Nach dem verordneten Aus für die Grundschule Werben diskutierte der Stadtrat am Dienstag über die Zukunft des Schulgebäudes. Die Einwohner der Hansestadt sollen darüber mitbestimmen. Sie sind zum 2. September zu einer Versammlung eingeladen.

Werben l "Die Werbener Grundschule ist geschlossen, dem müssen wir uns stellen. Es sei denn, durch eine laufende Klage ändert sich daran noch etwas. Es stellt sich nun für uns alle die Frage, was aus dem Schulgebäude wird", leitete Bürgermeister Jochen Hufschmidt ein.

Das Stadtchef ging noch einmal auf die Konflikte mit der Verbandsgemeinde in den zurückliegenden Wochen ein. Wie er erläuterte, erging seitens der VG an ihn die Bitte, Möbel wie Tische und Stühle aus dem Bestand der Grundschule Werben sowie Computer für die Idener Schule zur Verfügung zu stellen. Hufschmidt untersagte den Abtransport des Mobiliars jedoch, weil das Schulinventar größtenteils Eigentum der Stadt Werben ist. Hufschmidt begründete gegenüber der VG, dass in Werben noch keine Entscheidung über die künftige Nutzung des Schulgebäudes gefallen sei. Der Stadtrat habe darüber zu befinden; somit auch über die Verwendung des Mobiliars. Die Computer seien an die VG übergeben worden, da diese nicht der Stadt Werben gehören.

Beim kürzlichen Werben-Besuch des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, so Hufschmidt weiter, sei darauf verwiesen worden, dass das Schulgebäude weiter für Bildungszwecke zur Verfügung stehe. Haseloff habe seitens der VG Arneburg-Goldbeck erfahren, dass die Werbener Kita im Gebäude untergebracht werden solle. "Das entspricht aber bislang in keiner Weise der Beschlusslage oder Absicht des Werbener Stadtrates", betonte Hufschmidt gegenüber dem Gremium.

Hufschmidt schließt Umzug der Kita ins Schulhaus aus

Haseloff habe zudem einen angeblichen Schimmelbefall in der Kita erwähnt - eine Information, die der Ministerpräsident von der VG erhalten habe. Hufschmidt: "Aus dem Schimmel wurde dann aber später ein Pilz." Es gebe auch einen Pilzbefall im Dach- und Giebelbereich der Kita. Dies sei Hufschmidts Einschätzung nach jedoch nicht gravierend und behebbar. "Die Stadt ist Eigentümer beider Gebäude. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nach all den Investitionen in die Schule nun Geld für deren Umbau zur Kita investieren. In jedem Fall ist es erforderlich, dass der Stadtrat die Entscheidung zur Zukunft des Schulgebäudes trifft. Ich bin der Meinung, dass eine Einwohnerversammlung als Entscheidungshilfe dienen sollte", betonte Hufschmidt. Er schlug als Termin den 2. September um 19Uhr vor. Mehrere Ratsmitglieder sprachen sich ebenfalls für eine solche Versammlung aus.

Wolfgang Trösken meinte, dass die Hauptsatzung der Stadt es hergegeben hätte, das Schulinventar für Iden zur Verfügung zu stellen. "Dazu hätte man auch einen Vertrag mit einer zeitlichen Befristung oder eine ähnliche Vereinbarung abschließen können. Das hätte die Schärfe aus dem Konflikt herausgenommen. Schließlich gehen auch Werbener Kinder in die Idener Schule."

Wolfgang Trösken für Kosten-Gegenüberstellung

Für das Verhalten in dieser Angelegenheit sollte sich die Stadt Werben schämen", so Trösken. Der Behrendorfer mahnte dazu, dass es Zeit sei, sich damit abzufinden, dass die Verbandsgemeinde Schulträger und die Vorgaben des Landes ausschlaggebend für die geänderte Schulstruktur seien. "Das Gegeneinanderarbeiten muss aufhören, denn es vergeudet Kräfte." Das Behrendorfer Ratsmitglied sprach sich für eine Gegenüberstellung der Kosten aus, die eine Herrichtung des Schulgebäudes als Kita und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen an der bestehenden Kita vergleicht. Dabei sei auch der Verkauf des bestehenden Kita-Gebäudes in die Überlegungen einzubeziehen.

Hufschmidt stellte daraufhin seine Sicht klar: "Es geht hier um die Zukunft der Hansestadt Werben und ihrer Familien. Es war richtig, dass wir für den Erhalt der Schule gekämpft haben. Trotz der Trägerschaft der Verbandsgemeinde - es bleibt auch unser Kindergarten und unsere Schule." Ein Umbau des Schulgebäudes zur Kita, so der Bürgermeister, käme schon aus Kostengründen nicht in Frage. "Die Türen in der Schule sind für kleine Kinder ungeeignet, die Fenster sind zu hoch. Das Außengelände müsste komplett abgesichert werden. Und eine Reihe weiterer Maßnahmen wären für eine solche Umnutzung notwendig."

Bernd Schulze betonte, dass die Sanierungsmaßnahmen am Schulgebäude bis 2012 von der VG begleitet sowie vom Kreis und vom Land genehmigt wurden. An Wolfgang Trösken richtete er den Vorwurf, dass er Anteil daran habe, dass die ursprüngliche Planung des Erhalts der Schulstandorte Arneburg, Goldbeck und Werben "über den Haufen geschmissen wurde".

Privatschul-Überlegungen in Werben noch aktuell

Schon die Änderung des Schuleinzugsgebietes des Bereiches Walsleben und Königsmark zu Gunsten von Iden, um dafür den Schulstandort Werben zu opfern, sei ein Unding gewesen. Schulze wies ferner darauf hin, dass in Werben intensiv über die Gründung einer Privatschule nachgedacht werde. "Bis darüber entscheiden ist, muss das Mobiliar in der Schule verbleiben."

Michael Schnelle meinte zum Abschluss der Diskussion: "Nicht die Stadt Werben muss sich schämen, sondern Herr Trösken für sein stadtschädigendes Verhalten."