Stendal. Den Grünen weht auf ihrer öffentlichen Suche nach Alternativen zur Nordverlängerung der A 14 starker Gegenwind entgegen. Am Stendaler Hauptbahnhof wurden vorgestern der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn und Landesvorsitzender Christoph Erdmenger von mehr als hundert Autobahnbefürwortern mit Transparenten und lautstarken Protesten empfangen.

Was ein eher stiller Start zu einer Tour mit Gleichgesinnten entlang der geplanten A-14-Trasse von Stendal nach Magdeburg werden sollte, entpuppte sich als lautstarke Protestkundgebung. Als Stephan Kühn und Christoph Erdmenger vor dem Hauptbahnhof eintrafen, wurden sie schon von Autobahnbefürwortern erwartet. Unter ihnen Landtagsabgeordnete, Stendals OB Klaus Schmotz und Osterburgs Bürgermeister Hartmuth Raden.

Die beiden Grünen-Politiker wurden sofort in heftige Streitgespräche über den geplanten Entschließungsantrag ihrer Bundestagsfraktion verwickelt, der das A-14-Projekt stoppen und alternative Planungen anschieben soll. Die Aufnahme der Nordverlängerung in den Bundesverkehrswegeplan sei damals gemeinsam mit den Grünen beschlossen worden, hielt Reinhard Weis, der viele Jahre für die SPD im Bundestag saß, den Vertretern der Grünen vor. In diesem Zusammenhang seien viele Umweltschutz-Forderungen der Grünen erfüllt worden.

Die Verhältnisse seien jetzt andere, das Geld reiche nicht mehr für eine Autobahn, reagierte Christoph Erdmenger. Den Leuten in der Altmark würde "Sand in die Augen gestreut". Der Bundesverkehrswegeplan sei mit 15 Milliarden Euro unterfinanziert, sagte Stephan Kühn. "Sie bekommen keine durchgehende Autobahn gebaut." Alternativ würde der Ausbau von B 189 und B 5 nur ein Drittel bis die Hälfte der Kosten verursachen.

Doch das ließen die A-14-Befürworter, unter ihnen viele Unternehmer aus der Region, nicht gelten. Mit zum Teil heftigen Wortwechseln lehnten sie Alternativen zur Autobahn entschieden ab. "Die Altmark ist ein weißer Fleck in der Autobahnlandschaft in Deutschland", sagte Unternehmer Bernd Zorn aus Stendal. "Die Wirtschaft hier braucht die Mobilität. Und wir wollen damit verhindern, dass die Jugend von hier abwandert."

Zur Unterstützung der Autobahnpläne war auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Magdeburg, Siegfried Zander, nach Stendal gekommen. Bei der Verkehrsuntersuchung Nordost in den 90er Jahren sei auch der Ausbau der B 189 geprüft, aber verworfen worden, argumentierte er. Es gebe keine Alternative zur A 14. Sigrun Walsdorff, die Sprecherin von BASTA 14 aus Osterburg, meinte, die Planungen für den Ausbau der B 189 würden noch einmal 15 Jahre dauern. Nach ihrer Überzeugung würde diese Variante "auf keinen Fall billiger" als ein Neubau der A 14.

Für den Ausbau von Bundesstraßen wie B 71, 189 und 5 setzen sich mehrere Bürgerbündnisse in der Altmark und in Niedersachsen ein. Eine gemeinsame Resolution dieser Initiativen übergab Gerhard Marmetschke gestern an die Grünen-Politiker.