Dass die Städtepartnerschaft Osterburgs mit Wielun nicht nur auf dem Papier existiert, wurde in diesem Monat besonders deutlich.

Wielun/Osterburg l Mit vielen positiven Erinnerungen kehrten die Schüler des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums von ihrer Studienfahrt aus Wielun zurück. In der Vorwoche besuchten 15 Jugendliche aus den achten und neunten Klassen zusammen mit den Pädagoginnen Undine Theiß und Michaela Steinke das befreundete "Gimnazjum Nr. 1" in der Partnerstadt. Dabei standen nicht nur die Besichtigung der Stadt und andere Exkursionen auf dem Programm; zusammen mit den gleichaltrigen polnischen Schülern widmeten sich die Biesestädter mehreren Projekten im gemeinsamen Unterricht.

Die Schüler fassten die fünftägige Fahrt kurz zusammen: "Es war ziemlich cool." Sie erinnern sich an den Europa-Projekttag, wo die polnischen Jugendlichen mehrere Länder und das landestypische Essen präsentierten, an den Projekttag im Grünen, "der mit einer kleinen Wasserschlacht endete", denkt Charlotte Reppenhagen aus der 8d an das amüsante Geschehen. Ihr Mitschüler Niclas Dirk fand den dortigen Unterricht locker. Und auf die unterhaltsamen Nachmittage blickt Niklas Kayatz, ebenfalls aus der 8d, gern zurück. "Wir waren im Schwimmbad oder auch bowlen", sagt Marius Müller, Schüler der Klasse 9b. Sie hat sich also gelohnt - die fast neunstündige Bustour nach Wielun, die von der Landeszentrale für politische Bildung finanziert worden war.

Beeindruckt von der Gastfreundschaft

Die Schüler, die bei Eltern polnischer Schüler Quartier bezogen, schlossen Freundschaften und freuen sich bereits auf den Gegenbesuch, der im September stattfinden wird. "Es war alles perfekt organisiert", zieht auch Lehrerin Michaela Steinke ein positives Fazit dieser Reise. Eine Reise, die auch einem besonderen und sensiblen Thema dienen soll: Der Aufarbeitung der deutsch-polnischen Kriegsgeschichte. Schließlich wurde Wielun am 1. September 1939 als erste Stadt Polens im Zweiten Weltkrieg von deutschen Sturzkampfbombern angegriffen. 1200 Menschen starben im Bombenhagel. An der Gedenkstäte, an der damals ein Krankenhaus stand, legten die Schüler Blumen nieder.

Und welches Gymnasium ist das schönere? "Unseres", meint Niclas Dirk beim Vergleich der Osterburger und der Wieluner Bildungsstätte. "Dafür hat Wielun einen Schießstand", kontert Niklas Kayatz. Eine Arbeitsgemeinschaft widmet sich dort dem Schießsport. Die Acht- und Neuntklässler waren auch überrascht, wie locker das Pausenverhalten gehandhabt wird - die polnischen Jugendlichen müssen sich nicht auf dem Hof aufhalten, sondern "lungern in den großen Fluren herum". "Es war sehr interessant und unterhaltsam", schätzt Undine Theiß die Tour ein. "Besonders beeindruckt waren wir von der Gastfreundschaft."

Die Verständigung untereinander klappte auch gut. "Ab der siebten Klasse lernen die polnischen Schüler Deutsch", so Theiß, die sich mit den Lehrerkollegen sehr gut unterhalten konnte, während die Jugendlichen aufgrund der noch nicht langen deutschen Sprachkenntnisse der Gastgeber auch auf Englisch zurückgriffen.

Vor einigen Tagen bekamen auch die Osterburger Handballer Besuch vom MKS Wielun: Bereits seit 42 Jahren pflegen die Sportler freundschaftliche Beziehungen, besuchen sich gegenseitig. In diesem Jahr war es die D-Jugend-Mannschaft der Partnerstadt, die in die Altmark reiste. Und auch Bürgermeister Janusz Antczak weilte in diesem Monat bereits in Osterburg: Er nahm gern die Einladung zum Osterburger Stadt- und Spargelfest an, bei dem auch die junge Gruppe "TNNT" aus Wielun für Unterhaltung sorgte.

Osterburgs Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz verständigte sich zudem mit seinem ponischen Amtsinhaber darauf, dass auch die Grundschulen beider Städte künftig ihre Partnerschaft verfestigen sollten.

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