Goldbeck l Im Juni 2013 hatte die 15-Jährige das Jugendtheaterstück "13" in Stendal gesehen und sofort Feuer gefangen. Als Lena Züßler in der Zeitung eine Annonce las, über die nach Theaternachwuchs gesucht wurde, gab es für sie keine Fragen mehr.

Beim ersten Termin im September sah sie sich dann 40 jungen Theaterinteressierten und dem Regisseur Rober Grzywotz gegenüber. Letztlich blieben 30 Mädchen und Jungen dabei. Dienstags und donnerstags hieß es für Lena nun: "Ab nach Stendal!" Einsatz für die Schule zeigte sie trotzdem, ja, besser als vorher organisierte sie sich, um Zeit fürs Theater zu haben. "Mir hat es gleich gefallen. Die Leute, das Spielerische, alles war ein Mega-Spaß", beschreibt die Schülerin begeistert ihre erste Theatererfahrung.

Keine Manschetten vor der Bühne

Nach den ersten Wochen mit theaterpädagogischen Übungen verkündete der Regisseur Ende September, dass er das Musical "Oliver!" erarbeiten wolle. Das Ensemble hatte er inzwischen gut genug kennen gelernt, um abschätzen zu können, wer welchen Part erfüllen kann. Ab da begann die Liedarbeit. Und auch die erste Choreographie probten die Jugendlichen.

Dabei kam Lena zupass, dass sie jahrelang bei den Biesemäuschen für die Osterburger Carnevalsgesellschaft tanzte. Rhythmusgefühl hat sie intus, und Manschetten davor, auf der Bühne zu stehen, hat sie sowieso nicht. Ihre große Schwester Lisa ist da anders. "Von uns beiden bin ich die, die sich alles traut. Ich bin die mit der großen Klappe", sagt sie schmunzelnd. "Eines Tages mussten wir dem Regisseur einzeln ein Lied und eine Szene vorspielen. Ich glaube, meine Szene war aus einem Buch, aber das weiß ich schon nicht mehr. Das ist zu lange her", erzählte Lena, "Robert machte sich Notizen und an einem Sonnabend hat er die Rollenverteilung genannt." Von dem Tag an wusste die Schülerin, dass sie wandlungsfähig sein musste.

Im März ging es mit den Szenenproben los. Anfangs als Waisenkind auf der Bühne, mausert sich die Goldbeckerin zum Mitglied einer jungen Diebesbande. Im zweiten Akt steht sie als Haushälterin von Olivers Opa auf der Bühne, hat Dialog und ein Lied zu singen. Bei der Dernière sah das alles wie ein Kinderspiel aus. Jede ihrer Rollen war für sie eine Herausforderung, gab sie jedoch zu.

Das Schauspiel soll ein Hobby bleiben

"Nervös war ich gar nicht. Ich war vor den Vorstellungen viel aufgeregter als in dem Moment, wenn ich auf die Bühne kam. Ich wusste ja, dass ich es kann und ich in meiner Stimmlage singe", blickt Lena jetzt zurück.

Natürlich freute sich die Goldbeckerin auf die vier Vorstellungen, hatte ihren Lehrern davon erzählt und in ihrer Familie Werbung für das Stück gemacht. Die waren ganz hin und weg, einmal zu sehen, was für ein Talent in Lena steckt. "Das größte Talent von uns hat aber Julian Garz, der Fagin spielt. Wir finden ihn alle in seiner Rolle toll", schwärmte sie. Der 19-jährige Julian ist Rettungsassistent. Im November machte Lena im Arbeitsbereich ihres Theater-Kollegen ein Praktikum und weiß seitdem: "Ich will in die medizinische Richtung. Theater ist für mich ein Hobby." Mehr Hobbys hat sie jetzt auch nicht mehr, erklärte sie. Braucht sie auch nicht. Sie geht lieber ins Theater als ins Kino. Die Geburtstagsfeiern und Partys mit den Theaterleuten sind ihr ans Herz gewachsen. Vor dem letzten Akt meinte sie: "Nach dem Stück werden wir uns erst mal alle freuen, dann weinen, dann wieder freuen, dann weinen." So war es auch. Denn sie hat schließlich alle in ihr Herz geschlossen.

Ab Freitag spielt Lena Züßler im Theaterspektakel "Ritter Roland" mit. Danach ist Sommerpause. "Aber ich hoffe, ich sehe zwischendurch meine Theaterfreunde, bevor es im September mit einem neuen Jugendstück weitergeht."