Gewerkelt was das Zeug hält wird seit vielen Monaten am Kommandeurshaus in Werben. Die beiden Investoren, Bernd Dombrowski und Holger Schaffranke, sind dabei, dem Barock-Gebäude wieder seinen ursprünglichen Glanz zurückzugeben. Es soll mit neuem Leben erfüllt werden.

Werben l Wohl nur wenige erhaltene Häuser in Werben haben eine solche Geschichte vorzuweisen wie das Kommandeurshaus in der Seehäuser Straße 2 in Werben, das derzeit komplett eingerüstet ist. Restaurator Bernd Dombrowski erkannte schon früh den außergewöhnlichen Wert des denkmalgeschützten Hauses. Zunächst mit dem Ziel, es vor dem weiteren Verfall zu schützen, übernahm er es Ende der neunziger Jahren von der Stadt. Seit 2011 betreibt er gemeinsam mit seinem Mit-Investor, Holger Schaffranke, einen enormen Aufwand, um das Kommandeurshaus denkmalschutzgerecht zu restaurieren und zu sanieren. Mehr noch. Er korrigiert Bausünden aus der Vergangenheit, die dem Gebäude schweren Schaden zugefügt haben.

Um 1770 wurde es als Kommandeurshaus der in Werben in Garnison liegenden Schwadron des Kürassier-Regiments 7 unter direkter Einflussnahme des preußischen Königs Friedrich II. errichtet. Wie viele andere Städte auch wurde Werben zur Garnisonsstadt und hatte ein Kommandeurshaus zu stellen. Erbaut wurde es vermutlich durch den Oberbaudirektor, Kriegsrat Martin Friedrich Boehme. Es diente dann dem Offizier, Rittmeister von Bartel, nebst Familie als Wohnhaus.

"Das Gebäude war damals das zweitgrößte massive, profane Haus in der Stadt Werben - und ist es sogar bis heute", erklärt Bernd Dombrowski. "Im ersten Geschoss befand sich die Offizierswohnung. Der Dachboden wurde als großer Lagerraum für diverse Güter genutzt. Davon zeugt noch heute eine Krananlage."

Im 18. Jahrhundert wurde das Kommandeurshaus zur Gastwirtschaft. Ab 1913 ist belegt, dass das Gebäude von der Brauerei Schraube aus Pritzwalk für eine Bierniederlage und Eiskellerei genutzt wurde. In dieser Zeit ist der Gasthof "Zur Stadt Magdeburg", für den ein Saal im Obergeschoss eingerichtet wurde, entstanden. Dadurch sind schwerwiegende bauliche Veränderungen vorgenommen worden, deren nachwirkendes Schadensbild sich bis heute bemerkbar macht.

"Baulicher Aufwand ist größer als ursprünglich erwartet"

Nach 1945 wurde das Gebäude neben der Getreidelagerung in den beiden Dachbodenebenen zu Wohnzwecken und später auch für einen Frisörladen im Hochparterre genutzt. Bis 1989 sind an dem Gebäude keine nennenswerten werterhaltenden Maßnahmen durchgeführt worden.

Die Stadt Werben hat Mitte der neunziger Jahre nach vergeblichen Bemühungen, für das sanierungsbedürftige Gebäude einen Investor zu finden, den baulichen Unterhalt des Hauses eingestellt. Aber der Wert des Gebäudes wurde erkannt und mit der Eintragung als Einzeldenkmal in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt durch die Denkmalschutzbehörde 2005 gewürdigt.

Die Restaurierung des Kommandeurshauses stellt die Bauherren vor riesige Herausforderungen. "Der Aufwand ist noch größer als ursprünglich erwartet. Die Aufnahme von Krediten war unumgänglich", berichtet Dombrowski. "Es gab bereits Zuschüsse aus unterschiedlichen Töpfen, darunter auch eine Förderung im Rahmen des städtischen Fassadenprogrammes." Ein Dank gelte außerdem dem Arbeitskreis Werbener Altstadt für seine Unterstützung.

Trotzdem haben die Bauherren zwei neue Förderanträge an die Stadt gerichtet - für die Wiederherstellung der barocken Fassade sowie des ebenfalls barocken Treppenhauses. Der Stadtrat diskutierte darüber während seiner jüngsten Sitzung (Volksstimme berichtete). Die Entscheidung wurde jedoch vertagt.

Dombrowski und Schaffranke hoffen auf erneute Unterstützung und setzen darauf, dass sich der Stadtrat die Bedeutung des Erhalts dieses wertvollen Einzeldenkmals erneut bewusst macht. Aus Sicht der Bauherren wäre auch die geplante Nutzung des Gebäudes ein Gewinn für die Stadt und die ganze Region.

Dombrowski: "Wir wollen das Kommandeurshaus zu einem Tagungszentrum machen und es sollen hier kulturelle Veranstaltungen stattfinden - zum Beispiel Konzerte." Es gebe bereits Gespräche mit Musikschulen, die Interesse bekundet haben, hier Musikschüler etwa in Workshops gezielt zu fördern. In diesem Rahmen könnten auch in anderen Werbener Kulturstätten Konzerte stattfinden. Außerdem soll das Kommandeurshaus zu einem Informations- und Vermarktungszentrum für regionale Landwirtschaftsprodukte werden.

"Weitere Hilfe ist nötig, um einen guten Abschluss zu erreichen"

Ausgebaut werden soll mit Fertigstellung des Hauses auch der Vertrieb des eigens für Werben entwickelten Bieres "Johannisgold", das vor allem viele Besucher der Biedermeiermärkte schon verkostet haben dürften. Darüber hinaus sollen im Gebäude Übernachtungsmöglichkeiten in Fe-rienzimmern für Einzel- und Gruppenreisende geschaffen werden.

Das ehrgeizige Restaurierungsvorhaben, so Dombrowski, wäre von den eigenen Mitteln der beiden Investoren nicht zu stemmen. "Wir brauchen weitere Hilfe, Spenden und Fördermittel, um das Projekt Kommandeurshaus zu einem guten Ende zu bringen."

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