Der Elbepegel bei Wittenberge fällt schneller als erwartet. Das heißt, es besteht nun die Aussicht, dass auch am Aland und in der Zehrengrabenregion die Hochwassersituation sich etwas schneller entspannen könnte, als ursprünglich befürchtet. Nichtsdestotrotz wird auf vielen überfluteten Flächen im Norden des Landkreises noch lange Zeit Wasser stehen.

Seehausen. Im Zehrengrabengebiet steht das Wasser seit Tagen noch höher als 2006 – dem Jahr, in dem vor allem die Bauern der Region große Verluste zu verzeichnen hatten. "Für die Landwirte ist es auch in diesem Jahr wieder eine Katastrophe. Auf vielen bestellten Feldern steht das Wasser – noch höher als 2006", sagt Hans-Jörg Steingraf, Leiter des Flussbereichs Osterburg des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). "Aber zum Glück fällt das Wasser mittlerweile wieder im Zehrengrabengebiet und das ist früher eingetreten, als ich es vor einigen Tagen noch erwartet habe", fügt Steingraf hinzu.

Am Aland bleibt die Lage weiterhin sehr angespannt. Wie ein reißender Strom fließt nach wie vor das Wasser aus dem Aland bei Wanzer durch das Flutungsbauwerk in den über 800 Hektar großen Garbe-Polder. Eine gigantische Wasserfläche ist dort entstanden – viel größer als der Arendsee. 40 Kubikmeter Wasser pro Sekunde strömten in Spitzenzeiten, vor über einer Woche, an der Messtelle bei Dobbrun vorbei – alles in und durch den Alandschlauch. Gestern waren es immerhin noch 18 Kubikmeter je Sekunde. Mit dem Schließen des Alandabschlussbauwerkes wurde buchstäblich bis zur letzten Sekunde gewartet, um möglichst viel Wasser in die Elbe abzuleiten. Doch seitdem die Elbe stieg, ließ die Durchflussmenge täglich deutlich nach. Zum Schließzeitpunkt des Alandabschussbauwerks war sogar ein leichter Rückfluss aus der Elbe in den Aland zu verzeichnen.

Seitdem die "Schotten" dort dicht sind, fließt das Wasser nur noch in den Garbe-Polder. Der deutlich kleinere Wrechow- Polder wurde noch als zusätzliche Staufläche zurück gehalten, also noch nicht geflutet.

Im Garbe-Polder ist noch immer etwas Platz – für ungefähr zwei Tage", schätzte Steingraf gestern ein. Wenn also alles gut laufe, werde es zu keinem Anstieg des Wassers im Alandgebiet mehr kommen. Garantieren aber wollte Steingraf dies gestern nicht, da sich die Rahmenbedingungen ständig änderten.

"Das Aland-Abschlussbauwerk wird sofort wieder geöffnet, wenn der Pegel der Elbe unter das Niveau des Alands fällt – und sollte es mitten in der Nacht sein", betont der Flussbereichsleiter. Wenn der Elbepegel weiter so fällt wie gegenwärtig, könnte das bereits heute Abend der Fall sein. Dann, so Steingraf, entpanne sich die Situation am Aland in kleinen Schritten. Gestern am frühen Nachmittag stand das Wasser der Elbe noch über 40 Zentimeter über dem Pegel des Alands.

Größtes Sorgenkind seien nach wie vor die alten Alanddeiche, vor allem in einem zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen der Brücke Wahrenberg-Scharpenhufe und dem Wegabzweig in Richtung der Fußgängerbrücke bei Pollitz. Dort hatte es zahlreiche Sickerstellen und Sickerlinien am Deichfuß gegeben. Diese seien jedoch allesamt gut gesichert worden. Der Deichabschnitt stehe weiterhin permanent unter Beobachtung.

Zu einem Problem für die Deiche – insbesondere in einigen Bereichen der Elbe – entwickelt sich aus Sicht des Flussbereichsleiters die wachsende Biberpopulation. Unter anderem bei Losenrade, Beuster, Wahrenberg sowie bei Sanderholz und Rosenhof hätten die Biber tiefe Löcher in die Dämme gewühlt. Das sei natürlich sehr gefährlich. "Der Lebensraum der Biber ist derzeit überspült, also suchen sich die Nager einen trockenen Platz, den sie zumeist auf den Deichen finden. Biber stehen unter Schutz. In Absprache mit der Reservatsverwaltung wird in einigen Fällen versucht, die Tiere einzufangen", erklärt Steingraf

Der Flussbereichsleiter hofft, dass mit dem Bau des seit Jahren geplanten Sperrwerks am Zehrengraben endlich begonnen werden kann. Mehr dazu in einer der nächsten Volksstimme-Ausgaben.

 

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