In wenigen Tagen endet für den Osterburger Martin Zeigerer seine Zeit als Kommunalpolitiker. 24 Jahre lang saß er im Stadtrat, und zwar für das Neue Forum, das er in seiner Heimatstadt einst mitbegründete.

Osterburg l Politisch interessiert sei er schon immer gewesen, sagt der studierte Maschinenbauingenieur, aber zu DDR-Zeiten habe er nicht wirklich daran geglaubt, etwas verändern zu können. Als er nach der Wende dann die Chance dazu bekam, war er sofort bereit, sie zu nutzen.

"Ich finde es ganz wichtig, dass sich Leute fürs Gemeinwohl engagieren und Verantwortung übernehmen. Der eine tut es bei der Feuerwehr, der andere im Sportverein oder in der Jugendarbeit. Und ich habe mich für den Stadtrat entschieden, denn ich glaube, dass ich dort mit meinen Sachverstand und fachlichen Wissen etwas Gutes für Osterburg bewirken kann", begründet er den damaligen Entschluss.

Bereut, sich dazu entschlossen zu haben, hat Martin Zeigerer es nie. Die letzten Jahre jedoch brachten für ihn neben positiven Momenten leider auch frustrierende mit sich, gesteht er unumwunden.

"In der jetzigen Wahlperiode bin ich der letzte und einzige Vertreter der Wählergemeinschaft Neues Forum, quasi Einzelkämpfer. Ich sitze zwar im Stadtrat und kann dort über die jeweilige Entscheidung abstimmen, doch die meisten Vorbereitungen und Diskussionen finden in den Fachausschüssen statt. Mein Problem ist, dass ich keinem Ausschuss an gehöre. Dadurch haben mir oft wichtige Informationen gefehlt", erklärt er.

Dann spricht Martin Zeigerer über seinen Eindruck, dass die gewählten Abgeordneten immer stärker bestimmten Reglementierungen ausgesetzt sind. "Die Vorgaben und Richtlinien kommen von Bund oder Land, die Verwaltung bereitet alle die Beschlüsse vor und die Stadträte müssen nur noch die Hand heben. Auf manche Prozesse haben wir gar keinen Einfluss mehr, bekommen jedoch hinterher den schwarzen Peter dafür. Ich denke da beispielsweise an die Frage, als es darum ging, wo die Kinder aus den umliegenden Dörfern zukünftig zur Schule gehen werden sollen", begründet Martin Zeigerer sein Unbehagen.

Stadtrats-Kollegen schätzen gelernt

In den mehr als 20 Jahren hat der Osterburger viel Kraft und Freizeit in sein ehrenamtliches Engagement als Stadtrat "investiert". Demnächst schließt er nun dieses wichtige Kapitel seines Lebens ab. "Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", bekennt er offen. Sein Fazit: "Es war eine bedeutsame und prägende Zeit für mich. Sie hat mir viele neue Erfahrungen beschert. Dankbar bin ich vor allem meinen Mitstreitern aus den eigenen Reihen, die mir oft mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Schätzen gelernt habe ich aber Stadtrats-Kollegen aus anderen Parteien, die zur Zusammenarbeit bereit waren, weil es ihnen um die Sache ging."

Langweilig wird es Martin Zeigerer aber wohl auch in Zukunft nicht werden. Er hat eine Reihe von Interessen und Hobbys. Besonders freut er sich darauf, bald noch mehr Zeit fürs Singen zu haben, denn er ist Mitglied in zwei Chören.