Wenn die Telekom auf eigene Rechnung ihr Netz erweitert, ist es an den Kunden festzustellen, ob sie das bekommen, was sie bestellt haben. Nicht so, wenn die öffentliche Hand den Ausbau der Datenautobahn mitfinanziert. Dann werden unabhängige Gutachter bestellt, die die Anschlüsse stichprobenartig prüfen. So wie jetzt in Königsmark und Krevese.

Osterburg. Beide Ex-Gemeinden kamen Ende 2010 als erste in der Einheitsgemeinde Osterburg in den Genuss der mit Zuschüssen finanzierten Breitbandanbindung. Die bis dato sehr großzügige Förderung ließ den kommunalen Anteil am sogenannten Defizitausgleich, den die Telekom für eine Erschließung fordert, auf zehn Prozent sinken. Die strukturfördernden Mittel reichte das Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung aus. Und genau diese Behörde besteht beim Erbringen des Fördermittelnachweises auch auf einer Prüfung der DSL-Anschlüsse durch Dritte. In dem Fall eine Landsberger Firma, die mit anderen Unternehmen Daten für eine zentrale Auswertung sammelt.

Hoher Zeitaufwand

Geschäftsführer Jan Friedewald war gestern und vorgestern vor Ort, um in den beiden Gebieten je fünf Anschlüsse "auf Herz und Nieren" zu prüfen. Schweiß tropft dem Computerexperten dabei nicht von der Stirn. Die Kontrolle der Datenflussmenge übernehmen diverse Programme auf Friedewalds Laptop. Das Problem am Verfahren ist eher der Zeitaufwand. Pro Haushalt muss der Landsberger rund eine Stunde einrechnen. Inklusive der Anfahrt sind da kaum mehr als fünf Kunden am Tag möglich.

Die Probanden sucht die Stadt mit Hilfe ihrer Liste zur Bedarfsermittlung aus, die erstellt wurde, bevor seinerzeit überhaupt eine Planung in Auftrag gegeben wurde. Anke Müller, EDV-Fachfrau aus der Stadtverwaltung, bestätigte, dass es gar nicht so einfach ist, Unterstützer zu finden. Einige DSL-Nutzer wollen es einfach nicht, andere sind tagsüber nicht zu Hause und können den Prüfern nur Abendtermine anbieten. Dazu kommt, dass die DSL-Kunden offenbar noch keine sonderlich schlagkräftige Truppe sind.

Bedarfsanalyse

Ein Blick in die Bedarfsanalyse lässt erahnen, warum die Telekom in den besonders dünn besiedelten Regionen so sehr auf einen Defizitausgleich pocht. Der Ruf nach einer Breitbandanbindung ertönte in Krevese und dessen früheren Ortsteilen (Polkern, Dequede und Röthenberg) vor etwa zwei Jahren bei gut 500 angesprochenen Einwohnern nur aus 42 Haushalten. Im Raum Rengerslage, Wasmerslage und Wolterslage mit etwa 210 Einwohnern war DSL in 28 Haushalten willkommen. Königsmark war zu dem Zeitpunkt schon erschlossen. Die Werte müssen am Ende allerdings nicht der tatsächlichen Zahl an Anschlüssen entsprechen. Denn die Telekom und deren Konkurrenz geht mit Kundenlisten nicht hausieren.

Bei der Auswahl der Probanden beschränkte sich Anke Müller auf Haushalte, die DSL 6000 und mehr haben wollten. Bei 16000 Kilobits pro Sekunde im Download und etwa 1000 Kilobits pro Sekunde im Upload ist im Raum Krevese und Königsmark derzeit übrigens das Ende der Fahnenstange erreicht. Aber auch bei den schnellen Anschlüssen erzielte der Prüfer durchweg gute Ergebnisse. Heißt, die angegebenen Leistungen wurden auch am späteren Nachmittag erreicht, wo es vermehrt private Nutzer ins Internet zieht.

Nach Königsmark und Krevese kommt das Prüfprozedere demnächst auf die Erxlebener, Polkauer und Ballerstedter zu, die inzwischen auch über DSL verfügen. Die Klein Ballerstedter sind nicht vergessen. Die Telekom hat wegen der nassen Witterung nur noch keinen Zugriff auf die betreffende Freileitung, hieß es aus der Stadtverwaltung. Für Walsleben, Uchtenhagen, Düsedau, Calberwisch, Meseberg, Dobbrun und Blankensee sei die Planung abgeschlossen. Der Fördermittelbescheid sehe einen Abschluss der Breitband-erschließung bis zum Herbst vor, erklärt Anke Müller.

Mehr Geduld ist dagegen in der Region Flessau-Gladigau gefragt, wo es noch keine offizielle Lösung gibt. Es gebe laut Anke Müller aber hoffnungsvolle Signale.

Eigeninitiative gefragt

Die Fachfrau rät freigeschalteten Haushalten übrigens, nicht darauf zu warten, dass sich ein Anbieter bei ihnen meldet. Die Praxis der vergangenen Wochen habe gezeigt, dass Telekom und Co. potenziellen DSL-Kunden nicht immer die "Tür einrennen". Wer seinen Anschluss zügig haben will, sollte sich kümmern – zumal das Prozedere um Anmeldung und Freischaltung sich von ein paar Tagen bis ein paar Wochen hinziehen kann.