Manchmal soll ja Fußball göttliche Züge annehmen. In Werben besitzt er zumindest pastorale. Der Pfarrer der Hansestadt, Jan Foit, verwandelt während der Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur das Pfarrhaus in ein WM-Café, sondern ist von Kindesbeinen an selbst aktiver Fußballer.

Werben l Gleich zum ersten WM-Spiel mit Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft (gegen Portgal) war das WM-Café prall gefüllt, das Pfarrer Jan Foit vor allem gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Kirchspiel Werben auf der Terrasse des Pfarrhauses eingerichtet hatte. Über 50 Gäste erfreuten sich gemeinsam an dem Fußballereignis. Ebenso voll war es beim jüngsten Spiel gegen Ghana.

"Die Idee mit dem WM-Café habe ich aus Berlin mitgebracht. Bevor ich 2011 nach Werben kam, war ich in der Hauptstadt in zwei Kirchengemeinden als Jugendreferent tätig. Und zweimal haben wir dort ein WM-Café veranstaltet - seinerzeit noch zu sämtlichen Spielen der WM. Das war ein großer Aufwand, aber es hat auch riesigen Spaß gemacht", berichtet Jan Foit gegenüber der Volksstimme.

Public Viewing zugunsten der Jugendarbeit

"Auch im Vorfeld dieser WM kam von der Landeskirche die Anfrage, welche Kirchengemeinden sich für Public-Viewing-Veranstaltungen anmelden möchten. Denn die EKD verfügt über die Lizenz für die öffentliche Vorführung der Spiele. Ich habe daraufhin bei unseren Jugendlichen nachgefragt, ob sie bereit wären, das Café zu betreuen. Die jungen Leute waren begeistert."

Der Grundgedanke, so der Pastor weiter, sei es gewesen, dass viele der Spiele sowieso angeschaut werden. Doch in der Gemeinschaft mache das bekanntlich mehr Spaß. Und die Kirchengemeinde verfüge über die Räumlichkeiten und die Technik. "Verbunden werden sollte das alles natürlich mit einer Aktion für einen guten Zweck. Wir haben uns dazu entschlossen, mit den Einnahmen aus dem Speisen- und Getränkeverkauf die Jugendarbeit zu unterstützen", erklärt der Pfarrer weiter.

Mit dem Fußball das Studium mitfinanziert

Die ersten beiden Auflagen des WM-Cafés in Werben waren ein voller Erfolg. Die Terrasse des Pfarrhauses war jeweils voll besetzt mit Fußballbegeisterten. Die Platzkapazität bei den Spielen der deutschen Mannschaft war fast komplett ausgeschöpft. Auch beim Spiel Deutschland gegen die USA am Donnerstag, 26. Juni, wird das Pfarrhaus natürlich wieder geöffnet. Anpfiff ist um 18Uhr. Fußballfans können ab 17 Uhr ins Pfarrhaus kommen. Das soll auch bei den anderen Spielen mit Beteiligung von Jogi Löws Team so sein und eventuell auch bei einigen anderen wichtigen Begegnungen ohne deutsche Beteiligung. Bei gutem Wetter wird das Public Viewing in den Pfarrgarten verlegt, wo deutlich mehr Platz ist.

Die Idee mit dem WM-Café resultiert bei Jan Foit nicht nur aus seiner Zeit als Jugendreferent in Berlin. Denn der Pfarrer ist selbst von Kindesbeinen an aktiver Fußballer. "Bevor ich Pfarrer wurde, war ich Fußballer. Ich kicke, seit ich vier Jahre bin, aktiv. Bis zum 30. Lebensjahr habe ich in Berlin in drei verschiedenen Vereinen Fußball gespielt - zeitweise in der höchsten Westberliner Spielklasse, der Verbandsliga. Als Kinder und Jugendliche haben wir manchen Meisterpokal geholt", berichtet Foit noch immer begeistert. "Der Fußball in Westberlin war damals sogar bezahlter Sport. Einen Teil meines Theologiestudiums habe ich durch das Kicken finanziert."

Als Foit 2011 nach Werben kam, dauerte es nicht lange, bis der Kontakt zum SV Rot-Weiß geknüpft war. Der heute 35-Jährige trat der ersten Herrenmannschaft bei und trainiert das Team sogar.

Wahl-Werbener ist bekennender Bayern-Fan

"Es macht nach wie vor riesigen Spaß und solange ich mich körperlich dazu in der Lage fühle, werde ich auch weiter aktiv spielen. Fußball ist Teil meines Lebens."

Des Pfarrers Team kickt derzeit in der ersten Kreisklasse. "Gern würden wir einer höheren Spielklasse angehören, aber das ist alles andere als leicht. Alle Spieler sind berufstätig und die meisten kommen nur am Wochenende nach Hause. Da bleibt wenig Zeit zum Trainieren", so Foit. Der Wahl-Werbener ist übrigens bekennender Bayern-München-Fan. "Dazu stehe ich. Seit ich Kind bin, schlägt mein Herz für Bayern und es gibt keinen Grund, die Gesinnug zu ändern."