Meseberg l In der aktuellen Gemäldeausstellung in der Kunst- und Kulturscheune in Arneburg findet der Besucher sich neben großformatigen Arbeiten der Goldbecker Künstlerin Michaela Herbst 26 kleinere Bilder von Günter Lüder aus Meseberg; es sind vorwiegend Aquarelle, aber auch einige Bleistiftzeichnungen. Lüders Sohn Steffen ist beim Lesen gezeichnet und gemalt worden, auf anderen Zeichnungen sind Mädchen beim Malen zu sehen. Hier hat Günter Lüder zwei seiner Zirkelteilnehmerinnen Modell sitzen lassen.

Der Meseberger leitet seit mehr als 20 Jahren einen Mal- und Zeichenzirkel in Arendsee. Als er 1955 seine künstlerische Ausbildung im Zirkel für Malerei und Grafik bei Ferdinand Till in Osterburg begonnen hatte, waren Bleistift und Papier die ersten Arbeitsmaterialien. "Farben standen uns nicht im genügenden Maße zur Verfügung, und sie waren auch qualitativ nicht besonders gut", sagt er gegenüber der Volksstimme. Außerdem: "Malen ist erst einmal zeichnen; das ist für angehende Maler so etwas wie das Einmaleins-Lernen in der Grundschule. Und später erfährt man: Zeichnen ist eine Kunst."

Lüders Bilder verraten die Liebe des Malers zu seiner Heimat, der Altmärkischen Wische und dessen Bodenständigkeit. Selbst die einfachsten Motive wie etwa der Steg über einen Wasserlauf bei Falkenberg, die mit Schnee gefüllten grobscholligen Furchen eines Ackers bei Dobbrun, die für die Wische typischen Kopfweiden an Entwässerungsgräben, zum Beispiel der Cossitte, lassen seine Verbundenheit zu seinem Zuhause, das er sich nicht in der Stadt vorstellen kann, farblich deutlich werden.

Jüngstes Bild zeigt reifende Gerste

Besondere Sichten auf das, was ihn täglich umgibt, als der Dipl.-Agraringenieur Lüder vor Jahrzehnten noch mit dem Moped zum VEG Lichterfelde zur Arbeit fuhr, vorzugsweise auf Feldwegen, haben sich ihm eingeprägt, hatte er im Skizzenblock festgehalten, um nach Feierabend danach zu malen. "Schwere Pflugarbeit in der Wische" hatte Lüder ein Bild genannt, das 1983 beim so genannten Komplex-Pflügen entstanden war, als Traktoren vom Typ MTS 80 mit dahinter gespannten Pflügen übers Feld zogen. "Für die Genossenschaftsbauern in der Wische war die schwere Transport- und Bearbeitungstechnik eine große Hilfe, vor allem in der Zeit als sie noch als Einzelbauern wirtschafteten und nur Pferde- und Ochsengespanne besaßen", erklärt er, wenn er Betrachter seiner Bilder um sich hat.

Lüders jüngste Arbeit, ein Aquarell aus diesem Jahr, zeigt reifende Gerste. Im Vordergrund sorgen Klatschmohn und Kornblumen für farblichen Kontrast. Links schieben sich Pappeln wie eine grüne Halbinsel in das Feld. Den Hintergrund bilden Hecken, aus denen einzelne Bäume herausragen. Am Himmel ziehen verschieden schattierte Wolken dahin, etwa, wie sie für unbeständiges Wetter typisch sind. "Beim Biobauern", nennt der Maler das Bild. "Auch das ist naturnahe Landwirtschaft, wohltuende Abwechslung von eintönigen Maisfeldern, das ist es, was Besucher sehen wollen. Ich freue mich immer, wenn ich radelnden Touristen begegne, die sich bei uns umschauen möchten."

Günter Lüder hatte 1979 ein Fernstudium an der Spezialschule für Zirkelleiter des künstlerischen Volksschaffens, Fachrichtung Malerei und Grafik, in Magdeburg abgeschlossen. Aquarell-, Pastell- und Ölmalerei sind seine bevorzugten Techniken. In vielen Ausstellungen, unter anderem in Osterburg, Arendsee, Stendal, Schloss Calberwisch und Rathenow machte er seine Bilder der Öffentlichkeit zugänglich. So wie aktuell in der Arneburger Kulturscheune.