mit dem sie sich in ihrer Muttersprache austauschen konnte. Zuletzt war sie mit ihrer Kommilitonin bei einer alten Lady im Bed Breakfast. "Die alte Lady war sogar so nett, uns einmal auf die benachbarte Insel zu fahren", erinnert sich die Erzieherin. Eins hatte sie dort allerdings erfahren müssen: In der Schule hatte sie gelernt, sich über Medien und Umweltverschmutzung auf Englisch zu unterhalten, aber als sie in England verständlich machen wollte, dass sie ein Bügelbrett suchte, fehlten die Vokabeln.

Nach dreieinhalb Jahren Studium wusste Antje Bahlke nun genau Bescheid über Entwicklungspsychologie, Gesundheit, Familienpolitik, Pädagogik und Soziologie. Ihr Abschluss schließt die Betreuung aller Heranwachsenen von 0 bis 18 Jahre und Leitungsbefähigung ein.

Wie kam die Altmärkerin nun auf Osterburg? "Während des Studiums in Lüneburg machte ich ein Praktikum in der DRK-Kita Sonnenschein. Da hat es mir sehr gut gefallen, und ich bewarb mich noch vor Ende des Studiums, als mir meine Mutter von einer freien Stelle erzählte", so Bahlke. Im März 2010 wurde sie dort eingestellt und genoss die Arbeit mit den Kindern, ihre Neugierde, ihre Ehrlichkeit, auf die Dinge zu sehen. "Kinder geben einem so viel", schwärmt die Osterburgerin weiter, "und wenn die Eltern sich bedanken, ermutigt das einen."

Proben fürs Jahresfest laufen schon

Es fiel ihr nicht so leicht, ihr schönes Kollegium dort zu verlassen, aber mit Hinblick auf den bevorstehenden Umzug kam die Stellenausschreibung für die Leitung des Evangelischen Kindergartens wie gerufen. Bereits am 15. November erhielt sie von der Pfarrerin Claudia Kuhn den erlösenden Anruf. "An dem Tag feierten meine Schwieger-Großeltern goldene Hochzeit. Mein Glückstag", sagt die Kita-Leiterin strahlend. 39 Kinder zwischen 2 und 6 Jahre sind in ihrer Obhut. Zur Ostermarkteröffnung ist schon ein Programm in Vorbereitung. Und für das Jahresfest am 17. Mai probt sie mit den Eltern auch fleißig.

Bezug zur Kirche hatte sie übrigens schon immer. Getauft und konfirmiert steht für sie fest: Geheiratet wird evangelisch. Das Morgengebet und das Weitergeben von biblischen Geschichten in der Kita sind für sie längst Usus geworden.

Nur der Bürokram sei gewöhnungsbedürftig. "Ich muss Kontakte zu den Ämtern halten, mich mit den Eltern beraten, die Dienstplanung entwerfen", führt Bahlke aus, "da ist als Leiterin einiges mehr dazukommen, als ich vorher an Aufgaben hatte. Vor allem Verantwortung und Überblick über alles."

Zum Ausgleich fährt sie gern mit ihren Inlineskates über Land oder pflegt ihre Freundschaften und Kontakt zu ihrer Familie. Schließlich hat sie einen Zwillingsbruder und einen älteren Bruder, die sich auch freuen, dass sie wieder in der Altmark gelandet ist.