Sachsen-Anhalts SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Katrin Budde besuchte gestern gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Ralf Bergmann und weiteren SPD-Politikern die Stadt Werben. Auf dem Plan stand unter anderem ein Gespräch mit Bürgermeister Jochen Hufschmidt, Eltern und anderen Kommunalpolitikern zur Schulproblematik.

Werben l Mit dem Besuch in Werben, insbesondere der Schule, löste Katrin Budde ein Versprechen ein, das sie den Eltern im vergangenen Herbst im Rahmen der Verleihung des Sonderpreises des landesweiten Schulwettbewerbs "Gartenzwerge gesucht" gab.

Mit Blick auf die bevorstehende Schließung der Grundschule erläuterte Jochen Hufschmidt den Gästen unter anderem die befürchteten Folgen, die das Aus der Werbener Schule für die künftige Entwicklung der Hansestadt hätte. Ferner beleuchtete er den bisherigen Werdegang, der zur Entscheidung führte, die größtenteils frisch sanierte Werbener Schule zugunsten des Erhalts des Idener Schulstandorts zu schließen. Aus Sicht des Bürgermeisters sei dafür eine Kette falscher und kurzsichtiger Entscheidungen auf Ebene der Verbandsgemeinde, des Landkreises und des Landes verantwortlich. Vor allem für die meisten Eltern des Werbener Schuleinzugsbereiches sei der gesamte Prozess nicht nachvollziehbar. "Die Menschen werden dadurch immer politikverdrossener. Ich weiß nicht, ob und wann der Schaden, der angerichtet wurde, wieder gutzumachen ist", meinte Hufschmidt.

Die ehemalige Beigeordnete des Landkreises Stendal und SPD-Politikerin Annemarie Theil vertrat die Ansicht, dass die Schulentwicklungsplanung, bedingt durch die entsprechende Verordnung des Landes, bedauerliche Folgen für die regionale Entwicklung in weiten Landesteilen habe. Leider habe das Konzept "Kleine Schulen" allzu lange in den Schubladen auf Landesebene gelegen, bevor es abgelehnt wurde. Die komplett ländlich geprägte Stadt Werben sei durch die Schließung von Infrastruktureinrichtungen wie der Schule besonders betroffen.

Eltern äußern Verdacht des Lobbyismus

Bedauerlich sei dies auch mit Blick auf die historische Bedeutung der Stadt. Werben sei eine alte Hansestadt und ein Kleinod, das den Vergleich mit Städten wie z. B. Hitzacker nicht zu scheuen brauche. Lobende Worte fand Theil für das ausgezeichnete bürgerschaftliche Engagement in der Stadt. "Das Vorhandensein einer Schule spielt eine wichtige Rolle - insbesondere für junge Menschen", so Theil. Sie äußerte ihre Zweifel, dass die Schulwegzeit von maximal einer halben Stunde nach Iden eingehalten werden könne.

Eine Elternvertreterin machte kein Geheimnis aus ihrer Auffassung, dass die Entscheidungen, die auf Ebene der VG Arneburg-Goldbeck zur Schließung der Werbener Schule führten, auf Lobbyismus beruhten. Ines Bergmann, Vorsitzende des Vereins Werben für Kinder, fügte hinzu: "Unsere Arbeit konzentriert sich nun darauf, nach Möglichkeiten zu suchen, diese Geschichte, wie sie in der VG Arneburg-Goldbeck gelaufen ist, auf den Prüfstand zu stellen."

Ralf Bergmann verwies auf ein aus seiner Sicht gravierendes Grundproblem hin. "Das Land ist für die Vorgaben der Schulentwicklungsplanung zuständig, die Landkreise für die Schülerbeförderung und die Kommunen für die Grundschulen." Diese Teilung der Zuständigkeiten führe sehr häufig dazu, dass sachlich vernünftige Entscheidungen nicht zustande kämen.

"Drei Ebenen noch einmal an einen Tisch"

Katrin Budde

Katrin Budde meinte, es sei dringend geboten, dass sich für die VG Arneburg-Goldbeck die drei genannten Ebenen noch einmal an einen Tisch setzen, um eine vernünftige, dauerhafte Lösung für die gesamte Region zu finden. Jedoch sollte sich möglichst nicht an Ausnahmegenehmigungen geklammert werden.

Aus Sicht von Ines Bergmann wäre es klug, hinsichtlich der Schulstruktur in der VG Arneburg-Goldbeck sowohl das Zentrum als auch die Randbereiche zu stärken. Im Zentrum Goldbeck sei der Sekundarschulstandort zu stärken und bei den Grundschulen die Randbereiche. Sie nannte den Erhalt der Grundschulen Werben, Rochau und Arneburg. Das wäre auch hinsichtlich der Schülerbeförderung sinnvoll.

Hufschmidt äußerte an die Adresse der Landespolitik den Wunsch, Antwort auf die Frage zu bekommen, warum keine anderen Wege gegangen werden, zum Beispiel warum keine Schulverbünde möglich seien. Ralf Bergmann meinte dazu, dass Schulverbünde keine zukunftsweisenden Antworten auf die demografische Entwicklung gäben. Werbens Bürgermeister sprach auch die Problematik der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Hortstandorte an. Er erwähnte die hohe Auslastung des Werbener Schulhortes und die geringere Auslastung des Ideners. Außerdem wies Hufschmidt auf den notwendigen Ausbau des Idener Hortes hin, falls die Entscheidung der Hortbetreuung gegen Werben falle. Die Auslastung in Werben sei neben den guten räumlichen und betreuerischen Bedingungen unter anderem auch auf die Freizeitangebote der Vereine zurückzuführen. Bernd Schulze, Vorsitzender des SV Werben, erläuterte die hervorragende Zusammenarbeit des Vereins mit der Schule und dem Hort im Detail. Eine Teilung bei der Hortbetreuung der Kinder aus der Hansestadt Werben würde für den Sportverein einen herben Rückschlag bedeuten.

Entscheidungen sind nicht zu vermitteln"

Bernd Schulze

Vieles würde wegbrechen. Ähnlich verhalte es sich mit den Feuerwehren. Schulze zeigte sich außerdem überzeugt: "Die politischen Entscheidungen hinsichtlich der Schulstandortfestlegungen sind den Menschen nicht mehr zu vermitteln." Ines Bergmann fügte hinzu: "Ich könnte zu einer Entscheidung gegen Werben notfalls sogar stehen - vorausgesetzt, sie wäre sachlich begründet." Eine weitere Elternvertreterin sagte: "Die Entscheidungsfindung zu den Schulstandorten ist hier auf kommunaler Ebene falsch gelaufen. Das ist das Problem, das wir damit haben."

Abschließend wiesen die Landespolitiker die Eltern auf die Möglichkeit hin, eine Petition an den Landtag zu richten. Im Anschluss an das Gespräch lud der Bürgermeister die Gäste noch zu einer kurzen Besichtigung der Schule und zu einer Stadtführung durch Werben ein.