Von 1990 bis 1994 und wiederum von 2001 bis Ende 2009 war Wolfgang Bolte Bürgermeister von Pollitz. Damit hat der Diplomlandwirt die Geschicke der ehemaligen Gemeinde nach der Wende maßgeblich mit geprägt. In einem Gespräch mit der Volksstimme lässt er sein Leben und sein Wirkens als Kommunalpolitiker Revue passieren.

Pollitz. Wolfgang Bolte hatte alles andere als eine leichte Kindheit. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er 1945 in Dömitz an der Elbe geboren. Aufgewachsen ist er jedoch in einem Kinderheim in Grabow.

"Als Heranwachsender nahm mich dann mein Onkel mit nach Wismar. Er hatte eine eigene Landwirtschaft, wo ich bereits mithalf. Auf dem Hof gab es Rinder, Schweine und auch zwei Pferde. In dieser Zeit wurde meine Leidenschaft für die Landwirtschaft geweckt. Die Pferde wurden zu meinem Hobby", erinnert sich Bolte.

Nach der Schule nahm er eine Lehre im Volkseigenen Gut Groß Stieten zum Landwirt auf. "Die dreijährige Lehrzeit hat mir großen Spaß gemacht, und ich schloss sie mit Auszeichnung ab. Es war eine solide und allseitige Ausbildung, die den Grundstein für mein Berufsleben legte." In Groß Stieten hatte Wolfgang Bolte auch Gelegenheit, seinen Hobbys zu frönen – Reit-, Schieß- und Radsport sowie Volleyball. "Ich nutzte gleich im Anschluss an die Lehre das Angebot, in Zierow ein Studium zum Staatlich geprüften Landwirt zu absolvieren.

Sofort nach dem Studium, so Bolte weiter, sei er zur Armee eingezogen worden. Er kam zunächst nach Dömitz zu den Grenztruppen, später nach Wismar und schließlich nach Lenzen. Zwischenzeitlich hatte Wolfgang Bolte in Neukirchen seine spätere Ehefrau kennengelernt. 1968 war für ihn die Armeezeit vorbei, und er zog nach Pollitz, wo er in der LPG eine Stelle als Feldbaubrigadier antrat. Anfang der 1970er Jahre drückte Bolte noch einmal die Schulbank und erlangte sein Landwirtschaftsdiplom.

"Ich habe die sozialistischen Umstrukturierungen in der Landwirtschaft mitorganisiert. Kooperationsgemeinschaften und Technik-Komplexe wurden gebildet. Es ging spürbar aufwärts in der Region Pollitz mit der Produktion. Aber es gab auch Umstrukturierungen, die sich als Quatsch erwiesen. Dazu gehörte aus meiner Sicht die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion", zeigt sich der erfahrene Landwirt überzeugt. 1984 wurde Bolte Vorsitzender der LPG Pflanzenproduktion "Anna Seghers" mit Sitz in Jeggel. 1989 gab es eine Vollversammlung, in der die LPG aufgelöst wurde.

1989: Eigener Betrieb mit 900 Hektar Fläche

Wolfgang Bolte gründete seinen eigenen Betrieb. Er pachtete zahlreiche Flächen. 900 Hektar bewirtschaftete er ab 1991 gemeinsam mit sieben Mitarbeitern. Auch die Tierproduktion (110 Rinder) gehörte zum Unternehmen. Durch die Gründung eines weiteren Agrarbetriebes in Scharpenhufe musste Bolte 1993/1994 große Flächen abtreten. Sein Betrieb schrumpfte auf 600 Hektar. Im vergangenen Jahr, im Alter von 65 Jahren, gab Bolte schließlich seinen Betrieb ab. Er wurde von einem ehemaligen Auszubildenden des Diplomlandwirts übernommen, dem er noch immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Nach wie vor ist Wolfgang Bolte Hauptprüfer im Amt für Landwirtschaft.

20 Jahre Leiter der Freiwilligen Feuerwehr

Schon als junger Mann war Bolte ehrenamtlich sehr aktiv. Gerade in Pollitz angekommen, trat er der Freiwilligen Feuerwehr bei und wurde in die Gemeindevertretung gewählt. Nach seinem Studium zum Diplomlandwirt war Wolfgang Bolte 20 Jahre lang Wehrleiter. 1990 wurde der Pollitzer zum Bürgermeister gewählt, führte diese Funktion zunächst aber nur bis 1994 aus. "Mein Betrieb erforderte den vollen Einsatz." Weil Horst Sandmann aus kommunalrechtlichen Gründen die Bürgermeisterfunktion nicht mehr ausübern konnte, erklärte sich Wolfgang Bolte 2001 erneut bereit, das Ehrenamt zu übernehmen. Dieses hatte er bis 2010, bis zur Auflösung der eigenständigen Gemeinde, inne.

"Besonders voran ging es in den Jahren nach der Wende, als der Gemeinde Pollitz noch viel Geld zur Verfügung stand. Mir stand ein Top-Gemeinderat zur Seite. Alle haben zum Wohl der Gemeinde an einem Strang gezogen. So wurden zunächst in Pollitz und im Ortsteil Scharpenhufe wichtige Aufgaben wie beispielsweise der Wegebau, das Verlegen von Wasser- und Abwasserleitungen vorangetrieben.

1994 kam Pollitz in die Dorf-erneuerung. Viele kommunale und auch private Baumaßnahmen wurden im Zuge dieses Förderprogramms umgesetzt. Dadurch änderte sich das Gesicht der Gemeinde deutlich zum Positiven", so der ehemalige Bürgermeister. Als gelungene Beispiele für kommunale Baumaßnahmen der Dorferneuerung nennt Bolte die Erneuerung der Alandbrücke, den Umbau des Feuerwehrgerätehauses, die Gestaltung des Gutshofplatzes, die der wichtigsten Ortsstraßen, die Installation der Straßenbeleuchtungsanlagen in Pollitz und Scharpenhufe und die Sanierung des Gemeindehauses. Außerdem konnten eine Reihe von Wegebaumaßnahmen über das Programm für den ländlichen Wegebau umgesetzt werden. Erfreuliche Ereignisse, so Bolte, seien für die Gemeinde auch die Sanierung der Ortsdurchfahrtsstraßen durch Pollitz und Scharpenhufe im Zuge der L2 gewesen.

Bauvorhaben der Kirche unterstützt

Die politische Gemeinde Pollitz habe zudem immer auch Bauvorhaben der Kirchengemeinde mit unterstützt. "Die Kirche Pollitz und ihr Umfeld im Dorfzentrum ist heute ein Schmuckstück." Sehr bedauerlich findet Wolfgang Bolte, dass Anfang der 2000er Jahre die Kindertagesstätte Pollitz aufgrund akuten Kindermangels geschlossen werden musste. Aus dem Gebäude wurde danach das "Haus der Begegnung".