In Anlehnung an den "Tag der biologischen Vielfalt" führte die Naturwacht des Biosphärenreservates "Mittelelbe" am Sonnabend die fünfte "Frühlingswanderung in der Aland-Niederung" dieses Jahres durch.

Stresow l Naturwacht-Mitarbeiter Peter Müller konnte an der Gedenkstätte Stresow rund ein Dutzend Naturfreunde begrüßen; einige hatten einen weiteren Weg auf sich genommen, zum Beispiel aus Salzwedel und der Klötzer Gegend. Auch einige Radler waren dabei.

Wo ist der Gelbspötter?

"Die biologische Vielfalt in Flora und Fauna, die die Grundvoraussetzung für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts ist, haben wir hier, wo sich die innerdeutsche Grenze befand, vor Augen", leitete Müller die Exkursion ein. Er hatte, was ornithologische Fragen betraf, einen Fachmann an seiner Seite: Reinhard Audorf aus Seehausen, Mitglied des Kreisverbandes Östliche Altmark des Ornithologenvereins und bestens ausgerüstet mit Spektiv und Fernglas. An ihn hielt sich gleich Christian Schwander, der sich auch für die Gefiederten interessierte.

Bevor die Naturfreunde den Stresower Aussichtsturm bestieg, wurde kurz Halt gemacht, um nach dem Gelbspötter und der Gartengrasmücke, deren Stimmen zu hören waren, Ausschau zu halten.

Wasserstand niedrig

Tatsächlich entdeckten sie den Spötter in einem Gebüsch. Vom Turm aus hatten sie eine gute Fernsicht. Zu Füßen des Turmes erstreckt sich vom Wrechow-Polder über das von Altarmen der Elbe durchzogene Flutungsgebiet das größte Naturschutzgebiet Sachsen-Anhalts auf einer Fläche von mehr als 6000 Hektar bis in die Hohe Garbe. "Hier kann man auf Amphibien treffen, die anderwärts selten sind, wie die Rotbauchunke und der Laubfrosch", erklärte Müller. "Sie halten sich jetzt infolge der Trockenheit ziemlich zurück mit ihren Rufen. Der Wasserstand in den Flüssen und Qualmwasserbereichen ist derzeit recht niedrig." Lediglich einen Teichfrosch käckerte im Schilf.

Junge Graugänse (die Population hat zugenommen), Fischreiher und ein brütendes Schwanenpärchen waren auszumachen. Leider zeigte sich keiner der seltenen Schwarzstörche, die mitunter anzutreffen sind. Früher in diesem Revier heimische Seeadler würden jetzt im Brandenburgischen horsten, wusste Müller zu berichten. "Hierher kommen sie höchstens noch zur Futtersuche."

40 Fischarten in der Elbe

Auf dem Weg am Polderdeich entlang lauschten die Wanderer den interessanten Ausführungen Müllers. Die Elbaue, begünstigt durch das so genannte "Grüne Band" an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, sei unersetzlicher Lebensraum für eine Vielfalt von Arten, die auf das Leben am Fluss spezialisiert sind wie Kraniche, Kiebitze, Unken, Ringelnattern, Eidechsen, Biber und viele andere fliegende, kriechende und krabbelnde Tiere. Nicht zu vergessen die artenreiche Flora in der Auenregion. In der Elbe, einst einer der schmutzigsten Flüsse Europas, leben wieder rund 40 Fischarten.

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