Heute ist ein besonderer Tag für Bärbel Gagelmann - der letzte Schultag. Und das im doppelten Sinne, denn für sie geht nicht nur das Schuljahr 2013/14 zu Ende, sondern auch ihre Zeit als Lehrerin.

Osterburg l 38 Jahre hat sie ihren Beruf mit Freude ausgeübt und zwar die ganze Zeit über an der Osterburger Karl-Marx-Schule. "Angefangen habe ich 1976 an der O3, die sich damals im Fachwerk-Gebäude am Großen Markt befand, in dem heute die Stadt- und Kreisbibliothek ihren Sitz hat. Später zogen wir dann mit ins Schulhaus an der Ballerstedter Straße", erinnert sich die Pädagogin.

Ihre erste Klasse ist ihr ebenfalls noch gut im Gedächtnis. "Als junge Lehrerin fühlte ich mich noch etwas unsicher, denn ich kam ja frisch vom Studium und war jünger als die meisten Eltern meiner Schüler", erzählt sie mit verschmitztem Lächeln und fügt hinzu: "Bei meiner zweiten Klasse war es schon anders. Ich hatte berufliche Erfahrungen gesammelt und auch private, denn inzwischen war ich selbst Mutter eines Sohnes und konnte mich besser in Kinder hineinversetzen."

Später als Lehrerin zu arbeiten, davon träumte die aus Bad Kleinen stammende Bärbel schon als junges Mädchen. Nachdem sie ihren Facharbeiter mit Abitur in der Tasche hatte, absolvierte sie in Potsdam ein Pädagogikstudium für die Fächer Deutsch und Geschichte. Der Liebe wegen kam sie zu ihrem Mann Wilhelm in die Altmark und trat in Osterburg ihre erste und letzte Stelle an. "Ich habe meine Entscheidung für diesen Beruf nie bereut, denn ich bin immer Lehrerin mit Leib und Seele gewesen", sagt sie.

Rückblickend betrachtet, hätten sich all ihre Vorstellungen erfüllt. Bei der Arbeit mit jungen Leuten habe sie im Laufe der Jahre viel Schönes und Berührendes erlebt, an das sie sich immer gern erinnere, erklärt sie. Als besondere "Erfahrung" nennt sie die Zeit, in der das Gebäude bei laufendem Schulbetrieb umgebaut wurde, was allen Beteiligten viel Verständnis und starke Nerven abverlangt hat.

Mit einem weinenden und lachendem Auge

Den "Tag der offenen Tür" nach Abschluss der Bauarbeiten wird Bärbel Gagelmann wohl ebenfalls nicht so schnell vergessen, denn für diese Veranstaltung hatte sie "den Hut auf" und war am Ende glücklich, dass alles "so gut über die Bühne gegangen" ist.

In den vergangenen Wochen habe sie in mancher Unterrichtsstunde schon gespürt, dass das Abschiednehmen von Schule, Schülern und Kollegen bereits begonnen hatte. Darum habe sie dem heutigen letzten Schultag auch mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen gesehen, verrät die beliebte Lehrerin. Und während sie weiter spricht, ist ihrer Stimme anzumerken, wie stark sie dieser Gedanke bewegt: "Es ist ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben, der jetzt endet, vielleicht der wichtigste überhaupt. Ich habe viel Sympathie und Wertschätzung von den Schülern bekommen, und natürlich auch von Kolleginnen und Kollegen. Mit ihnen konnte ich über alles reden. Wir haben oft im Lehrerzimmer zusammen gelacht und auch mal geschimpft, wenn wir uns über etwas geärgert hatten. Ja, ich kann ehrlichen Herzens sagen: das Kollegium ist für mich wie eine zweite Familie gewesen, vor allem, als mein Mann schwer krank wurde und in der schlimmen Zeit nach seinem Tod...

Aber ich schaue nicht nur zurück, ganz im Gegenteil, ich bin sehr gespannt auf alles Neue, das jetzt auf mich zukommt. Ich möchte viel reisen und mehr Zeit für Familie und Freundeskreis haben. Kann sein, ich suche mir ein neues Hobby oder fahre noch öfter zu meinem Sohn nach Kaltenkirchen. Und spätestens dort wird es in den Gesprächen wieder um Schul-Themen gehen, denn Bernd ist beruflich in meine Fußstapfen getreten. Außerdem werde ich bestimmt immer mal in meiner ehemaligen ,Wirkungsstätte` auftauchen, um zu sehen, wie es dort weitergeht. Besonders interessiert mich, wie der kürzlich unterschriebene Kooperationsvertrag mit den Berufsbildenden Schulen II Stendal umgesetzt wird, denn er soll dazu beitragen, die Schüler noch besser auf das Leben vorzubereiten."