Osterburg l Pragmatische Gründe gaben schon vor Monaten den Ausschlag dafür, dass sich Frank Hoche abseits der Landes-Ausstellung dafür entschied, in Osterburg eine eigene Sonderausstellung zum Thema Erster Weltkrieg auf die Beine zu stellen. "Bei der Gemeinschaftsaktion der Museen handelt es sich um eine Wanderausstellung, die nach und nach durch die Einrichtungen zieht.

"Die Stadt war durch und durch preußisch"

Nachdem die Schau ihren Auftakt schon in Stendal und damit in unserer direkten Nachbarschaft erlebte und mit Havelberg bereits eine Einrichtung unserer Kreismuseen für die Schau vorgemerkt ist, wäre Osterburg zeitlich erst sehr spät als Ausstellungsort in Frage gekommen. Mir ist es aber wichtig, zeitlich nahe am Datum des Kriegsbeginns (28. Juli) an die Urtragödie des 20. Jahrhunderts zu erinnern, die vor 100 Jahren ihren Anfang nahm", erzählte Hoche. Dem Leiter der Museen des Landkreises Stendal kommt dabei entgegen, dass sich in seiner Einrichtung Exponate aus jener Zeit faktisch stapeln. Dokumente, Fotografien, Pokale, Krüge oder Fahnen projizieren das Bild einer Stadt, die am Vorabend des Krieges in Blüte stand. "Es gab viele Vereine, unter der Führung von Bürgermeister August Hilliges und begünstigt durch die Entwicklung in Deutschland florierte die Wirtschaft. Politisch betrachtet hob sich Osterburg nicht von anderen Orten ab. Die bürgerliche Bevölkerung der Stadt war durch und durch preußisch und kaisertreu", sagte der Museumschef. Quellen wie Artikel aus der Altmärkischen Zeitung zeigen, mit welcher Begeisterung und Patriotismus Osterburger in den Krieg zogen, der sich sofort auf das Leben der Stadt auswirkte.

Die zahlreichen Einberufungen zum Heer dünnten beispielsweise das Personal der Feuerwehr aus, sonst übliche Vergnügungen und Bälle werden abgesagt. Schon in August-Ausgaben der Zeitung finden sich die ersten Todesanzeigen gefallener Osterburger. "Anfangs sind diese Bekanntgaben noch mit großem Pathos abgefasst. Doch im Laufe der Jahre verschwindet der anfangs betrauerte ,Heldentod` quasi fast vollständig aus entsprechenden Texten, stattdessen wird die Verzweiflung der Hinterbliebenen über das immer häufiger als völlig sinnlos empfundene Sterben spürbar. Das ist ein Beleg, wie sich die Stimmung in der Bevölkerung und die Einstellung zu diesem Krieg änderte", erzählt der Museumschef.

Schon Ende 1915 meldet die Zeitung 56 gefallene Osterburger. Und berichtet darüber, dass Einwohnerinnen die Stadt verlassen haben, um im Hinterland der Ostfront in einem Erholungsheim für verwundete Soldaten zu arbeiten. In der Biesestadt selbst machen sich Engpässe bei der Versorgung immer deutlicher bemerkbar. Gleichzeitig steigen die Preise für Lebensmittel deutlich an. Nach Waffenstillstand und Abdankung des Kaisers setzen Einwohner Ende 1918 auch in Osterburg mit der Bildung eines "Arbeiter- und Bauernrates" revolutionäre Akzente.

Gymnasiastan führen Antikriegsstück auf


Die neue "Ordnungsgewalt" verschwindet aber schnell wieder von der Bildfläche, spätestens im März 1919 bestimmt das Bürgertum wieder das Geschehen in der Stadt. "Das lässt sich aus dem Ergebnis der Wahl zur Stadtverordneten-Versammlung lesen, nach der der Fabrikbesitzer Rungwerth schon zum Stadtverordneten-Vorsteher ernannt wird", blickte Hoche zurück. Diese Zeit und die damit verbundene Rückkehr in einen Anschein bürgerlicher "Normalität" hat der Museumschef aber nicht mehr in der Schau berücksichtigt. Der Geschichtsabriss endet mit den letzten Tagen des Jahres 1918.

Hoche freut sich darüber, dass das Markgraf-Albrecht-Gymnasium die Sonderausstellung massiv unterstützt. "Zur Eröffnung am 29. Juni um 11.30 Uhr wird die Theatergruppe des Gymnasiums mit ,Picknick im Felde` ein Antikriegsstück aufführen. Außerdem wird unsere Schau durch Schülerkunst bereichert. Wir zeigen Arbeiten, in denen sich Jugendliche aus den 8., 11. und 12 Klassen mit dem Thema Krieg auseinandergesetzt haben", machte der Museumschef neugierig.