Der Meseberger Rat hat sich am Dienstagabend gegen einen grundhaften Ausbau der Neuen Straße ausgesprochen. Die Ortspolitiker stellten sich damit geschlossen auf die Seite der Anwohner, die das Vorhaben wegen der zu erwartenden Ausbaubeiträge ablehnen.

Meseberg l Siegfried Bartels aus dem Osterburger Bauamt umriss am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus nüchtern die Eckdaten eines Projektes, dass seit mehreren Wochen in Meseberg für Wirbel sorgt. Dabei geht es um den möglichen Ausbau der Neuen Straße. Das etwa 80 Jahre alte Kopfsteinpflaster weist nach Meinung des Baufachmanns insbesondere auf einem 300 Meter langen Teilstück erhebliche Schäden auf. So gravierend, dass Bartels für eine grundhafte Erneuerung der Straße plädiert.

Stadt schätzt Kosten auf 432000 Euro

Eine fünf Meter breite Fahrbahn (entweder als Betonsteinpflaster oder mit einer Bitumendecke), ein 1,20 Meter breiter Gehweg und eine Wasserversickerung könnten nach einer ersten Schätzung rund 432000 Euro kosten, informierte der Bauamtsmitarbeiter. Klar ist, dass die Eigentümer der an der Neuen Straße angrenzenden Grundstücke sich an der Finanzierung der Bauarbeiten beteiligen müssten. Denn bei der von der Kommune als reine Anliegerstraße geführten Strecke würden Ausbaubeiträge fällig.

Wie tief die betroffenen Bürger in die eigene Tasche greifen müssten, Spekulationen darüber blieben am Dienstagabend aus. Für die zahlreich zur Ortschaftsratssitzung erschienenen Einwohner spielten konkrete Summen aber auch keine große Rolle. Sie lehnen es generell ab, für Erneuerungsarbeiten zur Kasse gebeten zu werden, obwohl sie mit dem gegenwärtigen Zustand der Neuen Straße leben können.

Auch die Mitglieder des Ortschaftsrates distanzierten sich deutlich von etwaigen Ausbau-Plänen. Ortsbürgermeisterin Helga Beckmann stellte klar, dass der Rat bei der Einheitsgemeinde lediglich Reparaturarbeiten beantragt habe. Sie erinnerte aber auch daran, dass seit 1991 im Ort regelmäßig über Ausbesserungen an der Neuen Straße gesprochen und diskutiert worden sei. Mit dem Bau einer Regenrinne wäre 1996 die vorerst letzte größere Maßnahme auf der Straße umgesetzt worden, seitdem habe es gelegentlich Kleinstreparaturen wie zum Beispiel den Austausch besonders lädierter Steine gegeben.

Seit 1996 hat sich Zustand kaum verändert

Den Verweis auf die von Bartels bestätigte überschaubare Reparatur-Chronik in den zurückliegenden Jahren griffen Anwohner auf, um die dringende Sanierungsbedürftigkeit der Neuen Straße in Frage zu stellen. Seit dem Bau der Rinne habe sich der Zustand der Fahrbahn nicht sonderlich verändert, gab ein Meseberger seinen Eindruck wieder. Ortschaftsratsmitglied Matthias Lenz zweifelte wiederum an, dass es sich bei der Neuen Straße tatsächlich um eine reine Anliegerstraße handelt, für die höhere Ausbaubeiträge erhoben werden als für eine Durchgangsstraße. Lenz verwies auf den Verkehr nach Meierbusch und auch darauf, dass landwirtschaftliche Technik die Fahrbahn nutzt.

Ob die Strecke als Anlieger- oder Durchgangsstraße zu bewerten ist, blieb am Dienstagabend letzten Endes nebensächlich. Denn der Ortschaftsrat lehnte einen Ausbau der Neuen Straße einstimmig ab. Damit positionierten sich die Meseberger Politiker, das Vorhaben ist aber trotz des einhelligen Meinungsbildes noch nicht endgültig vom Tisch. Am Montag, 5. Mai, will der Bauausschuss bei seiner Tagung in Meseberg die Neue Straße besichtigen und über das Vorhaben diskutieren, bevor der Stadtrat abschließend darüber befindet, ob der Ausbau in die Tat umgesetzt wird oder nicht.