Werben l "Andere freuen sich über Osterlämmer, wir in Werben freuen uns über Osterstorchenküken", sagt Gunter Zwinzscher, der neben den vier Küken auch noch ein weiteres Ei im Nest entdecken konnte. Der Horst auf dem Mast am Werbener Elbtor war auch in diesem Jahr bereits als erster besetzt, diesmal schon Ende Februar, was sehr früh war. Vermutlich handelt es sich bei diesem Storchenpaar um sogenannte Westzieher, die in Spanien überwintern.

Ungewöhnlich früh kamen in diesem Jahr alle Störche nach Werben. "Bereits Mitte April waren von den 17 Nestern der Elbestadt nur noch zwei unbesetzt", berichtet der Storchenexperte Michael Tillmann aus Münster, der zur Zeit in der nördlichen Altmark die Ankunft der Störche beobachtet. Mittlerweile sind alle Horste mit der Ausnahme einer neuen Nisthilfe besetzt. Und bereits Mitte April wurde in den meisten Nestern schon gebrütet. "Was dazu führen wird, dass es schon Mitte Mai Jungstörche geben wird. Das ist für sogenannte Oststörche außergewöhnlich früh", erklärt Tillmann.

Auch in der Umgebung von Werben sind nahezu alle Storchennester bewohnt, dieses Jahr rund 14 Tage früher als sonst. Das gilt auch für die vier traditionellen Standorte in Berge, Behrendorf, Räbel und Giesenslage, die zur Stadt Werben gehören. Anhand der abgelesenen Ringe konnte Tillmann feststellen, dass es sich bei den Störchen um alte Bekannte handelt, die bereits letztes Jahr hier gebrütet haben.

Und auch für den gesamten Bereich von Aulosen bis Werben gilt: Über 90 Prozent der Nester waren bereits Mitte April besetzt. Als Grund für diese frühe Ankunft der Störche vermutet der Experte gute Überwinterungsbedingungen in den Winterquartieren mit reichlichem Futterangebot, außerdem gute Zugbedingungen mit warmen Temperaturen und günstigen Aufwinden.

"Kampf um Schule wie die Störche ums Nest" - Michael Tillmann

Tillmann hat für die Störche in Werben und für die Stadt Werben drei Wünsche: "Erstens: Dass so, wie die Störche ihre Nester verteidigen, auch die Werbener weiter um ihre Schule kämpfen. Zweitens: Für die Gastronomie und die Beherbergungsbetriebe die gleiche gute Auslastung wie bei den Storchennestern. Und drittens: Dass am Marktplatz ein neuer Horst installiert wird, der an diesem zentralen Ort gut sichtbar ist." Es gehe darum, die Präsenz des Storches im Stadtbild noch besser sichtbar zu machen.

Denn schließlich ist Werben die storchenreichste Stadt Deutschlands. Wer sich davon selbst überzeugen und zum Beispiel vom Elbtor einen Blick auf den zeitigen Storchennachwuchs werfen möchte: Ab 1. Mai ist auch das Tourismusbüro in Werben wieder besetzt und damit der Aufstieg zum Elbtor möglich.