In Seehausen bahnt sich eine Kooperation zwischen einem Landwirtschaftsunternehmen und dem Krankenhaus an. Die Agrargenossenschaft Seehausen plant die Errichtung einer Biogasanlage. Die Klinik will mit der Nutzung der Abwärme einen beträchtlichen Teil ihres Energiebedarfs decken.

Seehausen. Das Elbehochwasser 2002 hatte die Leitung des Seehäuser Krankenhauses dazu bewogen, selbst aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun. So ist in den Folgejahren unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Klinikdach entstanden. Nun bahnt sich ein weiteres ökologisches Projekt an. Die Agrargenossenschaft Seehausen plant den Bau einer Biogasanlage, in welcher betriebseigene Gülle und Pflanzenmasse vergoren werden sollen. Vorgesehen ist, einen Großteil des erzeugten Methangases zum Krankenhaus zu leiten, wo in einem Blockheizkraftwerk Strom erzeugt und ins Netz eingespeist wird. Die entstehende Abwärme soll einen beträchtlichen Teil des Energiebedarfs der medizinischen Einrichtung decken.

"Die Biogasanlage mit einer Leistung von 590 Kilowattstunden (kwh) wird auf unserem Betriebsgelände Vor dem Steintor in Seehausen gebaut. In ihr werden ausschließlich betriebseigene Rindergülle sowie selbst erzeugter Mais, Gras und Getreidepflanzen vergoren. Das entstehende Methangas wird in zwei Blockheizkraftwerken in Energie umgewandelt. Eine 190 kwh-Anlage wird vor Ort helfen, unseren betriebseigenen Wärmebedarf zu decken. Der größere Teil des Gases wird jedoch über eine unterirdische Leitung unter dem Aland hindurch zum Krankenhaus geleitet, wo ein 400-kwh-Blockheizkraftwerk betrieben wird", erklärt Carsten Steinke, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Seehausen, gegenüber der Volksstimme. Der erzeugte Strom werde ins öffentliche Netz eingespeist. Ein wesentlicher Aspekt für diese Investition sei es für den Betrieb jedoch gewesen, dass sich ein Abnehmer für die entstehende Abwärme gefunden habe, ergänzt Steinke.

Wie der Geschäftsführer des Agaplesion Diakoniekrankenhauses Seehausen, Christoph Maier, weiter erläutert, gebe es mehrere Überlegungen, die die Krankenhausleitung zu der Entscheidung bewogen haben, auf die Abwärmenutzung zu setzen. Neben dem ökologischen Gesichtspunkt sind es vor allem wirtschaftliche Gründe. "Ein Krankenhaus in einer so dünn besiedelten Region hat viele Nachteile gegenüber den Kliniken in Ballungszentren. Die Nutzung von Abwärme aus der Biogaserzeugung ist jedoch ein Vorteil, den wir aus unserer Lage ziehen können und wollen. Wir erhoffen uns eine mittel- und langfristige Energiekostenersparnis von 20 bis 30 Prozent." Zudem seien die Preise für fossile Brennstoffe wie Erdgas starken Schwankungen unterlegen. Durch die Abwärmenutzung rechne man mit stabileren und langfristig besser zu kalkulierendenden Energiekosten.

Überlegungen zur Biogaserzeugung und Abwärmenutzung durch das Krankenhaus, so Steinke, gebe es bereits seit mehreren Jahren. Die Effektivierung der Milchproduktion hatte jedoch zunächst Priorität. Mit dem Bau der neuen Stallanlage sei dieses Ziel erreicht. Durch die geplante Errichtung der Biogasanlage wolle sich der Betrieb nun ein weiteres Standbein erschließen. Die Energieeinspeisung und der Verkauf der Abwärme sei eine mittel- und langfristig sichere Einnahmequelle. Darüber hinaus entstehe in der Biogasanlage als Abprodukt wertvoller organischer Dünger, der wiederum im Betrieb zum Einsatz komme.

Die Agrargenossenschaft Seehausen investiert mehr als zwei Millionen Euro in die Biogasanlage. Eine Absichtserklärung zwischen dem Krankenhaus und dem Landwirtschaftsbetrieb zur Versorgung mit Abwärme ist bereits abgeschlossen. Das Blockheizkraftwerk wird voraussichtlich auf einem bislang ungenutzten Grünlandstück hinter dem ehemaligen Schwesternhaus der Klinik gebaut. Die Geräusch- und Abgasemissionen einer solch modernen Anlage, so Steinke, seien sehr gering.

Der Bauantrag für die Biogasanlage sei bereits gestellt. Wann mit der Umsetzung des Vorhabens begonnen werden kann, hänge nun von den Genehmigungsbehörden ab. "Ich hoffe nach wie vor, dass unsere Biogasanlage wie geplant bis zum Ende dieses Jahres in Betrieb gehen kann", macht Carsten Steinke abschließend deutlich.