Gethlingen l Der Ausbau der Ortsdurchfahrt Gethlingen beschäftigt morgen einmal mehr den Gemeinderat Hohenberg-Krusemark. Die marode Straße soll nach Plänen der Landesstraßenbaubehörde möglichst im kommenden Jahr saniert und in einem ordentlichen Zustand an die Gemeinde Hohenberg-Krusemark übertragen werden. Der entsprechende Ratsbeschluss war jedoch während der jüngsten Sitzung des Gremiums noch einmal vertagt worden. Der Grund: Einige Einwohner aus Gethlingen würden es lieber sehen, dass die Gemeinde als Bauherr für die Maßnahme fungiert. Sie befürchten vor allem eine schlechte Ausführungsqualität, wenn für die Maßnahme allein der Landesbetrieb Bau verantwortlich zeichnet.

"Einerseits sind wir natürlich froh, dass in diesem Jahr endlich die Ortsumgehung von Gethlingen gebaut werden soll und der Plan besteht, auch die Ortsdurchfahrt im kommenden Jahr auszubauen. Aber wir bezweifeln, dass letztere Maßnahme in der notwendigen Qualität realisiert wird", sagt die Gethlingerin Alkje Fontes.Und sie fügt hinzu: "Wir haben in der Vergangenheit einfach zu viele schlechte Erfahrungen mit Maßnahmen der Landesstraßenbaubehörde gemacht."

"Es wäre ideal gewesen, wenn die Fahrbahn mit dem vorhandenen Natursteinpflaster neu gebaut worden wäre. Aber das hat die Landesstraßenbaubehörde leider verbockt - mit ihrer falschen Entscheidung, im vergangenen Jahr die marode Asphaltschicht von der Fahrbahn abzufräsen. Diese Arbeit ist so miserabel ausgeführt worden, dass ein Großteil der Steine zertrümmert wurde", beschreibt die Gethlingerin verärgert.

Loses Steinpflaster birgt Gefahrenpotenzial

Diese Fehlentscheidung, so Fontes weiter, habe außerdem dazu geführt, dass die marode Fahrbahn noch mehr zerfahren wurde. Die Gebäude in dem Ort seien durch die Erschütterungen, die der Schwerlastverkehr verursache, noch mehr als ohnehin schon beschädigt worden. Das bestätigt auch Fontes´ Nachbarin Gabriele Börner. "Das Pflaster oder besser gesagt das, was davon übrig ist, ist mittlerweile so locker, dass wir uns fragen, wann wir von einem Fahrzeug den ersten Stein an den Kopf geschleudert bekommen, oder wann ein solcher durch unsere Fensterscheibe fliegt. Unser Haus hat durch die Erschütterungen schon an mehreren Stellen Risse." Auch Börner verlangt eine ordentliche Ausführung der geplanten Straßenbaumaßnahme - unter wessen Regie sie auch immer läuft. Sie befürchtet allerdings auch, dass die Anwohner durch Straßenausbaubeiträge noch zur Kasse gebeten werden könnten.

Alkje Fontes ist sich jedenfalls sicher, dass es das Beste wäre, wenn das Land der Gemeinde Hohenberg-Krusemark Geld zur Verfügung stellen würde, um die Ortsdurchfahrt in eigener Regie auszubauen. Nur so wäre aus ihrer Sicht sichergestellt, dass die Maßnahme in bester Qualität umgesetzt würde.

Fontes befürchtet, dass der Landesbetrieb nur das Notwendigste machen würde. Es würde wohl darauf hinauslaufen, meint sie, dass auf das vorhandene Pflaster wieder eine Asphaltschicht käme.

Einwohner befürchten hohe Folgekosten

"Erforderlich ist aber ein solider Unterbau. Erfolgt ein solcher nicht, können wir darauf warten, dass in einigen Jahren wieder Schäden an der Straße auftreten. Dann müssten die Gemeinde und wohl auch die Anwohner immer wieder aufs Neue mit hohen Kosten rechnen", so Alkje Fontes.

Ein 1-A-Zustand der Ortsdurchfahrt, betont die Gethlingerin, müsste auch im Interesse der Gemeinde liegen. Denn eine gute Straße werte den Ort erheblich auf. Dann würden sich hoffentlich weitere junge Familien finden, die sich in dem Ort ansiedeln. "Gethlingen ist eigentlich ein sehr schönes Dorf - mit einem historischen Ortskern und idyllisch gelegen. Wenn die Ortsumgehung fertig ist, dann wohnt es sich hier wunderbar. Das Industrie- und Gewerbegebiet Arneburg mit dem Zellstoffwerk und Papierfabrik ist ganz in der Nähe; die Verkehrsanbindung ist gut. Ich glaube daran, dass der Wert der Grundstücke hier steigen wird. Aber dafür ist es notwendig eine sehr gute Straße zu bauen." Die Gemeinde sei in jedem Fall der bessere Bauherr. Als positives Beispiel führt Fontes den Nachbarort Hindenburg an, wo die Dorfstraße in hervorragender Qualität ausgebaut worden sei.

Familie Fontes und wohl die meisten anderen Gethlinger auch hoffen, dass auch das Land seiner Verantwortung gerecht wird. Dass dies bisher nicht der Fall sei, so Alkje Fontes, lasse sich an den vom Land veranschlagten Kosten für die Maßnahme erkennen. Es sei von etwa 150000 Euro für die Ortsdurchfahrt die Rede gewesen.

"Veranschlagtes Geld reicht hinten und vorne nicht"

"Das Geld reicht hinten und vorne nicht für eine vernünftige Ausbauqualität. Bauexperten, mit denen wir gesprochen haben, beziffern die Kosten für einen grundhaften Straßenausbau auf mindestens 250000 Euro", sagt Fontes. "Das Geld müsste das Land auch zur Verfügt stellen beziehungsweise es einplanen, wenn die Entscheidung so gefällt wird, dass das Land auch als Baulastträger fungiert."

Morgen soll bei der Ratssitzung in Hohenberg-Krusemark endgültig die Entscheidung gefällt werden, ob die Gemeinde mit dem Landesbetrieb Bau eine Übertragungsvereinbarung für die Ortsdurchfahrt Gethlingen abschließt. Vor Sitzungsbeginn, ab 18 Uhr, soll dort zu diesem Thema auch eine Informationsveranstaltung für Einwohner stattfinden. Dazu sind insbesondere die Gethlinger eingeladen.