Seit gut 20 Jahren steht auch den jungen Leuten der neuen Bundesländer das Tor zur Welt weit offen. Herumkommen ist nicht nur etwas für große Geldbeutel. Wer seinen Ansprüchen Grenzen setzt oder sich sozial engagieren will, ist bei Schüleraustausch- und Hilfsorganisationen gut aufgehoben. So wie der Meseberger Ben Engels, den es nach einem Schuljahr in den USA jetzt für zwölf Monate nach Kolumbien zieht.

Meseberg. Heute heißt es Abschied nehmen. Zweieinhalb Jahre nach der Rückkehr aus Nordamerika, zieht es den Meseberger mit Kolumbien dieses Mal in den Süden des Kontinentes. Genauer gesagt in den nördlichen Teil Südamerikas, der sowohl am atlantischen als auch am pazifischen Ozean Küsten hat, der durch die Anden geprägt ist und durch den der Äquator führt.

Während das erste Jahr in einer klassischen Schüleraustauschfamilie über den Verein AFS Interkulturelle Begegnungen und mit Hilfe durch die altmärkische Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Die Linke) organisiert wurde, setzt der 20-Jährige, der 2010 sein Abitur absolvierte, jetzt auf "weltwärts" – einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, der auch von der Bundesregierung unterstützt wird.

Sein Freiwilligenjahr wird der junge Mann, der später etwas in Richtung Medienmanagement und Kommunikation studieren will, in Cali, der zweitgrößten Metropole nach der Hauptstadt Bogotá, verbringen. Cali ist übrigens auch als die Stadt des Salsa bekannt. Schmunzelnd erklärt Ben Engels, bei dem von der Tanzschule vor allem der universell einsetzbare Disco-Fox hängengeblieben ist, dass er sich auch dieser Herausforderung stellen und vielleicht sogar einen Kurs absolvieren wolle. Eine Herausforderung wird sicher auch das intensive Erweitern seiner Spanisch-Grundkenntnisse sein. Aber schon in den USA hat er die Erfahrung gemacht, dass das zu meistern ist, wenn man sich auf die ungewohnte Sprache nur einlässt.

Seine 100 Euro Taschengeld pro Monat muss sich der Altmärker im Colegio INEM (eine der größten staatlichen Schulen der Region) verdienen, wo er nach einer gewissen Zeit des Hospitierens den Unterricht (am liebsten Deutsch und Englisch) der 12- bis 17-Jährigen bereichern helfen soll. Am ehesten ist das vielleicht mit einem pädagogischen Mitarbeiter an deutschen Schulen zu vergleichen.

Das Taschengeld muss sich der Meseberger vor allem bei der heimatlichen Kommunikation einteilen. Nach der aus den USA gewohnten Auslandsflatrate von vier Euro pro Monat, heißt es sich auf einen Minutenpreis von zwei Euro umzustellen. Die E-Mail wird da wohl Hauptnachrichtenmittel werden, erklärt der Weltreisende mit etwas Wehmut. Und gibt dabei zu, dass ihm der Abschied dieses Mal doch etwas schwerer fällt als 2007.