Punkt 14 Uhr am Sonnabendnachmittag kippten Herbert Doberstein und Friedrich Dieckmann einen Sack Weizen in die Schrotanlage. Der Auftakt zum Tag des offenen Museums war damit gemacht. Das Heimatmuseum in Bretsch öffnete seine Pforte.

Bretsch l Der Heimatverein Bretsch, der 2009 aus der Taufe gehoben wurde und heute 17 Mitglieder zählt, kann stolz auf sich sein. Das betonte Vereinsvorsitzende Rosemarie Müller zur Begrüßung. Wie sie selbst steckten alle ihre Vereinskollegen in traditioneller Kleidung und hatten sie auch mit Namensschildern versehen. "So wissen die Gäste gleich, wen sie ansprechen können", erklärte Rosemarie Müller. Vor knapp einem Jahr, genau am 20. Mai, hatten die Mitglieder des Heimatvereins das Museum eröffnet. "Heute wollen wir zeigen, was sich getan hat", fuhr sie fort. Damit meint sie nicht nur den Zuwachs an Spenden und das Herrichten der Zimmer, sondern die Archivierung und Dokumentation der Exponate. Eine Kartoffelklapper, ein Jagdzimmer und ein Rasenmäher, der auf die Zeit zwischen 1930 und 1950 datiert werden kann, sind beispielsweise hinzugekommen.

Das fiel auch dem Bürgermeister der Altmärkischen Höhe, Bernd Prange, auf. "Ich war zur Eröffnung hier und im Herbst mit der Verwaltung", so Prange, "ist doch schön, wenn sich engagierte Leute finden. Das Museum hier ist eine tolle Sache, die weitergeführt werden sollte."

Dazu gehört Besuch von Gästen, der Antrieb gibt. In einer Woche kommt Otto Mewes aus Kleinau mit den Heimatfreunden aus Arendsee, um in Erinnerungen zu schwelgen. Dafür sei das Museum schließlich ebenso da wie für die Jugend, die im Museum sehen kann, dass es eine Zeit vor dem I-pod gab, betonte Rosemarie Müller. Und die Spender der Utensilien könnten erfahren, wie gut die Erinnerungsstücke aufbewahrt werden.

Kurzum: Dieses Museum ist Anlaufpunkt für jedermann. "Wir haben was hier, und hier ist Heimat", beendete die Vorstandschefin die Begrüßungsrede. Beim Rundgang könnten wohl hier und da Tränen fließen. Vereinsmitglied Marietta Dieckmann gehörte zu den Bretschern, die den Besuchern die Zunfthemden im Schlafzimmer zeigte mit Säcken unter der Matratze, wie es früher üblich war, die Nachttöpfe, das Wohnzimmer mit seinem traditionellen Geschirr. Zwei Küchen, aus dem Jahr 1930 und 1950, laden zum Backen und Kochen ein. Die komplette Schusterwerkstatt ist eine Spende von Dorfschuster Masche. Was es zu sehen gibt, steht jetzt auf Infozetteln an der Tür. Im Büro liegt die Meisterurkunde vom Schlosser Waldemar Seifert, der später Pumpen herstellte. Die Jagdgenossenschaft vertrat Walter Schimrich. Familien- und Ortsgeschichte hat Fritz Lüdecke dokumentiert. An einer Wand hat er die Besitzer der Höfe von Dewitz von etwa 1700 an zusammengetragen. Joachim Müller und Friedrich Schmundt klärten die Interessierten gern über die Geschichte auf. Den Grundriss von Bretsch haben Karin Jüstel und Liane Garlipp im Nebenraum aufgezeichnet.

Helmut Doberstein verbindet mit dem Bretscher Heimatverein durch Friedrich Dieckmann Freundschaft. Jetzt sah er sich die neuesten Errungenschaften in Bretsch an, am 23. August veranstaltet sein Verein "De Dörpstroat" in Neulingen einen Kartoffeltag. Dann sind die Bretscher zu Gast.

"Wir arbeiten daran, einen festen Termin für die Öffnungszeiten anzugeben, damit mehr Besucher unser Angebot nutzen können", kündigte Rosemarie Müller abschließend an. Zur Stärkung hatte ihr Verein Kuchen und Bratwurst vorbereitet.

Bilder