Auf Einladung des Landtagsabgeordneten des Wahlkreises Havelberg-Osterburg, Ralf Bergmann, besuchte gestern Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann unter anderem den Ort Beuster. Dort informierte sich der Minister über die Hochwasserlage im Norden des Landkreises Stendal und besuchte das Blaulichtmuseum.

Beuster. Eine ausgiebige Besichtigung des Blaulichtmuseums Beuster hatte Holger Hövelmann schon seit langem geplant. Dazu bot sich gestern die Gelegenheiten – wenn auch aufgrund des aktuellen Hochwassers die Besuchszeit in dem Museum etwas zusammengestrichen wurde. "Im Norden des Landkreises Stendal ist die Hochwasserlage nach wie vor angespannt, besonders auch wegen des zeitgleichen Hochwassers des Alands und des Zehrengrabens. Über diese spezifische Situation will sich der Innenminister bei der Gelegenheit einmal vor Ort informieren", erklärt Ralf Bergmann.

Empfangen wurde die Politikerdelegation zunächst im Blaulichtmuseum, vom Chef der Einrichtung, Ralf von Hagen, weiteren Vereinsmitgliedern sowie Seehausens Bürgermeister Ewald Duffe. Im Konferenzraum des Museums informierte Duffe den Minister über die Zusammenhänge, die in der Region Seehausen immer wieder zu außergewöhnlichen Hochwassersituationen führen. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn zeitgleich an der Elbe und am Aland die Pegel stark stiegen – wie in den zurückliegenden 14 Tagen. Dass nach dem Elbehochwasser 2002 auch in der Region Seehausen schon so viele Deiche saniert worden sind, so der Bürgermeister, habe sich bereits bezahlt gemacht. Sonst wäre die Lage auch beim aktuellen Hochwasser wohl dramatisch geworden. Wichtig sei, dass auch die noch ausstehenden alten Deiche saniert und weitere Hochwasserschutzmaßnahmen wie der Bau des Aland-Überleitungsbauwerks und des Zehrengraben-Sperrwerks umgesetzt würden.

"Alle Investitionen in den Hochwasserschutz, die vom Land geplant sind, werden realisiert. Die Planungen sind komplett abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die Maßnahmen durch die Instanzen zu kriegen", informierte Minister Hövelmann.

Ralf Bergmann wies noch auf einen weiteren Umstand hin, der die Einsatzkräfte und ihre Helfer in der Region bei stärkeren Hochwasser immer wieder vor besondere Herausforderungen stelle. "In der Verbandsgemeinde Seehausen gibt es allein 120 Deichkilometer – mehr als in jeder anderen Verwaltungseinheit in Sachsen-Anhalt. Die müssen bei jedem stärkeren Hochwasser überwacht und bei Bedarf gesichert werden. Das stellt oft nicht nur eine besondere Belastung für die Einsatzkräfte der Feuer- und Wasserwehren und der beteiligten Behörden dar, sondern auch für die Deichwachen. Es ist schwierig, genügend Deichläufer zu finden, und oft sind die ehrenamtlichen Helfer bis zu acht Stunden täglich im Einsatz. Das kann man nicht genug würdigen."

Als Innenminister kennt Hövelmann natürlich auch den im Überschwemmungsgebiet der Elbe gelegenen Ort Werder, der bei besonderen Hochwassersituationen immer wieder für Schlagzeilen sorgt – so auch in den vergangenen Wochen. Als Werderaner konnte Ralf von Hagen dem Minister aus erster Hand über das besondere und manchmal schwierige Leben in dem 40-Seelen-Ort berichten. Von Hagen lud Hövelmann und einige seiner Begleiter sogar zu einer Bootsfahrt nach Werder ein. Von Beuster aus ging es direkt hinüber zum Grundstück der Familie. "Glücklicherweise stieg der Elbepegel diesmal nicht ganz so hoch wie beim Sommerhochwasser 2002. Diesmal blieb das Wasser vor den Gebäuden", erklärte von Hagen, der den Minister über sein Grundstück führte und auch sein Wohnhaus zeigte.

Durch das große Wohnzimmerfenster bot sich den Besuchern ein herrlicher Blick über die riesige Überschwemmungsfläche der Elbe bis nach Brandenburg. Holger Hövelmann sagte zum Gastgeber: "Ich weiß gar nicht, ob ich Sie beneiden soll oder nicht. Einerseits ist es hier wunderschön und romantisch, andererseits ist es doch zeitweise sehr schwierig hier zu leben. Spätestens dann würde ich, glaube ich, nicht tauschen wollen."

Auch vom Blaulichtmuseum zeigte sich der Innenminister beeindruckt. Von Hagen, Museumschef und Vorsitzender des Vereins Blaulichtmuseum Beuster, schilderte die Geschichte der Einrichtung, die damit begann, dass er selbst nach der Wende das 10000 Quadratmeter große Gelände erwarb, das vorher zu einem Landwirtschaftsbetrieb gehörte. Mit einer kleinen privaten Fahrzeugsammlung habe es angefangen. Im Laufe der Jahre seien immer mehr Fahrzeuge und andere Exponate hinzu gekommen. Mittlerweile werde der Platz knapp. Vor allem fehle es an überdachter Stellfläche.

Hövelmann zeigte sich beeindruckt von der riesigen Sammlung. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die sich auf diese Weise für die Bewahrung lebendiger Geschichte stark machen. Der Staat kann diese Aufgaben nicht alle lösen. Wenn sich Vereine gründen, die sich dieser Aufgabe widmen, um so besser. Sie werden dann nach Möglichkeit unterstützt", so der Minister. Ralf von Hagen erwähnte in diesem Zusammenhang, dass seit Jahren geförderte Arbeitskräfte in dem Museum eine enorm wichtige Arbeit geleistet hätten. Diese Form der Unterstützung sei auch für die Zukunft wichtig, unterstrich der Museumschef.