Sie sieht schmutzig-braun aus, riecht übel und produziert an Wehren regelrechte Schaumberge. Die Biese gibt in diesen Tagen kein schönes Bild ab. Trotzdem sei dies nicht ungewöhnlich, heißt es im Ordnungsamt. Der Zustand wäre dem Wetter der zurückliegenden Wochen geschuldet.

Osterburg l "Was ist in der Biese los?", erschrak sich am Mittwoch Bernd Festerling. Der Einwinkeler, der sich in Höhe der Gladigauer Kirche am Ufer aufhielt, nahm einen üblen Geruch wahr. "Am Flussrand schnappten hunderte kleine Fische nach Luft und zeigten sich wenig scheu. Tausende Wasserasseln, die sonst sehr versteckt leben, bewegten sich am Ufer. Erstaunlich war auch, dass ich mehrere Krebse sehen konnte, die sich am Tage außerhalb des Gewässers aufhielten", wunderte sich der Einwinkeler.

Etwa zur gleichen Zeit machten sich einige Kilometer flussabwärts auch Rossauer Einwohner Sorgen um die Biese. "Das sieht alles mehr nach Kläranlage aus als nach einem natürlichen Fluss. Und es riecht auch so", beschrieb ein Rossauer seine Eindrücke.

Deutlich zeigte sich die Verschmutzung gestern Vormittag am Schliecksdorfer Wehr. Schaumberge schwammen in der Biese, mehrere tote Fische trieben im schmutzig-braunen Wasser, das zudem einen üblen Geruch verbreitete.

Dies sei sicher keine schöne Situation, aber auch nicht völlig ungewöhnlich, nahm Matthias Frank dazu Stellung. Der Osterburger Ordnungsamtsleiter, der sich auch mit dem Umweltamt des Landkreises austauschte, nannte Gründe: So habe das warme Sommerwetter in den zurückliegenden Wochen zu einem vermehrten Algenwuchs im Fluss geführt. Der penetrante Geruch sei auf vermodernde Pflanzenreste zurückzuführen. Die Verschmutzung könnte dagegen eine Folge des Starkregens sein, der sich vor einigen Tagen über die Region ergoss. Der im Altmarkkreis Salzwedel noch unter dem Namen Milde bekannte Fluss sei in einigen Bereichen über seine Ufer getreten und habe sich zum Teil über landwirtschaftlichen Boden ausgebreitet. Vermutlich auch über Flächen, auf denen Gülle ausgebracht wurde. Auf diese Weise könnten organische Stoffe in den Fluss gelangt sein, sagte Frank. Das Fischesterben führte der Ordnungsamtsleiter auf einen mit den genannten Problemen einher gehenden Sauerstoffmangel im Fluss zurück.

Rossauer Einwohner zeigten sich gestern skeptisch, ob diese Gründe genügen, um das gesamte Ausmaß der Verunreinigung zu erklären. "Im Sommer 2002 hatten wir nach starken Niederschlägen noch höhere Wasserstände in der Biese. Aber damals blieb das Wasser klar", gaben sie gegenüber der Volksstimme zu bedenken.

Noch nicht abschließend beantwortet war gestern auch die Frage, ob trotz der Verschmutzung bedenkenlos im Fluss gebadet werden kann. "Die letzte Wasserprobe hat das Gesundheitsamt des Landkreises am Montag im Biesebad gezogen. Die war in Ordnung", sagte Matthias Frank. Das Gesundheitsamt habe aber zugesichert, sich noch am gestrigen Abend vor Ort ein eigenes Bild vom aktuellen Zustand der Biese zu machen, fügte der Osterburger Ordnungsamtsleiter abschließend hinzu.

 

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