Wenn die Leute über Torsten Krüger sagen, "der hat aber einen großen Vogel", kann der Kossebauer das inzwischen mit Fassung tragen. Denn zum einen stimmt es, zum anderen ist es genau genommen sogar untertrieben.

Kossebau l Seit 2010 hält der Landwirt, auf dessen Hof sich die Familie um nahezu alle traditionellen Nutztierarten kümmert, Nandus. Das sind Straußen-Vögel, die ursprünglich aus Südamerika stammen, sich wie viele andere Exoten mittlerweile aber auch in Mitteleuropa wohlfühlen.

Sein erstes Zuchtpaar holte sich Krüger aus dem Harz. Über die Volksstimme war er auf ein entsprechendes Inserat aufmerksam geworden.

Nachdem der erste Versuch fehlschlug, sind die Nachzuchtbemühungen in diesem Jahr von Erfolg gekrönt. Neun Kücken tummeln sich derzeit auf dem Hof beziehungsweise im Garten der Familie. Vier Eier hatte Torsten Krüger einem Brutautomaten ein paar Dörfer weiter anvertraut, den Rest brütete der Hahn aus.

Richtig gelesen, der Hahn. Denn bei den Nandus ist die Henne nach dem Legen der Eier sozusagen raus aus dem Geschäft. Das Warmhalten der Eier und den Schutz der Kücken in den ersten Wochen übernimmt der Hahn.

Der Hahn hat das alleinige Sorgerecht

Und der nimmt seine Aufgabe so ernst, dass Krüger die Mutter vom Rest der Familie trennen musste, weil der Vater so aggressiv war beziehungsweise ist. Aber nur zu Artgenossen. Seinem Halter frisst er aus der Hand und lässt ihn auch dicht an die Küken heran. Selbst den Besuch der Mädchen und Jungen aus der örtlichen Kindertagesstätte "Wichtelhausen" Ende vergangener Wochen trug der Alte mit Fassung.

Richtigen Kontakt bekamen die Kinder dann mit den Jungen aus dem Brutapparat, die offenbar keinerlei Kontaktangst haben. Die Knirpse sind seit vielen Jahren Stammgäste auf dem Hof, wenn es etwas tierisches zu Bestaunen oder ein paar Gummibärchen bei Oma Helga abzugreifen gibt.

Die Nandu-Familie zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn für die Laufvögel ließ Krüger einen Teil des Grasgartens verwildern. Strauchwerk, Brennnesseln und anderes "Unkraut" bieten den Tieren zwischen alten Obstbäumen die nötige Deckung und auch einen Großteil der Nahrung, die vor allem aus Blattwerk und Früchten besteht. Körner, so Krüger, können sie nicht verdauen. Aber mal ein Stück eingeweichtes Brot und vor allem Salat lockt die großen und inzwischen auch die kleinen Vögel aus dem Busch. Welches Geschlecht die neun Kücken haben, steht nach zwei Wochen Lebenszeit noch nicht fest. Aber vor allem Hennen will Krüger behalten, um die leider nur saisonale Eierproduktion anzukurbeln. Mit 650 bis 700 Gramm Gewicht bringen diese reichlich das Zehnfache eines durchschnittlichen Hühnereis auf die Waage und lassen schon eine ordentliche Portion Eierback zu.

Zucht derzeit wichtiger als Fleischproduktion

Der Geschmack der Eier ähnelt dem von Hühnern. Wie das Fleisch mundet, weiß der Kossebauer noch nicht. Nandu soll aber wie Strauß schmecken und mit Rindfleisch vergleichbar sein. Fest steht, dass das Fleisch sehr mager ist.

Aber bis die Hähne rund 1,50 Meter groß und 25 bis 30 Kilogramm schwer sind, gehen noch ein paar Tage ins Land. Zwei Küken sind zudem schon versprochen. Wer weiß, vielleicht muss sich Torsten Krüger auf ein Nandu-Steak aus eigener Produktion ja noch bis zum nächsten Jahr gedulden.

 

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