Gladigau (fsc) l An eine festliche Kaffeetafel hatte Pfarrer Norbert Lazay anlässlich des 250. Geburtstages des hiesigen Pfarrhauses die Mitglieder seiner Kirchengemeinde gebeten, und dieses Jubiläum gemeinsam zu feiern hatte große Resonanz ausgelöst; der Himmel hielt seine Schleusen geschlossen, so dass neben dem großen Festzelt noch etliche Tische und Bänke aufgestellt waren. Der von Lazay geleitete Posaunenchor, der in der Gemeinde ebenfalls eine lange Tradition besitzt, und das Saxophon-Quartett "Klappe 4" aus Potsdam hatten die musikalische Umrahmung übernommen.

"Es gibt drei Gründe zu feiern", sagte der Pfarrer: Erstens: Das Haus ist 250 Jahre alt geworden, zweitens: es war vor 84 Jahren der Ursprung für den Kirchenchor und den Posaunenchor, drittens: es ist ein Ort der Kultur, der Bildung und Forschung. In den Familien waren viele Torten und Kuchen gebacken worden, und während des Schmausens wurden Neuigkeiten ausgetauscht und alte Begebenheiten aufgewärmt. Bis dann Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Francke`schen Stifttungen in Halle sich zu Wort meldete, um etwas zur Bedeutung evangelischer Pfarrhäuser zu sagen. Der Historiker hielt keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern es wurde mehr ein Geplauder, gewürzt mit allerlei Anekdoten aus seiner Familiengeschichte, denn mit dem Gladigauer Pfarrhaus verbinden ihn persönliche Beziehungen. Sein Onkel Dr. Helmut Rudolf Martin Müller war von 1960 bis 1983 in Gladigau Lazays Vorgänger und er seinerzeit oft hier zu Besuch gewesen.

"Evangelische Pfarrhäuser sind seit 500 Jahren eine tragende Säule und wichtiger Baustein der Gesellschaft", sagte Müller Bahlke unter anderem. Sie seien gewissermaßen Leitstelle und Kommandozentrale der evangelischen Seelsorge, zugleich Orte der Geselligkeit, wie man es am Beispiel Gladigau erkennen könne, der Bildung - lange Zeit galt der Pfarrer als der einzige Gelehrte des Dorfes -, der Musikpflege, Mittelpunkt der Pfarrerfamilien, in denen der Pastor sein Amt als Berufung versteht. In den evangelischen Pfarrhäusern vollziehe sich ein Teil des sozialen Lebens der Gemeinde mit mitunter spannenden Situationen.

Auch Norbert Lazay gab sich bei der Schilderung der Geschichte des Pfarrhauses samt Grundstück recht unterhaltsam, so, wie wir ihn kennen, und konnte zu jeder der 16 Pfarrergenerationen Anekdoten beisteuern, die er aus alten Überlieferungen erfahren hatte. So sei das Haus unter Bauaufsicht des königlichen Oberbaurates Friedrich Wilhelm Dieterichs 1764 fertiggestellt worden; es hatte einen völlig desolates Pfarrhaus abgelöst. Von dem seien aber Balken und Dachsparre wieder verwendet worden. "Sicher war für den Neubau mit ausschlaggebend gewesen, dass Johann Benjamin Visbeck, von 1732 bis 1762 Pfarrer in Gladigau, eine Nichte des Oberbaurates aus Orpensdorf geheiratet hatte", vermutete Lazay, der Auskunft sowohl über die Raumaufteilung in seinem Pfarrhaus als auch über deren Zweck früher und heute gab und auch die Nebengelasse nicht ausließ.

Persönliche Grüße, weil auch miteinander gut bekannt und mittlerweile befreundet, überbrachten Uwe Lenz, Bürgermeister von Meßdorf - der Ort ist dem Gladigauer Pfarramt zugehörig -, und Gladigaus Ortsbürgermeister Matthias Müller.

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